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"Runners High" - das Hochgefühl eines Läufers. Unter diesem Namen hat Marc Tortell vom Athletics-Team Karben mit seinem Mitbewohner und Teamkollegen Jonas Simon ein Kartenspiel herausgebracht.

"Runners High"

Kreativ durch die Wettkampfpause: Karbener Leichtathletik Marc Tortell entwickelt Kartenspiel

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Für Marc Tortell aus Karben läuft immerhin das Training (fast) normal, Wettkämpfe gibt es aber keine. Die Pause bekommt der Student auch so rum, hat er doch ein eigenes Kartenspiel entwickelt.

Zwei Leistungssportler, eine WG im Frankfurter Stadtteil Bockenheim und das lästige Problem mit dem dreckigen Geschirr: Für Marc Tortell und seinen Mitbewohner Jonas Simon vom Athletics Team-Karben entwickelte sich mangels Spülmaschine daraus ein beinahe tägliches Ritual: Wer muss abspülen? Mithilfe von Kartenspielen musste diese Frage geklärt wurden. Doch die klassischen Spiele wurde auf Dauer zu langweilig - also dachten sich der Karbener Mittelstreckenspezialist und der Langstreckenläufer, der aktuell in Florida weilt, ein eigenes Kartenspiel aus, das nun auch frei erhältlich ist: "Runners High".

"Runners High": 95 deutsche Top-Läufer im Kartenspiel verewigt

Das Spiel, dessen Name das Hochgefühl eines Athleten beim Laufen beschreibt, ähnelt einem klassischen Quartett. 95 Karten mit deutschen Top-Läufern auf den Strecken zwischen 800 Meter bis Marathon - darunter auch Tortell und Simon selbst - gibt es. Jeder Läufer hat individuelle Werte in den Kategorien Ausdauer, Schnelligkeit, Tempohärte und Kraft. Doch damit es nicht immer nur darum geht, den anderen einfach nur zu übertrumpfen gibt es eine Reihe von Ereigniskarten, die etwa Hitze, Kälte oder Regen simulieren - und die Werte verändern können. Wer hier Insider-Wissen hat, ist klar im Vorteil. Damit es nicht ewig dauert, bis ein Spieler alle Karten auf sich vereint hat, wird in Runden gespielt. So ist die Partie für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren im Normalform binnen 25 Minuten beendet.

Als noch Wettkämpfe möglich waren: Mitte Februar gewinnt der Karbener Marc Tortell den hessischen Titel in der Halle über 800 und 1500 Meter in Kalbach.

"Die Idee hatten wir schon vor Corona im vergangenen Winter. Am Anfang haben wir für uns nur mit ein paar selbstgebastelten Karten rumgeflachst, von Freunden und Bekannten haben wir aber so gutes Feedback erhalten, dass wir die Sache dann ernster angegangen sind", erzählt Tortell. Der 22-jährige Student entwarf das Design der Karte selbst, schrieb gemeinsam mit seinem Mitbewohner alle Sportler an, um deren Einverständnis abzuholen, das passende Fotomaterial zu besorgen - und bewertete natürlich deren Fähigkeiten in einer großen Excel-Tabelle. "Wir haben versucht, es so fair wie möglich zu halten - und bislang hat sich auch keiner beschwert", sagt Tortell. "Dabei haben wir geschaut, dass wir die Bestenlisten auf allen Strecken abgeklappert haben, auch wenn einige Läufer aus unserem Freundeskreis ebenfalls vertreten sind."

"Runners High": Alle 500 Exemplare binnen 36 Stunden ausverkauft

Teamkollege Simon kümmerte sich derweil über den Aufbau der Website (www.runnershigh-games.com) und des Online-Shops. "Das war alles schon ziemlich viel, zwei Monate lang haben wir jeden Tag daran gearbeitet"; erzählt Tortell, dem das Projekt aber spürbar Spaß macht. Selbst das wohl gelittene BWL-Studium sei ihm zur Hilfe gekommen: "Ich bin froh, dass ich das mitgenommen habe."

Die Begeisterung dürfte umso größer gewesen sein, je positiver die Reaktionen darauf waren. Denn: Binnen 13 Stunden waren die für den Vorverkauf eingeplanten 300 Exemplare des 14,95 Euro teuren Spiels vergriffen, Tortell und Simon schoben weitere 200 Exemplare hinterher, doch auch diese waren nach nicht einmal weiteren 24 Stunden weg. "Der Ansturm war deutlich größer, als wir erwartet hatten. Dabei haben wir eigentlich nur über Instagram und unsere Freunde und Bekannte etwas Werbung gemacht. Damit sind wir echt mega happy"; sagt Tortell.

"Runners High": Zweite Auflage bereits in Planung

In diesen Tagen versendet der beim TV Rendel groß gewordene Athlet die erste Auflage aus dem Homeoffice in der Bockenheimer WG. Eine zweite Auflage ist für Mitte Juli bereits geplant. Dafür könnten einige Karten ausgetauscht werden. Denkbar sei aber auch eine Ausweitung auf die internationale Läuferszene oder ein Spiel mit deutschen Leichtathleten aller Disziplinen mit Blick auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio, erzählt Tortell: "Wir probieren gerade einige Dinge aus, überlegen uns neue Wege. Vielleicht weiten wir unseren Grundgedanken, den deutschen Läufern etwas mehr Popularität zu verschaffen, auf andere Disziplinen aus - verdient hätten sie es in jedem Fall."

Bis es so weit ist, hat der Karbener aber auch ohne Spieleentwicklung gut zu tun. Sein neues Studium (Kommunikationsdesign) hat gerade erst begonnen und ist aufgrund der Corona-Einschränkungen an der Uni umso arbeitsreicher. Außerdem soll natürlich auch weiter trainiert werden. "Ich bin aktuell in echt guter Form und habe meinen Verletzungsrückstand aus dem vergangenen Jahr aufgeholt. Dass die Großveranstaltungen wie die EM und Olympia erst im nächsten Jahr stattfinden, schadet mir auf keinen Fall", sagt der Dritte der deutschen Hallenmeisterschaften über die 800 Meter. "Und als Läufer bin ich aktuell ja auch einer der Glücklichen, der fast normal weitertrainieren kann". Denn: Aufgrund der Absagenflut haben er und seine Mutter Uta, die auch seine Trainerin ist, eine längere Phase mit Grundlageneinheiten eingeschoben - und die lässt sich hervorragend auch allein im Wald trainieren. Kurzum: "Bei mir ist trotz Corona alles in Ordnung."

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