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Bei der TSG Ober Wöllstadt läuft es rund. Das Team hat die beste Offensive der Liga und liegt mit acht Zählern Vorsprung klar auf Aufstiegskurs.

Fußball

Kreisoberliga: Überflieger, Schützenfeste und ein Trainerabgang - so lief die Hinrunde

  • Christoph Sommerfeld
    VonChristoph Sommerfeld
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Welche Klubs sind im Soll? Wer enttäuschte bislang? Wo besteht Handlungsbedarf? In der Kreisoberliga Friedberg ist die Hinrunde absolviert. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Die Kreisoberliga Friedberg hat sich erstmal in die Winterpause gerettet. Mit dem Abschluss der vorerst letzten Begegnung am Sonntag im Bad Nauheimer Waldstadion sind die magischen 50 Prozent hierzulande erreicht. Jene Mindestquote hatte der Hessische Fußball-Verband vor der Runde vorgeschrieben, um für den Fall eines erneuten kompletten Abbruchs eine Bewertungsgrundlage zu schaffen, die juristisch nicht angreifbar ist.

Nach der Hälfte der Strecke liegt die TSG Ober-Wöllstadt klar auf Aufstiegskurs und erfüllte bislang alle Erwartungen. Hinter den eigenen Ansprüchen zurück blieben bislang beispielsweise der VfB Friedberg und die FSG Burg-Gräfenrode. Am Tabellenende findet sich unverhofft die Reserve von Türk Gücü Friedberg wieder, die in der laufenden Runde den bislang einzigen Trainerabgang verzeichnete. Wir haben einige interessante Aspekte der letzten drei Monate herausgesucht, die im Friedberger Fußball-Oberhaus für Gesprächsstoff sorgten.

Trefferflut - Zwei Partien in der abgelaufenen Halbserie dürften die beteiligten Torhüter in bitterer Erinnerung behalten. Denn dabei mussten sie so richtig oft hinter sich greifen. Zwölf bzw. 13 »Buden« fielen in den beiden torreichsten Spielen zwischen Mitte August und Ende November. Und an jedem Schützenfest beteiligt war der FC Ober-Rosbach, der beide Begegnungen in weniger guter Erinnerung behalten dürfte. Am 22. August gastierte die Mannschaft von Trainer Jens Pätzold beim SC Dortelweil II und holte sich eine deftige 4:8-Klatsche ab. Obwohl die Gäste im Bad Vilbeler Stadtteil zwischenzeitlich sogar geführt hatten, setzte es am Ende eine schmerzvolle Niederlage.

Enger ging es beim »Tag der offenen Tore« am Friedberger Burgfeld zu. Das umjubelte 7:6 für den gastgebenden VfB gegen ebenfalls treffsichere Ober-Rosbacher erzielte Amadeo Cela in der Nachspielzeit. Für die Mannschaft vom Eisenkrain, die dreimal in Führung gegangen war, bleibt also auch der 8. September in unguter Erinnerung.

Hinter den Erwartungen - Trotz allem steht der VfB Friedberg im Ranking zwei Plätze hinter Ober-Rosbach auf Position acht. Obwohl die Kreisstädter - wie Trainer Rainer Pausch vor der Saison vorgegeben hatte - eine Platzierung unter den ersten fünf ins Auge gefasst hatten. »Ich sehe den Grund für unser bisheriges Abschneiden vor allem in der Corona-Pandemie«, erklärte der Übungsleiter des VfB. »Wir haben viele Studenten im Kader. Die sind zum Teil nach Hause in die Heimat gefahren, um ihre Eltern zu besuchen, die sie lange nicht mehr gesehen hatten. Das hat sich an vielen Wochenenden bemerkbar gemacht«, führte Pausch weiter aus.

Der Friedberger Coach wies allerdings auch auf den ansonsten gebeutelten Kader hin. Lange musste man auf Leistungsträger wie Tanyel Fedler, Waldemar Patzwald und Malte Strothmann verzichten. Von den drei Neuzugängen schlug keiner so richtig ein. Marian Kipphan, im Sommer vom SV Assenheim gekommen, wechselte gar noch während der Transferperiode zurück zum B-Ligisten. Und so legt Pausch das Hauptaugenmerk in der Rückrunde - sofern sie gespielt werden kann - schon wieder auf die nächste Vorrunde 2022/23. »Wir dürften weder mit Auf- noch Abstieg etwas zu tun haben und können ab jetzt schon für die kommende Saison planen.«

Nicht so ganz im Soll ist auch die FSG Burg-Gräfenrode, die sich als freiwilliger Gruppenliga-Absteiger laut Trainer und Vorsitzendem Florian Fünffinger auf einen einstelligen Tabellenplatz konzentrieren wollte. Als Rangzehnter - punktgleich mit dem VfB Friedberg und der Spvgg. 08 Bad Nauheim - ist die Vorgabe zwar aktuell nur einen Wimpernschlag entfernt. Allzu ambitioniert war das ausgegebene Ziel angesichts eines 14er-Feldes aber ohnehin nicht.

Platz an der Sonne - Vollauf im Plan liegt dagegen der auf Platz eins thronende Spitzenreiter TSG Ober-Wöllstadt, der zusammen mit dem Nachbarn aus Nieder-Wöllstadt und dem SV Nieder-Weisel auch ganz oben erwartet worden war. Die Topspiele gegen die direkte Konkurrenz gewann die Elf von Spielertrainer Harez Habib allesamt. Zwei Ausrutscher leistete man sich beim SV Bruchenbrücken (3:5) und zu Hause gegen die Spvgg. Bad Nauheim (1:2). Die Ausgeglichenheit im Kader wird nicht zuletzt dadurch dokumentiert, dass die TSG in der KOL-Torjägerliste zwar nicht unter den Top-Drei vertreten ist, allerdings mit 46 Treffern in 13 Spielen die beste Offensive stellt. Die Tore verteilen sich dabei u. a. auf Erkan Goek (9), Alper Gökalp, Nico Loppe und Lars Menzel (alle 6).

Nebenbei schaffte es der spielende Trainer Habib noch, im September ein Benefizspiel für die Menschen in seiner Heimat Afghanistan auf die Beine zu stellen, die unter der Machtübernahme der Taliban gelitten haben.

Am Tabellenende - Hinter der FSG Burg-Gräfenrode beginnt die Zone, in der sich die Teams aktuell um den Ligaerhalt sorgen müssen. Der FC Hessen Massenheim steht derzeit »unter dem Strich«, hatte allerdings auch damit gerechnet und den Klassenverbleib als oberstes Ziel ausgegeben. Türk Gücü Friedberg II dagegen sieht sich ob der momentanen Platzierung (13.) in Alarmbereitschaft versetzt. »Wir sind nicht zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Saison. Dass es schwierig wird, hatten wir schon erwartet, nicht aber, dass es so eng wird wie es sich jetzt darstellt«, bewertet Sinan Karanfil, der Sportliche Leiter, die Lage. Bereits nach sieben Spielen legte der erst zu Saisonbeginn gekommene Trainer Menderes »Otto« Yasaroglu sein Amt nieder. Ismail Soganci steht seither als Interimslösung in der Verantwortung.

»Wir werden uns Zeit lassen mit einem neuen Trainer, es laufen derzeit Gespräche mit zwei bis drei potenziellen Kandidaten«, erklärte Karanfil, der zudem ankündigte, auch beim spielenden Personal noch nachbessern zu wollen. »Vier bis fünf neue Akteure sollen in der Winterpause kommen, damit der Klassenerhalt nicht in Gefahr gerät.«

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