Kreissportgericht

Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1: Lange Sperre nach Spielabbruch

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Nach dem vorzeitigen Ende der Partie der Fußball-Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1, zwischen dem SV Hoch-Weisel II und der TSG Wölfersheim hat das Kreissportgericht ein Urteil gefällt.

Drei Platzverweise in weniger als 20 Minuten und schließlich ein Spielabbruch waren das Ergebnis der Partie in der Fußball-Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1, zwischen dem SV Hoch-Weisel II und der TSG Wölfersheim am 18. November gewesen. Nun wurde vor dem Kreissportgericht über die Konsequenzen verhandelt. Das Ergebnis: ein Freispruch und eine lange Sperre. Dazu kommen eine Spielwertung und Geldstrafen.

Was war an jenem Sonntagnachmittag in Hoch-Weisel passiert? Nachdem die Wölfersheimer früh mit 0:1 in Rückstand geraten waren und zudem einen Spieler mit einer Roten Karte nach grobem Foulspiel verloren hatten, sah nur wenige Minuten später auch Libero Naweed Ayubyar die Gelb-Rote Karte vom Unparteiischen Viktor Lawinski (SG Rommerz). Der Grund: Der ebenfalls als Schiedsrichter aktive Spieler hatte den Unparteiischen für dessen Entscheidungen zuvor harsch kritisiert, erst Gelb und schließlich Gelb-Rot wegen Meckerns gesehen. Auf dem Weg vom Hoch-Weiseler Sportplatz soll der Beschuldigte laut Sonderbericht und Aussage des Unparteiischen diesen weiter beleidigt haben, sodass dieser sich bedroht gefühlt habe. Dies konnte bei der Verhandlung durch das Friedberger Kreissportgericht unter Vorsitz von Karl-Ernst Kunkel (Melbach) und mit seinen beiden Kollegen Berthold Meyerhöfer (Burg-Gräfenrode) und Claus Dieter Lang (Dorheim) nicht bewiesen werden. Wegen geringer Schuld wurde der Spieler damit freigesprochen.

Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1: Niclas Knoll für insgesamt 14 Spiele gesperrt worden

Ganz anders ging das Verfahren für einen zweiten Beschuldigten aus: Niclas Knoll. Der TSG-Stürmer, der gegen Blau-Weiß Espa in diesem Herbst bereits einen Sechserpack geschnürt hat, ist wegen einer Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter und dem damit verbundenen Herbeiführen eines Spielabbruchs für insgesamt 14 Spiele gesperrt worden. Der Verein bekommt über die Strafe für den Spieler hinaus eine Geldstrafe von 50 Euro und drei Punkte Abzug. Das abgebrochene Spiel wird außerdem mit 3:0 und drei Punkten für den SV Hoch-Weisel II gewertet. Knoll soll nur wenige Minuten nach dem Platzverweis gegen seinen Libero mit dem Ball auf den Schiedsrichter zugelaufen und diesen aus kurzer Distanz absichtlich abgeschossen haben. Anschließend habe er das mit den Worten: "Was wollen Sie denn? Der Schiedsrichter ist doch Luft" kommentiert und sich nicht entschuldigt haben. Laut Kunkel haben diesbezüglich die Aussagen des Unparteiischen und eines Hoch-Weiseler Spielers, der als Zeuge geladen war, ein eindeutiges Bild gegeben. Der Zeuge habe ausgesagt, er sei über die Situation "geschockt" gewesen, da er nie zuvor so etwas miterlebt habe.

Was wollen Sie denn? Der Schiedsrichter ist doch Luft

Angeblicher Ausspruch des verurteilten Niclas Knoll

Der Beschuldigte hatte derweil ausgesagt, er habe den Ball auf die Außenbahn schlagen wollen und dabei versehentlich den Schiedsrichter getroffen. Dieser hatte sich vor dem Schuss immerhin noch weggedreht und war lediglich am Bein getroffen worden. Für Verwirrung hatte Schiedsrichter Lawinski allerdings damit gesorgt, dass er das Spiel nicht sofort abgebrochen hatte, sondern noch wenige Minuten weiterlaufen ließ – offenbar bis er sich der Tragweite des Vergehens bewusst geworden war, wie Kunkel gegenüber der WZ berichtete. Dies sei aber für die Sportgerichtsbarkeit kein Problem, wie eine Nachfrage beim Justiziar des Hessischen Fußballverbandes ergeben habe.

Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1: TSG Wölfersheim reagiert mit Unverständnis auf Urteil

Kunkel und seine Kollegen blieben mit ihrem Urteil am unteren Ende der Skala für derlei Vergehen. Eine Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter erfordert nämlich immer mindestens zwölf Spiele Sperre, das Herbeiführen eines Spielabbruchs vier, wobei aus beiden Delikten eine Gesamtstrafe gebildet werden kann, die unter der Summe beider Vergehen liegen darf. Außerdem sieht die Strafordnung im Falle einer Verurteilung zwingend eine Geldstrafe und einen Punktabzug für den Verein vor. Hier sei das Gericht ebenfalls am unteren Ende der Möglichkeiten geblieben, so Kunkel.

Ein absichtliches Abschießen war das aus meiner Sicht auf keinen Fall

Andreas Brenner

Bei der TSG Wölfersheim reagierte man mit Unverständnis auf den Schuldspruch. Trainer Andreas Brenner sagte auf WZ-Nachfrage, dass dies ein "schlimmer Schlag für einen kleinen Verein wie unseren" sei. Knoll habe lediglich das Powerplay der Gastgeber, die zu diesem Zeitpunkt ja bereits mit zwei Mann mehr auf dem Platz gestanden hätten, mit einem weiten Schlag nach vorn auflösen wollen und dabei den Schiedsrichter unglücklicherweise am Bein getroffen. "Ein absichtliches Abschießen war das aus meiner Sicht auf keinen Fall. Ich will niemanden pauschal freisprechen und weiß auch, dass Schiedsrichter keinen leichten Job haben, aber die Aussage von ihm und dem Spieler von Hoch-Weisel ist für mich vollkommen unverständlich", sagte Brenner. "Ich empfinde das Urteil als zu hart. Das ist sehr bitter für uns."

Knoll fällt angesichts der langen Sperre damit nicht nur die komplette Rückrunde aus, sondern auch noch die Vorbereitung sowie die ersten Spiele in der kommenden Saison. Der Verein wollte sich auf einer internen Sitzung darüber austauschen, ob er gegen das Urteil Berufung einlegen möchte. Für das Kreissportgericht war es der zweite Fall eines Spielabbruchs binnen weniger Wochen.

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