Daumen hoch bei Christopher Mank. Der Spielertrainer von Blau-Weiß Espa ist im ersten Jahr mit der Ausbeute in der B-Liga bislang zufrieden.
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Daumen hoch bei Christopher Mank. Der Spielertrainer von Blau-Weiß Espa ist im ersten Jahr mit der Ausbeute in der B-Liga bislang zufrieden.

Spielertrainer von Blau-Weiß Espa im Interview

Ein Leben für den Fußball: Warum für Christopher Mank sein Verein "eine Herzensangelegenheit" ist

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Seit dem Sommer ist Christopher Mank Spielertrainer des B-Ligisten Blau-Weiß Espa und hat ist mit dem Verein aus Langgöns gut in die Saison gestartet. Doch für ihn geht es vor allem um etwas anderes.

Blau-Weiß Espa ist in mehrerer Hinsicht ein Exot auf der Landkarte des Fußballkreises Friedberg. Denn zum einen gehört der Heimatort des erst 1981 gegründeten Vereins eigentlich zum Kreis Gießen - als Stadtteil von Langgöns. Zum anderen schafften die Espaer als Aufsteiger in die Fußball-Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1, in der vergangenen Saison den Klassenerhalt mit nur zwei Siegen - einem in der regulären Runde und einem in der Relegation. Seit Saisonbeginn hat Christopher Mank die Truppe nun als Spielertrainer übernommen. Das 35-jährige Urgestein spricht im Interview über sein Hauptanliegen im Verein, seine Arbeit in der Justizvollzugsanstalt Rockenberg und die Ziele für die laufende Saison.

Herr Mank, für Sie ist Ihr Heimatverein Blau-Weiß Espa die erste Trainerstation. Wie läuft’s bis jetzt?

Christopher Mank:Es macht auf jeden Fall sehr viel Spaß. Dem Verein ging es im vergangenen Jahr nicht so gut, wir hatten Personalprobleme, es wurde überlegt, ob und wie es weitergeht, nachdem vor der Runde Daniel Haack als Aufstiegstrainer gegangen war, und ein paar Leistungsträger uns verlassen hatten. Beim Weihnachtsmarkt in Espa bin ich dann mit dem Vorstand ins Gespräch gekommen, dass ich das als Spielertrainer übernehmen könnte. Obwohl wir die letzten Spiele verloren haben, sieht es bis jetzt ganz gut aus, nicht zuletzt, weil ich vor der Saison ein paar Neuzugänge akquirieren konnte und wir einen guten Saisonstart hatten. Bis jetzt haben wir jedes Spiel mit mindestens 14 Spielern angetreten und ich glaube, das allein ist bereits ein Erfolg. Unser Ziel ist der Klassenerhalt und dafür sieht es bis jetzt ganz gut aus.

Sie spüren also eine Verbundenheit?

Mank.Ich komme aus Espa und kenne den Ort nicht ohne Fußball. Ich finde es total schade, wenn das verloren ginge, zumal es dann auch für die anderen Sparten im Verein nicht besonders gut aussehen würde. Ich glaube auch, dass es ganz schwer werden würde, wieder etwas aufzubauen, wenn man die Mannschaft einmal abmelden würde. Für mich ist es eine Herzensangelegenheit dem Verein und dem Ort gegenüber.

Vor zwei Jahren hat Blau-Weiß Espa noch in der C-Klasse gespielt - als eine von zwei ersten Mannschaften in der Nord-Gruppe. Was hat sich seitdem verändert?

Mank:Ich glaube es macht mental schon einen Unterschied, etwa wenn es darum geht, junge Spieler anzusprechen. Wenn man es dann eine Saison schafft, in der Klasse zu bleiben, steigert sich die ganze Mannschaft, denn das Niveau ist schon anders.

In der B-Liga spielen Sie gegen mehr erste Mannschaften. Macht sich das in Sachen Zuschauern bemerkbar?

Mank:Auf anderen Plätzen auf jeden Fall. Bei uns sind die meiste Zeit dieselben Leute da, aber durch Freunde von mir haben wir es auch geschafft, dass ein paar Familien wieder einmal auf den Sportplatz gegangen sind. Das hat den Verein schon immer ausgemacht, dass die gesamte Familie herkommen kann: die Kinder spielen, die Frauen unterhalten sich und jeder hilft mit oder bringt etwas mit, sodass am Ende alle Spaß haben. Im Verein geht es sehr familiär zu.

Viele Vereine haben Probleme, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, gehen dann in Spielgemeinschaften. War das in Espa bislang ein Thema?

Mank:Natürlich ist es für alle schwieriger geworden, selbst in einer großen Stadt wie Butzbach. Für uns ist die Situation noch einmal härter ohne eigene Jugend, denn davon gibt es schlicht zu wenig. Dennoch war eine Spielgemeinschaft bislang kein Thema, aber bevor man seine Mannschaft ganz abmeldet, sollte man sich nach meiner Auffassung Gedanken darüber machen. Von meiner Arbeit in der JVA Rockenberg weiß ich, wie wichtig so eine Vereinsarbeit auch sein kann.

Wie meinen Sie das?

Christopher Mank im Portrait
Christopher Mank ist ein Espaer Urgestein. Der 35-Jährige hat in seiner Jugend beim FC Cleeberg gespielt, nach der C-Jugend aufgrund von Verletzungen allerdings aufgehört, ehe er mit 18 Jahren wieder eingestiegen ist. Seitdem spielt er für Blau-Weiß Espa und hat dort von der C- bis zur A-Liga schon alles mitgemacht. Der Vater von zwei Söhnen und zwei Töchtern lebt in Espa und arbeitet in der Justizvollzugsanstalt in Rockenberg als Sportübungsleiter, wo er unter anderem die Fußballmannschaft SG Marienschloss Butzbach betreut. Gemeinsam mit der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußballbundes nimmt er mit seinem Team am Projekt "Anstoß für ein neues Leben" zur Resozialisierung junger Strafgefangener teil.

Mank:Bei uns geht es am Ende einer Haftzeit um das Entlassungsmanagament. Da wird geschaut, ob der Strafgefangene eine Wohnung für die Zeit danach hat, einen Job oder eine Schule. Was nicht gemacht wird, ist sich um die Freizeitgestaltung zu kümmern. Bei acht Stunden Schlaf und acht Stunden Arbeit bleiben ihm aber immer noch acht Stunden Freizeit, um mit den falschen Leuten abzuhängen. Da bin ich jetzt mit dem Hessischen Fußballverband dran, ein Netzwerk von Vereinen aufzubauen, die bereit sind, solche Menschen aufzunehmen, um sie auf die richtige Bahn zu bringen. Denn in einem Verein findet man Freunde, man lernt, sich sozial weiterzuentwickeln, ein Team zu sein - das macht einen Verein aus.

Haben Sie dahingehend schon Erfahrungen bei Ihrem Verein machen können?

Mank:In der Tat hatten wir schon einen jungen Mann integriert, der aber jetzt aufgrund familiärer Probleme zurück in seine Heimat nach Eschwege musste. Er hatte schon drei Spiele für uns gemacht. Aber der Verein ist insgesamt offen dafür und das ist schön. Der Vorstand hat mir signalisiert, dass er bereit ist, den Jungs eine zweite Chance zu geben.

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