+
Obwohl das Wetter aktuell endlich mitspielt, ruht der Spielbetrieb im Fußballkreis Friedberg wegen der Ausbreitung des Coronavirus.

Coronavirus

"Müssen einfach abwarten" - Das sagt Kreisfußballwart Thorsten Bastian zur Situation rund um das Coronavirus

  • schließen

Wiedereinführung der Zeitstrafe, elektronischer Spielerpass, Reform der Spielklassen - eigentlich steht zurzeit auch abseits der Fußballplätze viel auf dem Programm. Doch das Coronavirus zwingt zur Pause. Kreisfußballwart Thorsten Bastian erläutert im Interview die Folgen.

Nichts geht mehr. Die Ausbreitung des Coronavirus hat die Fußballsaison abrupt unterbrochen - vorläufig bis einschließlich Karfreitag (10. April). Auch der "Friedberger" Kreisfußballtag, eigentlich vorgesehen für den 28. März, ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Im Interview erklärt Kreisfußballwart Thorsten Bastian die Hintergründe, wirft einen Blick auf die Themen der kommenden Jahre - und mahnt die Vereine zu verantwortungsvollem Handeln.

Herr Bastian, der Hessische Fußballverband (HFV) hat den Spielbetrieb bis zu Ostern eingestellt. Inwiefern waren die Regionen und die Kreise in die Entscheidung eingebunden?

In Bezug auf die Kreisfußballtage lag die Verantwortung bei den einzelnen Kreisen als Organisatoren. Die Absage des Spielbetriebs kam dann von der Verbandsspitze. Aufgrund der dynamischen Entwicklung war das allerdings absehbar, da sich das ja bereits beim DFB abgezeichnet hatte. Danach haben wir uns in der Region Frankfurt und im Kreis Friedberg zu richten.

Wie könnte es weitergehen?

Kreisfußballwart Thorsten Bastian mahnt die Vereine zur Geduld: "Wir müssen einfach abwarten."

Das lässt sich aktuell nicht seriös beantworten. Klar ist, dass wir als Vertreter des Hessischen Fußballverbandes in erster Linie alles für unsere Vereine tun und ihnen mit Sicherheit schnellstmöglich Bescheid geben, sobald es etwas Neues gibt. Aber wir müssen jetzt zunächst einfach abwarten, wie sich die Lage weiterentwickelt. Danach müssen dann die entsprechenden Beschlüsse gefasst werden - etwa, ob die Runde zu Ende gespielt wird - und wenn ja, wie. Darauf gibt es aktuell schlicht keine Antworten, weil die Situation für alle neu ist. Ein Abbruch der Runde wäre sicher der Worst Case. Aber auch da müsste man dann sagen, dass der Fußball vielleicht nur eine Nebenrolle hat. Gesundheit ist mit Sicherheit wichtiger.

Inwiefern ist die Situation auch finanziell für die Vereine gefährlich?

Sicher gibt es besser und schlechter situierte Vereine, die womöglich auch auf die Einnahmen von Zuschauern angewiesen sind. Dies dürfte aber vor allem eher größere Klubs betreffen. Das kann ich aber nicht abschließend beurteilen. Viel schlimmer ist aus meiner Sicht, dass mit dem Fußball eine große gesellschaftliche Institution wegbricht, bei der man sich auf dem Sportplatz trifft und unterhält.

Der HFV hat auch die Aussetzung des Trainingsbetriebs empfohlen. Wie gehen die Vereine damit um?

Das ist hessenweit sehr unterschiedlich. Bei uns in Friedberg, wo die Sportstätten bis heute noch offen sind, steht das jedem Verein letztlich frei, ob er trainiert oder nicht. Die einen haben ihren Betrieb bereits eingestellt, andere haben noch trainiert. Ich denke aber, man kann sagen, dass alles, bei dem es Kontakt zwischen mehreren Menschen gibt, eine gewisse Gefahr birgt.

Ist Ihre Arbeitsbelastung durch die Aussetzung des Spielbetriebs gesunken oder gestiegen?

Die Vereine haben die Aussetzung vollkommen verstanden, bis auf ein paar Nachfragen ist es sehr ruhig. Ich muss mich selbst erst einmal daran gewöhnen, dass ich nach dem Sonntagsspaziergang nicht auf den Fußballplatz gehe (lacht). Sollte es allerdings mit der Saison irgendwann weitergehen, wird es einiges zu tun geben mit Neuansetzungen, Regelungen für Auf- und Abstieg und der Relegation. Aber all das hängt letztlich von den Empfehlungen der Behörden ab.

Für den Kreisfußballtag waren auch Wahlen angesetzt. Stellt die Verlegung nun ein Problem dar?

Der Verbandstag vom 6. Juni ist ebenfalls verschoben worden. Er wird vermutlich im Spätherbst stattfinden, wenn bis dahin alles wieder in Ordnung ist. Die Kreisfußballtage müssen spätestens sechs Wochen vorher durchgeführt werden. Bis dahin bleiben alle Amtsträger im Dienst. Neue Termine lassen sich aber nicht wirklich vorhersagen.

Ein Großteil des Kreisfußballausschusses wollte sich erneut zur Wahl stellen. Was sind die Hintergründe?

In der Tat: Bis auf Jürgen Ohl, den Referenten für Freizeit- und Breitensport, wollen alle weitermachen. Wir haben hier in Friedberg einen ordentlichen Spielbetrieb, haben mit den Vereinen ein gutes Miteinander, sodass wir alle der Meinung sind, dass die Arbeit weiterhin Spaß macht. Gleichzeitig gab es auch keine Initiativen, jemanden mittels Gegenkandidatur abzulösen.

Im Falle einer Wiederwahl: Was werden die großen Themen für die nächste Amtszeit?

Da wird es einige geben, die auch bereits für den Verbandstag auf dem Programm standen: die Neuregelung des Schiedsrichtersolls, der elektronische Spielerpass, die Zeitstrafe - um nur einige zu nennen. Da gibt es also in den kommenden Jahren genug Arbeit. Gleichzeitig steht auf Verbandsebene auch eine Reform der Spielklassen auf der Agenda, auch wenn sich hinsichtlich der Ausgestaltung ebenfalls noch keine seriösen Aussagen treffen lassen.

Es geht dabei unter anderem um die Veränderung des Zuschnittes von Regionen, eventuell auch um die Zusammenlegung von Kreisen. Wie steht der Fußballkreis Friedberg in dieser Diskussion da?

Thorsten Bastian im Portrait

Thorsten Bastian steht seit acht Jahren dem Fußballkreis Friedberg vor, ist außerdem Regionalbeauftragter der Region Frankfurt und Klassenleiter der Frankfurter Gruppenligen. Nach einer kurzen Laufbahn als Jugendfußballer beim ESV Blau-Gold Frankfurt entdeckte Bastian sein Talent für das Schiedsrichterwesen. Er arbeitete sich bis in die Regionalliga hoch und war fünf Jahre lang auf der internationalen Fifa-Liste als Linienrichter geführt. Sein Karrierehöhepunkt: das Champions-League-Finale 1998 in Amsterdam zwischen Real Madrid und Juventus Turin. Der heute 55-Jährige, verheiratete Vater zweier Kinder lebt in Rockenberg.

Wir sind bestens aufgestellt, haben 90 Mannschaften im Spielbetrieb, jeweils zwei C- und B-Ligen und könnten im Falle eines Wegbrechens von Teams flexibel reagieren. Alles in allem sind wir also zukunftsfähig. In der Region Frankfurt muss man sicher offen sein für Neuerungen, aber auch hier gilt es, die Beschlüsse des Verbandstages abzuwarten und sich anschließend - und das ist das Wichtigste - mit den Vereinen zusammenzusetzen, um die beste Lösung für alle zu finden. Aber klar ist, dass diese Fragen in den kommenden Jahren auf der Agenda stehen und beantworten werden müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare