Sascha Bingel hat den TSV Dorn-Assenheim auf Rang zwei der Fußball-Kreisoberliga Friedberg geführt. FOTO: JAUX
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Sascha Bingel hat den TSV Dorn-Assenheim auf Rang zwei der Fußball-Kreisoberliga Friedberg geführt. FOTO: JAUX

Fussball-Kreisoberliga

Kreisoberliga: Der Höhenflug des TSV Dorn-Assenheim

  • vonFrank Schneider
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Der TSV Dorn-Assenheim ist aus dem Tabellenkeller empor geklettert und belegt Rang zwei der Kreisoberliga. Trainer Sascha Bingel erklärt die Hintergründe.

Dass der TSV Dorn-Assenheim derart die Fußball-Kreisoberliga Friedberg aufmischen wird, hat selbst den zu Saisonbeginn neu verpflichteten Trainer Sascha Bingel überrascht. Der 36-jährige Nieder-Mockstädter war im Sommer nach fünfjähriger Trainertätigkeit vom Büdinger Kreisoberligisten SG Nieder-Mockstadt/Stammheim zu den "Schloggebachern" gewechselt und hat den Schritt bislang nicht bereut. Dem Familienvater, der als Abteilungsleiter einer Beratergesellschaft arbeitet, gefällt die gesellige Atmosphäre beim Kreisoberligisten außerordentlich gut. Auch sportlich läuft es rund: Der in der vergangene Saison noch gegen den Abstieg kämpfende TSV führte einige Zeit sogar das Klassement an und überwintert mit zwei Nachholspielen in der Hinterhand zwei Punkte hinter Spitzenreiter SV Nieder-Wöllstadt auf dem zweiten Tabellenplatz. Im Gespräch mit dieser Zeitung nennt Bingel ein Erfolgsgeheimnis und wagt in schwierigen Corona-Zeiten auch einen Blick nach vorne.

Der TSV Dorn-Assenheim war in der vergangenen Saison in der Kreisoberliga Stammgast im Tabellenkeller und mischt nun überraschend in der Spitzengruppe mit. Das kann doch nicht nur am neuen Trainer liegen ?

Natürlich nicht (lacht). Die Mannschaft ist vor der Saison punktuell gut verstärkt worden, das hat in Verbindung mit einer guten Vorbereitung alles von Beginn an gefruchtet. Nach unserem überraschend guten Start hat das Team immer mehr an sich geglaubt und sich richtig stark in die Saison reingebissen.

Was zeichnet denn Ihre Mannschaft besonders aus?

In erster Linie der Teamgeist. Daraus entwickelt sie den Willen, Spiele unbedingt gewinnen oder zumindest nicht verlieren zu wollen.

Welchen Spielstil bevorzugen Sie als Trainer ?

Ich finde, man muss als Trainer taktisch so spielen lassen, wie es für die Mannschaft am besten ist. Ich versuche, auf spielerische Komponenten Wert zu legen und bin kein Freund von hoch und weit. Wenn man allerdings auf einen starken und aggressiv pressenden Gegner trifft, dann kann ein langer Ball auch mal ein Mittel zur Spieleröffnung beziehungsweise zum Kontern sein.

Ihr neuer Verein ist für sein rühriges, familiäres Umfeld bekannt. Ließe sich unter den gegebenen Vorrausetzungen auch die Gruppenliga stemmen, oder wäre dies für den TSV eine Nummer zu groß?

Es wäre natürlich einen Riesending, wenn wir den Aufstieg schaffen. Wir sind aber alle auch realistisch und wissen, dass wir kein Gruppenligist sind und eine Liga höher sportlich unsere Probleme hätten. Auch von der ganzen Infrastruktur des Vereins wäre eine Gruppenliga-Saison nur schwer zu stemmen.

Ihr Ex-Verein SG Nieder-Mockstadt/Stammheim startete in der Kreisoberliga Büdingen holprig, kletterte dann mit einer kleinen Erfolgsserie in der Tabelle aber doch noch einige Plätze nach oben. Wie beurteilen Sie als Nieder-Mockstädter die sportliche Lage bei Ihrem Heimatverein?

Der schlechte Start der SG hat mich schon ein wenig verwundert, denn ich hatte mein Ex-Team, da die Kreisoberliga Büdingen in meinen Augen in dieser Saison nicht so stark ist, schon unter den ersten fünf Mannschaften der Tabelle erwartet.

Sie haben jahrelang im Kreis Friedberg gespielt, waren dann fünf Jahre Trainer bei der SG Nieder-Mockstadt/Stammheim. Gibt es Unterschiede zwischen den Kreisen Friedberg und Büdingen - und falls ja, wie sehen die aus?

Es gibt definitiv Unterschiede. Im Friedberger Raum wird in finanzieller Hinsicht viel mehr in den sportlichen Bereich investiert. Das spielerische Niveau ist im Friedberger Fußballkreis schon höher. Im Büdinger Beritt ist dagegen die Kameradschaft in den Vereinen meistens sehr groß, was ja auch sehr viel wert ist. Was dort vielerorts nach den Spielen passiert, ist herausragend. Mir hat die Zeit bei der SG Nieder-Mockstadt/Stammheim jedenfall sehr großen Spaß gemacht.

In der Hinrunde fungierten Sie als reiner Trainer. Ist Ihre aktive Spielerkarriere eigentlich beendet ?

Es war mein Plan, ab dieser Saison nur noch als reiner Trainer tätig zu sein. Klar halte ich mich selbst fit und stehe auch als Standby-Spieler zur Verfügung, aber fest spielen möchte ich mit meinen 36 Jahren jetzt nicht mehr.

Die Corona-Pandemie hat den Amateurfußball derzeit fest im Griff. Bei den derzeit hohen Infektionszahlen ist aktuell an eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs nicht zu denken. Wie könnte es weiter gehen?

Ich glaube wir haben im Frühjahr einen Fehler gemacht, als wir die alte Saison abgebrochen und eine neue angefangen haben. Vielleicht hätte man die Saison 2020/21 sein lassen und im kommenden Sommer neu beginnen sollen. Ein neuerlicher Abbruch wäre jetzt natürlich schlecht. Ich hoffe, dass wir zumindest die Vorrunde zu Ende spielen können und dann eine Wertung hinbekommen, auch wenn es dann wieder Verlierer geben wird. Ich hätte mich mit einer Playoff-Lösung nach einer Halbserie anfreunden können, aber das schließt der Verband ja aus. Mal schauen, wie es jetzt weitergeht. Die Kreisoberliga Friedberg ist ja nicht all zu groß, ich hoffe man kann die Runde beenden. Ich wäre dafür bis Ende Juni zu spielen, auf die Europameisterschaft müssen die Amateurfußballer doch keine Rücksicht nehmen. Die Vereine müssen ja ab dem Zeitpunkt, ab dem wieder gespielt werden kann, auch ihre Einnahmen zum Fortbestand des Vereinslebens und des Spielbetriebs generieren. Aus diesem Grund kommt in meinen Augen ein Spielbetrieb unter Ausschluss von Zuschauern überhaupt nicht infrage.

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