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Platzverweis: Das Kreissportgericht hat eine Rote Karte, eine Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter sowie das Verschulden eines Spielabbruchs sanktioniert.

Fussball

Kreisliga C: Lange Sperre nach Tätlichkeit gegen Referee

  • Michael Nickolaus
    VonMichael Nickolaus
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Hätte er doch nach einer Roten Karte nur schnell das Spielfeld verlassen! Jetzt muss ein Spieler der Fußball-Kreisliga C Friedberg lang zuschauen.

28 Spiele Sperre! Das ist gleichbedeutend mit einem Ausschluss aus der Fußball-Saison 2021/22. Das Kreissportgericht hat sich unter der Leitung von Karl-Ernst Kunkel (SG Melbach) am Mittwochabend mit dem Spiel der Kreisliga C, Gruppe 2, zwischen der SKG Erbstadt und der SG Rosbach/Ockstadt II vom 22. August befasst, das nach nur fünf Spielminuten von Schiedsrichter Steffen B. abgebrochen worden war.

Vorausgegangen war eine Tätlichkeit von Gästespieler Maurice F. gegen den Spielleiter. Die SG Rosbach/Ockstadt wird für den durch ihren Akteur verursachten Spielabbruch mit einer Geldstrafe (50 Euro) und dem Abzug von drei Zählern sanktioniert. Die abgebrochene Partie wird zudem mit drei Punkten und 3:0 Toren für die SKG Erbstadt gewertet. Der Spieler und sein Verein haben das Urteil bereits akzeptiert und auf die Option einer Berufung verzichtet.

Kunkel und seine Beisitzer Klaus Häuser und Rene Enzmann (beide SV Ober-Mörlen) hatten bei der mündlichen Verhandlung im Sportheim an den Mühlwiesen gleich drei Tatbestände zu bewerten: eine Rote Karte (Mindestsperre von zwei Spiele), die Tätlichkeit gegen den Unparteiischen (zwölf bis 36 Spiele) sowie den Spielabbruch (vier bis 18 Spiele).

Die Partie am zweiten Spieltag der unteren Amateurklasse war gerade fünf Minuten alt, als Maurice F. nach einem Zweikampf nahe der Strafraumgrenze zu Fall gekommen war und einen Freistoßpfiff erwartet hatte. Für’s energische Reklamieren zog Referee B. bei der nächsten Spielunterbrechung die Gelbe Karte. F. protestierte weiter, erhielt daraufhin eine Zeitstrafe, wollte sich noch immer nicht mit der Entscheidung abfinden und wurde nach weiteren Protesten mit einer Roten Karte des Feldes verwiesen. Der Spieler ging daraufhin auf den Schiedsrichter zu und brachte diesen zu Fall.

Die Tätlichkeit an sich stand rasch außer Frage. Das Gericht hatte während der 60-minütigen Verhandlung in erster Linie zu bewerten, ob eine klassische Kopfnuss oder ein erhöhter Druck mit dem Kopf, bereits Stirn an Stirn stehend, ursächlich war. Der Unparteiische stand - nachdem er zu Boden gegangen war - gleich wieder auf, signalisierte gegenüber den Mannschaftskapitänen den Spielabbruch und begab sich auf den Heimweg. Unterwegs spürte er eine Schwellung über dem linken Auge, bemerkte Sehstörungen, begab sich in medizinische Behandlung und stellte Anzeige bei der Polizei. Zwei Tage lang war B. arbeitsunfähig.

F. sprach rückblickend von einer »Kurzschlussreaktion«. Er habe einen »Aussetzer« gehabt. »Das war nicht in Ordnung«, sagt der 29-Jährige, der sich während der Verhandlung beim Unparteiischen entschuldigte, zugleich aber betonte, keinen Kopfstoß begangen zu haben.

Der in Friedberg wohnhafte Unparteiische stand am Verhandlungsabend noch erkennbar unter den Eindrücken der Tätlichkeit. Er, der seit 2004 Spiele leite, überlege nun, ganz mit dem Pfeifen aufzuhören. »Ich möchte nicht mit Angst auf dem Platz stehen und nachdenken, was passiert, wenn ich eine Zeitstrafe aussprechen oder eine Rote Karte zeigen muss. Das ist’s nicht wert.«

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