Karl Ernst Kunkel hat 30 Jahre lang die Entwicklung bei der SG Melbach geprägt. Heute feiert der Vorsitzende des Kreissportgerichts seinen 65. Geburtstag.	FOTO: NICI MERZ
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Karl Ernst Kunkel hat 30 Jahre lang die Entwicklung bei der SG Melbach geprägt. Heute feiert der Vorsitzende des Kreissportgerichts seinen 65. Geburtstag. FOTO: NICI MERZ

Fussball

Ein Leben für den Fußball: Karl-Ernst Kunkel feiert 65. Geburtstag

  • Michael Nickolaus
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Er hat die SG Melbach 30 Jahre lang als Vorsitzender geprägt. Heute ist er Chef des Kreissportgerichts. Zum Geburtstag blickt Karl-Ernst Kunkel auf das Ehrenamt, Entwicklungen und Entscheidungen zurück.

Karl-Ernst Kunkel, Melbach, Fußball - das gehört ganz einfach zusammen; seit eh und je. Drei Jahrzehnte lang war der Diplom-Ingenieur Vorsitzender der Sportgemeinschaft Melbach, und ebenso lang hat er als Jugendtrainer in seiner Heimat-Gemeinde den Verein geprägt. Inzwischen ist Kunkel Ehrenpräsident der SG und Vorsitzender im Kreissportgericht. Zum 65. Geburtstag am heutigen Donnerstag blickt er auf das Ehrenamt, auf Entscheidungen und Entwicklungen zurück.

Respekt im Fußball: »Das hat sich sehr gewandelt. Junge Leute haben heute ein anders Auftreten als meine Generation in den 1970er Jahren. Als A-Jugendlicher habe ich meinen Seniorentrainer gefragt, ob ich es wirklich schaffen könnte. Heute will jeder gleich die Nummer 10 auf dem Rücken tragen«, sagt Kunkel.

Jugendfußball im Wandel der Zeit : »In der heutigen Zeit würde ich wahrscheinlich keine Mannschaft mehr übernehmen. Da stehen Eltern, Großeltern und Geschwister schon beim Training dabei oder laufen aufs Spielfeld, wenn der Junge mal hingefallen sind. Das hat sich doch extrem verändert. Die, die Ahnung vom Fußball haben, sind meist die ruhigsten. Die, die nie selbst gespielt haben, wissen aber alles besser als Trainer und Schiedsrichter. Ich habe aus meiner Zeit als Jugendtrainer noch heute viele Verbindungen und gute Verhältnisse zu meinen Jungs. Da weiß ich, dass ich so viel nicht verkehrt gemacht haben kann.«

Die wichtigste Entscheidung als Klub-Chef: Er habe viele Jahre lang für einen Nebenplatz am Sportgelände in Melbach gekämpft, sagt Kunkel. Jetzt werde das Vorhaben endlich umgesetzt. »Vielleicht hat meine Hartnäckigkeit ja etwas dazu beitragen.« Die Kunkelsche Handschrift trägt die Erweiterung des Sportheims Mitte der 90er-Jahre. »Da war ich zwei Jahre lang quasi der Bauleiter, als wir das Projekt mit der Gemeinde durchgezogen haben.«

Was ihn als Vorsitzender im Kreissportgericht den Kopf schütteln lässt: Seit 2000 ist Kunkel Beisitzer, seit 2012 Vorsitzender des Kreissportgerichts. »Ich mache mir in dieser Tätigkeit im Vorfeld und bei der Verhandlung sehr viel Mühe und Gedanken und möchte ein Urteil ohne Bauchschmerzen schreiben können, zu dem das Gremium auch umfänglich stehen kann. Das klappt nicht immer. Wir mussten beispielsweise nach dem Stadtpokal-Endspiel in Steinfurth ein Urteil fällen, von dem wir wissen, dass es falsch war. Das nervt sehr. Aufgrund der Aussagen während der Verhandlung hatten wir aber keine andere Möglichkeit bei unserer Entscheidung.«

Außergewöhnliche Fälle und Urteile: Aus dem Rahmen fällt sicherlich die Verhandlung nach einem Spiel in Ostheim, als es zu Tätlichkeiten und Zuschauerausschreitungen gekommen war, in deren Verlauf ein Messer gezückt worden sein soll. Dieser Verdacht bestätigte sich nicht. »Das war die längste und anstrengendste Verhandlung«, sagt Kunkel. In die Kategorie »außergewöhnlich« passt sicherlich auch der Schiedsrichter, der sich im vergangenen Herbst zu Boden warf; aus Sorge um Corona-Infektion, nachdem ihm Spieler nahe gekommen waren. Das Spiel wurde daraufhin abgebrochen. Zudem lagen in der Saison 2018/19 drei Spielabbrüche auf dem Tisch, jeweils nach Tätlichkeiten gegen den Unparteiischen. »Alle Fälle müssen sehr differenziert betrachtet und können nur von denjenigen beurteilt werden, die in allen Verhandlungen dabei waren«, sagt Kunkel. Mal gab’s nur eine Sperre von drei Spielen, mal waren es auch 14 Partien. »Ich habe immer noch sehr viel Freude an dieser Tätigkeit. Teilweise wird das Urteil aber auch sehr persönlich genommen. Da wirst du dann eine Zeitlang nicht mehr angeschaut.«

Der größte Erfolg: Sportliche Höhepunkte erlebte Kunkel als Jugendtrainer, aktiver Spieler und Funktionär. Haften bleibt beispielsweise aus den 1980er Jahren Platz drei in der C-Jugend-Bezirksliga, der damals höchstmöglichen Spielklasse, hinter Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach. Im Kader der SG unter Kunkel standen der spätere Profi Uwe Bindewald und Rene Schlichting, der später mit der U17-Nationalmannschaft das WM-Finale in China (1:2 gegen Nigeria) bestritten hat. Zwei Jahrgänge hat Kunkel von Kleinauf begleitet und an den Seniorenbereich herangeführt, darunter seine Söhne Lars und Niklas. »Wenn’s fußballerisch etwas zu besprechen gab, haben wir das immer direkt auf dem Sportplatz gemacht und nicht mit nach Hause getragen«, sagt Vater Karl-Ernst.

Als aktiver Spieler hatte er 1978 mit der SG das Kreispokalfinale erreicht (Niederlage gegen den VfB Friedberg in Schwalheim).

Gänsehaut verspürte Kunkel als Klub-Vorsitzender beim Kreisoberliga-Aufstieg 2008. Beim direkten Konkurrenten in Ober-Wöllstadt wurden beim 2:0 die entscheidenden Punkte geholt. »Ich glaube, von den 1200 Einwohnern waren damals gefühlt 1100 Menschen in Wöllstadt vor Ort«, erinnert er sich.

Die Motivation für das‹ Ehrenamt : »Mich musste man nicht motivieren. Ich habe das immer gerne gemacht. Nur die letzten zwei, drei Jahre hab ich’s dann doch gemerkt, dass es langsam genug ist. Ich wollte die 30 Jahre aber noch voll machen«, sagt Kunkel. Er hatte 1988 die Nachfolge von Robert Debes angetreten, nachdem zuvor bei zwei Mitgliederversammlungen kein neuer Vorsitzender gefunden worden war. »Meine Frau Ingrid hat mich immer unterstützt, ebenso meine Söhne. Ich habe in all dieser Zeit tolle Menschen kennengelernt und nette Gespräche geführt. Das möchte ich nicht missen.«

Der schönste und der schlimmste Moment: Da kommt natürlich die Geschichte mit dem mutwillig abgesägten Tor aus dem Jahr 2017 auf den Tisch. »Ja, das war schon extrem.« Just als die Vatertags-Wanderung beginnen sollte, war man am Sportplatz auf das umliegende Tor aufmerksam geworden. »Wir hatten 90-jähriges Bestehen, noch ein Heimspiel und die Relegation zu bestreiten. In toller Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist es gelungen, rasch zwei neue Tore und entsprechenes Zubehör auf den Sportplatz zu bringen.«

In Erinnerung bleibt auch die Meisterfeier von 1995. Die Band hatte damals eine Schlange mitgebracht und in ihre Show eingebunden. »Das war in der damaligen Zeit in Melbach schon sehr außergewöhnlich.« Zudem konnte die SG die Traditionsmannschaften vom FC Schalke 04 und Eintracht Frankfurt in Melbach begrüßen. »Der Sportplatz war voll. Damals hatten diese Mannschaft noch Zugkraft.«

Sorgen hatten das Vereinsjubiläum 2007 begleitet. Ein Gewittersturm fegte just am Kommers- und Tanzabend über die Wetterau-Gemeinde. »Das Zelt war proppenvoll, und wir mussten Angst haben, dass es uns um die Ohren fliegt«, erinnert er sich.

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