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Lanny Gare: »Mein Albtraum«

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(mn) Lanny Gare trägt seine Tochter auf dem Arm. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Ablenkung. »Dieses Bully ist mein Albtraum. Es wird mich den Sommer über verfolgen«, sagt der 36-Jährige über jene Szene, die als Knackpunkt des DEL2-Halbfinales zwischen Frankfurt und Bremerhaven charakterisiert wird.

Vier Sekunden sind am Freitagabend noch zu spielen, 2:2 steht’s in der Serie, und der Aufsteiger vom Main führt beim Meister mit einem Tor Unterschied, als Gare, eigentlich ein Bullyspezialist, das Anspiel gegen Andrew McPherson im eigenen Drittel verliert. Zwei Sekunden später zappelt der Puck zum Ausgleich im Netz. Die Fishtown Pinguins, scheinbar schon geschlagen, gewinnen in der Verlängerung Spiel fünf, haben nun den psychologischen Vorteil und entscheiden am Sonntag im sechsten Duell auch die Serie gegen die Hessen für sich. »Ich hätte das Bully nicht verlieren dürfen. Nicht so«, sagt Gare, einst ein Publikumsliebling in Bad Nauheim.

»In 100 Versuchen klappt das vielleicht ein einziges Mal. Aber das zeigt auch die Klasse von Bremerhaven. Großartige Spieler sind zu großartigen Spielzügen in der Lage.

Diese Szene wird uns sicher noch ein Weilchen beschäftigen«, glaubt Löwen-Trainer Tim Kehler und sagt zugleich: »Ich könnte keinen größeren Stolz auf meine Mannschaft, die überhaupt so weit gekommen ist, empfinden.« Im letzten Saisonspiel hatten zwei Gegentreffer binnen 80 Sekunden im zweiten Drittel vorentscheidende Bedeutung. »Bremerhaven hat seine wenigen Chancen genutzt. Wir haben offensiv hingegen extrem viel Aufwand betreiben und investieren müssen«, zog Patrick Vogl, der Kapitän, sein Fazit. Die Löwen hatten das oft so bedeutungsvolle Momentum, den Schwung nach dem Anschlusstreffer, in ihrem letzten Saisonspiel viel zu schnell wieder verloren.

Als »Heulsusentruppe« waren die Pinguins in Frankfurt begrüßt und verspottet worden. Mit Tausenden Taschentüchern wurde symbolisch gewunken, als die Gäste das Eis betraten.

Insgesamt fünf Verfahren gegen Spieler der Löwen Frankfurt hatte Bremerhaven allein in dieser Halbfinal-Serie beim DEL-Disziplinarausschuss eingeleitet, drei Fälle wurden eingestellt, was für den Meister satte 9000 Euro an Kosten nach sich zieht. Die Flut an nachträglichen Verfahren, die auf Videoanalysen basieren, wird auch innerhalb der Liga kritisch gesehen. »Wir als Vereine müssen uns überlegen, wie wir künftig mit diesem Thema umgehen«, sagt Andreas Ortwein. Der Geschäftsführer des EC Bad Nauheim war am Sonntag ebenso wie Gesellschafter Bernd Kröll und viele Fans aus der Wetterau live vor Ort. »Eine Katastrophe für den Sport«, nennt Löwen-Geschäftsführer Stefan Krämer die Auswüchse in dieser Halbfinal-Serie. »Wir selbst haben zwei Videos eingereicht von Fouls, die wir für gesundheitsgefährdend hielten, und die Liga hat uns mit langen Sperren Recht gegeben.«

Von einem »emotionalen Abschluss« sprach Gesellschafter Andreas Stracke später im VIP-Zelt vor der Eissporthalle am Ratsweg. »Wir haben ein Super-Ergebnis erzielt, mit dem nach dem schlechten Start niemand gerechnet hatte. Wir haben nie aufgesteckt, auch heute nicht. Wir haben uns so präsentiert, wie die Fans uns lieben, und können stolz sein – auch wenn das heute nach der Niederlage vielleicht schwer fällt.« Und einen Titel habe man ab September schließlich auch noch zu verteidigen; den der Nummer eins in Hessen.

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