+

80 und kein bisschen müde

Ein Leben für das Ehrenamt

  • schließen

Die Stunden, die Rolf Lutz in seinem Leben für Sport und Ehrenamt investiert hat, sind unzählbar. Trotz seines 80. Geburtstags am heutigen Freitag denkt er nicht ans Aufhören.

Wissen ist Macht." Dieser einfache wie bekannte Leitspruch prägt das Leben von Rolf Lutz - mittlerweile seit 80 Jahren. Wenn der Stammheimer heute seinen Ehrentag begeht, dann kann er auf ein ganzes Leben als Ehrenamtlicher zurückblicken. Dieses hat ihm nicht nur eine Reihe von Ehrenmitgliedschaften und Auszeichnungen verschafft (siehe Kasten), sondern vor allem Dutzende besondere Begegnungen von Max Schmeling bis zum japanischen Thronfolger. Sein Antrieb ist aber auch mit 80 Jahren noch da: "Ich habe auf Staatskosten studieren dürfen. Deshalb habe ich mich immer der Gesellschaft verpflichtet gefühlt", sagt er. "Ich habe bei meinen Tätigkeiten immer versucht, die Basis zu vertreten. Leute, die sich bereiterklären, etwas ehrenamtlich zu tun, müssen auch dazu befähigt werden. Daher lautet mein Motto damals wie heute: ›Aus der Praxis für die Praxis."

Als 15-Jähriger mit Ehrenamt begonnen

Lutz ist in Gießen geboren und in Garbenteich aufgewachsen. Von Vater und Großeltern bekommt er die Liebe zum Sport vermittelt, spielt Fußball bei seinem Heimatverein SV Garbenteich. Da er auf das Gymnasium geht, wird er 1954 als 15-Jähriger gefragt, ob er nicht die Pressearbeit übernehmen kann. Es war der Einstieg in seine Arbeit als Archivar und Journalist, denn schon bald kommen Anfragen von Tageszeitungen, mit denen er sein Studium finanziert. Da er pro Zeile und Foto bezahlt wird, archiviert er all seine Artikel. Es folgt eine Karriere als Grund-, Haupt- und Realschullehrer in Sport, Deutsch und Religion - erst nahe Bad Hersfeld, dann zehn Jahre als in Stammheim als jüngster Schulleiter Hessens, anschließend 22 Jahre in Bad Vilbel an der Saalburgschule. Dazu kommt Vereinsarbeit, vor allem im Sport, in seiner "zweiten Heimat Stammheim" (Lutz) aber auch ehrenamtliche Tätigkeit als Archivar und im Arbeitskreis Dorfgeschichte - für den Ort, die Stadt, die Kirchengemeinde. Das Hauptaugenmerk ist aber die Arbeit in den Vorständen und Präsidien von Hessischer Sportjugend, im Landessportbund, im Hessischen Fußballverband und im Sportkreis. "Wenn man erst einmal irgendwo drin ist, wächst so etwas ganz von alleine", sagt Lutz. "Auf den Funktionärsebenen könnte ich so einiges zur erfolgreichen Arbeit beitragen." Nicht wenige Errungenschaften wie das Stammheimer Spielfest oder der Seniorentag im Sportkreis gehen auf seine Ideen zurück.

Zentral ist immer sein Interesse für Entwicklung, aber auch für Geschichte. So gibt Lutz in fast allen Positionen Zeitschriften, Bücher und andere Veröffentlichungen heraus. "Hierbei hat mir meine Arbeit bei der Zeitung geholfen. Hätte ich das Handwerkszeug nicht irgendwann gelernt, hätte ich nie so flüssig arbeiten können. Durch die Erfahrung fällt die Arbeit immer leichter", sagt er. Und so schreibt er - auch für diese Zeitung als Freier Mitarbeiter -, erzählt die Geschichten, die er seinen archivalischen Quellen findet, berät die Vereine in Sachen Steuern, Gema oder Versicherungen. Seine Spezialität: Praxisseminare zur Schulung von Vereinsvertretern. "Da hatte ich neulich ein schönes Erlebnis, als mich in Kassel ein Mann ansprach, vor dem ich vor 30 Jahren einen Vortrag gehalten hatte. Mit einem solchen Feedback macht das Ehrenamt Freude", erzählt Lutz. "Das einzige, was mir peinlich ist, ist, wenn ich die Leute nicht mehr kenne, weil ich so viel gemacht habe."

Erst Empfang, dann gemütliche Feier

Zum Geburtstag ist ein Empfang im "Glashaus" des Stammheimer Traktorclubs geplant, abends soll der gemütliche Teil mit Familie und Freunde folgen. Denn ohne die wäre das alles nicht möglich gewesen, wie Lutz betont: "Ich habe eine verständnisvolle Frau, zwei tolle Kinder und zwei Enkel, die mein Hobby tolerieren. Dafür bin ich sehr dankbar." Der größte Wunsch: "Die Gesundheit steht an erster Stelle." Die hat Lutz schon öfter gebeutelt, nach der Zwangspensionierung nach drei schweren Bandscheibenoperationen folgten bis heute fünf Herzinfarkte. Doch Lutz lässt sich nicht unterkriegen: "80 Jahre sind auch schon ein bisschen was, daher bin ich zufrieden", sagt er. Die neuesten Projekte sind bereits in Arbeit: ein Buch über den Florstädter Heimatforscher Karl Dielmann, ein Bildband aus der Stammheimer Dorfgeschichte und eine Festschrift für das 100-jährige Vereinsjubiläum der SG Stammheim 2020. Außerdem schreibt Lutz auch heute noch die Kolumne "Zurückgeblättert" im "Hessenfußball", arbeitet jeden Dienstag im Archiv des Hessischen Fußball-Verband in Grünberg. Es gibt eben noch viel zu tun.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare