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Tim Farnung vom SV Bruchenbrücken gibt als Ersatzkapitän im Spiel gegen den FC Ober-Rosbach am Sonntag Anweisungen an seine Mannschaftskollegen. (Foto: Jaux)

Kreisoberliga Friedberg

Kreisoberliga Friedberg: SV Bruchenbrücken - Vom Abstiegskandidat zum Top-Team

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Im Sommer noch stand der SV Bruchenbrücken kurz vor dem Abstieg aus der Fußball-Kreisoberliga Friedberg. Nun rangiert das Team zum Jahresende auf Rang vier. Eine Spurensuche mit Ersatzkapitän Tim Farnung.

Er ist 24 Jahre alt, in der Jugend des SV Bruchenbrücken fußballerisch groß geworden – und er trug in den letzten Spielen des Jahrs 2018 die Kapitänsbinde des Kreisoberligisten auf der Friedberger Vorstadt: Tim Farnung. Gemeinsam mit seinem Team überstand in der vergangenen Saison die Relegation – und sorgt seit dem Beginn der neuen Spielzeit für Furore, denn der SVB steht zum Jahresende auf Platz vier der Tabelle. Ein Gespräch über das Geheimnis des Erfolges, Ambitionen nach oben und neue Anstrengungen in der Jugendarbeit.

Herr Farnung, in der vergangenen Saison hat Ihr SV Bruchenbrücken die Klasse gerade so gehalten, jetzt stehen Sie in der Spitzengruppe der Kreisoberliga. Wie kommt’s?

Tim Farnung: Das hatten wir uns ehrlicherweise so auch nicht gedacht, aber es ist natürlich schön. In der vergangenen Saison hatten wir viele Verletzte, was die Sache schwierig gemacht hat. Die sind jetzt wieder dabei. Wir haben gute Neuzugänge, wie unseren Torjäger Fabian Lösche, der die Dinger vorn auch reinmacht. Zudem war unsere Vorbereitung wirklich gut gewesen.

Wie hat es sich angefühlt, in der Relegation um den Ligaerhalt kämpfen zu müssen?

Farnung: Der Druck war natürlich groß. Schon vorher in der Liga mussten wir jedes Spiel unbedingt gewinnen. Das ist kein schönes Gefühl gewesen, aber es war natürlich überragend, dass die wir die Klasse doch gehalten haben. Dennoch sage ich: So etwas brauchen wir bestimmt nicht jedes Jahr.

Die Gemeinschaft bei uns ist einzigartig

Tim Farnung

Was ist das aktuelle Erfolgsgeheimnis?

Farnung: Die Gemeinschaft bei uns ist einzigartig. Wir haben neun oder zehn Spieler im Kader, die alle gemeinsam aus der A-Jugend gekommen sind. Der Jahrgang 1993/94 ist seit Jahren eingespielt. Die Jungs haben so wie ich schon bei den Minis angefangen. Das gibt es nicht mehr so oft. Dazu kommen ein paar auswärtige Spieler, die sich super einfügen. Deswegen macht es gerade sehr viel Spaß und jeder hat Lust, immer weiterzumachen. Das Mannschaftsgefüge stimmt und nach dem Training oder dem Spiel bleiben wir oft noch gemeinsam eine Zeit lang sitzen, donnerstags wird zusammen gegessen, Fußball geschaut und noch etwas getrunken. Das wird auch aktiv von den Verantwortlichen unterstützt, sodass wir uns alle auch neben dem Platz verstehen und Probleme im Gespräch meist sofort lösen können. Die Mischung stimmt einfach.

Derzeit gibt es allerdings keine Jugendarbeit beim SV Bruchenbrücken. Könnte das zum Problem werden?

Farnung: In der Tat haben wir aktuell keine Jugendmannschaften, was sehr schade ist. Wir haben jetzt allerdings wieder für die Jüngsten zum Training eingeladen, sodass wenigstens einmal in der Woche der Ball rollt. Die Jugend ist heutzutage das Wichtigste, aber das hat in den vergangenen Jahren ja fast überfall nachgelassen, weil es offenbar nicht mehr so viele Kinder gibt, die Fußball spielen wollen. Doch es muss für den Verein wieder etwas nachkommen, damit wir überleben können, weshalb wir gemeinsam dran sind, wieder Etwas aufzubauen.

Ihre Mannschaft steht in der Liga sieben Punkte hinter Spitzenreiter FC Karben. Gibt es Ambitionen "nach oben"?

Farnung: Nein. Die Kreisoberliga ist die perfekte Spielklasse für den Verein: Es gibt viele Derbys, die Liga ist einigermaßen ausgeglichen, sodass eigentlich jeder jeden mit einer guten Tagesform schlagen kann, es gibt viele knappe Spiele, die auch für die Zuschauer interessant sind. Nicht umsonst fahren bei uns auch viele Zuschauer zu Auswärtsspielen mit, was uns als Spieler natürlich freut. Denn jeder Fan zählt in diesen Spielklassen. Das hätten wir in der Gruppenliga sicher nicht in diesem Ausmaß. Dort würde es wegen den weiten Fahrten sicher irgendwann keinen Spaß mehr machen, zumal dann Geld auch eine größere Rolle spielen würde.

Sie sind erst 24 Jahre alt und haben zuletzt die Kapitänsbinde getragen. Wie ist es dazu gekommen?

Farnung: Eigentlich bin ich der Ersatzkapitän für Chris Sieber. Das war ich in der vergangenen Saison aber auch schon. Ich bin einfach ein Spieler, der gerne Verantwortung übernimmt. Ich sage dann auch mal etwas und weil ich mir dieses Standing über viele Jahre beim SVB erarbeitet habe, kann ich das auch tun – und werde gehört.

Mir persönlich liegt das Futsal-Format der Hallenkreismeisterschaften, weil ich es als technisch versierter Spieler immer als Highlight empfinde

Tim Farnung

Das nächste Spiel im Freien ist erst am 12. März. Wie wichtig ist die Winterpause?

Farnung: Sehr wichtig. Man merkt zum Ende der Hinrunde immer mehr, wie man schlapper wird. Das liegt natürlich auch daran, dass man es körperlich spürt, wenn man plötzlich noch Nachholspiele unter der Woche zusätzlich zum Training und dem Wochenende hat. Aber die Jungs haben trotzdem noch Lust, Fußball zu spielen, weshalb wir bei den Hallenkreismeisterschaften und einigen Hallenturnieren wie dem Silvester-Cup in Florstadt spielen werden.

Die Hallenkreismeisterschaft wäre fast mangels Mannschaften abgesagt worden. Wie stehen Sie dazu?

Farnung: Ich finde, das ist eine gute Sache. Mir persönlich liegt das Futsal-Format, weil ich es als technisch versierter Spieler immer als Highlight empfinde. Natürlich steht bei solchen Turnieren der Spaß im Vordergrund, nichtsdestotrotz wollen wir dort aber auch etwas erreichen und vorn mitmischen.

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