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Seit 2017 ist der Diplom-Kaufmann Michael Görner Präsident des FSV Frankfurt. FOTO: HÜBNER

Aus der Krise gelernt

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Wie viele Fußball-Klubs ist der FSV Frankfurt als Regionalligist besonders von der Coronavirus-Krise betroffen - Spiel- und Trainingsbetrieb sind nicht rentabel, zudem läuft auch im eigenen Stadion nichts. Dennoch ist Präsident Michael Görner beim Blick in die Zukunft optimistisch.

Mit Krisen kennt man sich beim FSV Frankfurt aus. 2017 stand der damalige Drittligist vor dem finanziellen Aus, kurz nach dem Amtsantritt von Präsident Michael Görner musste die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt werden. Diese Erfahrungen helfen dem Fußball-Regionalligisten jetzt, glaubt der 59-Jährige. Im Interview spricht Görner über die Folgen der Coronavirus-Krise für seinen Verein.

Herr Görner, wie denken Sie und der FSV Frankfurt über einen Abbruch der Saison in der Regionalliga Südwest?

Wir plädieren für Abbruch. Damit sind wird nicht alleine, in der Videokonferenz haben sich alle 18 Vereine dafür ausgesprochen. Aber eine Entscheidung wird erst nach dem DFB-Bundestag (kommenden Montag, Anm. d. Red.) fallen, weil dort noch über eine Eingabe des Saarländischen Fußballverbandes zur Umstrukturierung der 3. Liga verhandelt wird. Wir gehen aber alle davon aus, dass die Saison abgebrochen wird, es mit dem 1. FC Saarbrücken einen Aufsteiger und keine Absteiger gibt. Die Regionalliga wird aufgestockt und könnte, wenn wieder Fußball gespielt werden kann, bis zu 23, 24 Mannschaften groß werden.

Wie waren die zwei Monate seit Unterbrechung des Spielbetriebs für den FSV?

Neben dem Spiel- haben wir auch den kompletten Trainingsbetrieb eingestellt, die Fußballschule auch. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Nichtsdestotrotz war es für mich und gerade die Geschäftsführung eine sehr arbeitsreiche Zeit, weil unter den veränderten wirtschaftlichen Umständen viele Dinge auf den richtigen Weg zu bringen waren.

Wie sind die Mitarbeiter damit umgegangen?

Wir haben hier eine ganz besondere Situation, die auch mit der Insolvenz 2017 zusammenhängt. Da sind wir alle zusammengerückt, mit dem großen Ziel, den FSV wieder voranzubringen. Corona ist eine besondere Herausforderung. Aber es ist von Vorteil, dass wir diesen Spirit haben. Jedem war klar dass Kurzarbeit aus wirtschaftlichen Gründen nötig ist und ja auch viel Arbeit entfällt. Auch die Übungsleiter haben zu großen Teilen auf ihre Pauschalen verzichtet. Es gibt eine große Solidarität in der Belegschaft. Das macht uns Mut.

Können Sie inzwischen genauer einschätzen, wie schwer die Krise den FSV trifft?

Da gibt es ja unterschiedliche Aspekte. Man darf dabei nicht vergessen, dass wir das machen, weil wir den Fußballsport lieben. Dass die Nachwuchsspieler nicht spielen, die Übungsleiter nicht auf dem Platz stehen können, wird sicher noch nachhallen. Auf der wirtschaftlichen Seite können wir klar ausrechnen, was uns auf der einen Seite weggebrochen ist und wie wir das auf der anderen Seite kompensieren können. Da geht es allein um einen sechsstelligen Umsatz, der uns als Betreiber des Stadions fehlt. Bis zum Ende des Fiskaljahres am 30. Juni wird sich der Einnahmeverlust insgesamt auf etwas mehr als 200 000 Euro belaufen, vor allem aus der Fußballschule und Veranstaltungen im Stadion, drei Spielen der Universe-Footballer und unseren fünf Regionalliga-Heimspielen.

Wie lässt sich das auffangen?

Durch verschiedene Maßnahmen. Es fallen ja auch nicht nur Einnahmen, sondern auch Kosten weg - für Security, Catering, Reinigung beispielsweise. Neben der Kurzarbeit haben wir beim Land Soforthilfe beantragt und bewilligt bekommen. Und wir machen auch eigene Aktionen, um unsere Mitglieder, Freunde und Unterstützer zu aktivieren. 20 000 Euro haben wir durch Virtual-Reality-Tickets zusammenbekommen, für einen virtuellen Stadionrundgang mit Interviews, nach der Corona-Zeit wird es dafür auch noch ein Konzert geben. Die aktuelle Situation haben wir eigentlich gut im Griff. Durch die Insolvenz sind wir in Übung mit herausfordernden Situationen. Schwieriger wird es aber, was die neue Saison angeht.

Was erwarten Sie da?

Da gibt es viele offene Fragen. Vor allem: Wann können wir wieder Fußball spielen? Und wann wieder mit Zuschauern? Wie reagieren die Sponsoren? Unklar ist auch noch, ob die Footballer bei uns spielen.

Haben Sie Rückmeldungen von Sponsoren?

Wir haben relativ zügig die Sponsoren kontaktiert. Der Zuspruch war sehr gut. Es gab tatsächlich auch schon erste Vertragsabschlüsse. Und keiner unserer Partner hat Rückforderungen für den Ausfall der Heimspiele gestellt.

Vertragsabschlüsse gab es auch schon mit Spielern.

Natürlich muss auch Thomas Brendel als Sportlicher Leiter und Trainer bei der Zusammenstellung des Kaders mit einer gewissen Ungewissheit leben. Einige Spieler haben noch Verträge für die nächste Saison, einige wollen wir auf jeden Fall halten und auch einige aus unserer A-Jugend übernehmen. Thomas Brendel hat auch schon Gespräche geführt mit möglichen Neuzugängen. Aber bei Neuverpflichtungen sind wir gerade noch etwas zurückhaltend.

Die Sportplätze dürfen jetzt geöffnet werden. Fährt auch der FSV Frankfurt langsam wieder hoch?

Auch wir könnten wieder mit allen Mannschaften trainieren, unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Aber wir haben uns bewusst dagegen entschieden. So wie wir auch den Jugendfußball als Leistungssport betreiben, lässt sich das unter diesen Umständen nicht machen. Auch bei den Profis ergibt es keinen Sinn, die Spieler dem Risiko einer Ansteckung auszusetzen, solange nicht klar ist, ob in dieser Saison noch einmal gespielt wird oder eben nicht.

Wie wird der FSV aus der Corona-Krise kommen?

Jeder beschäftigt sich im Moment mit Zukunftsfragen, aber keiner hat eine Glaskugel. Ich bin mir aber sicher, dass der FSV mit seinen 120 Jahren auch diese Phase übersteht und gestärkt daraus hervorgeht. Weil er als Ganzes - Profis, Verein, Partner - zusammengehalten und gezeigt hat, wie wichtig er für viele Menschen ist.

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