David Hirst
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David Hirst

Konzepte, Eltern, Essen - hoher Aufwand für Rundenstart

  • vonSascha Kungl
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(kun). Als eine der wenigen Sportlergruppen in Deutschland dürfen Tennisspieler ab diesem Wochenende ihren Sport wieder unter Wettkampfbedingungen austragen. Ohne Zuschauer, dafür mit Corona-Beauftragten und unter strengen Hygiene- und Bewirtungsregeln soll die beliebte Medenspielrunde doch noch über die Bühne gehen. Mit David Hirst, Sport- und Jugendwart beim TC Rot-Weiß Bad Nauheim, beleuchten wir die aktuelle Situation vor dem Saisonstart.

Herr Hirst, warum ist es aus Ihrer Sicht richtig, die Medenrunde 2020 durchzuführen?

Der gesundheitliche Aspekt spielt für mich bei diesen Überlegungen die entscheidende Rolle. Wir haben eine sehr lange Zeit ohne Bewegung und Sport hinter uns, zwei Dinge, die enorm wichtig für Körper und Geist sind. Zwar konnten sich die Menschen in den vergangenen Wochen individuell fit halten. In Gemeinschaft und unter Wettkampfbedingungen Sport zu treiben, ist jedoch noch einmal etwas ganz anderes. Gerade für junge, ambitionierte Sportler ist es sehr wichtig, dass sie ihrer Leidenschaft unter Wettkampfbedingungen nachgehen können.

Durch die vielen Rückzüge und die lange Ungewissheit war die Vorbereitung und Organisation der Saison sicherlich eine große Herausforderung für Ihren Verein?

Die Saisonvorbereitung war in diesem Jahr natürlich mit einem massiven Aufwand verbunden. Unsere Vereinsführung und vor allem unser Corona-Beauftragter Ronald Thoms haben sich in den vergangenen Wochen die Köpfe zerbrochen, um für den Rundenstart alles bestmöglich zu organisieren. Die Bestimmungen des HTV sind klar formuliert, deshalb sehe ich keine Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Im Tennis sind die Regeln im Vergleich zu anderen Sportarten leicht einzuhalten. Wenn jeder Einzelne vernünftig agiert, dürfte es bei der Umsetzung aus meiner Sicht keine Probleme geben. In Bad Nauheim haben wir ein spezielles Konzept erarbeitet. Dieses sieht vor, dass sich zuerst die Gastmannschaft in den Umkleiden aufhält und anschließend die Heimmannschaft. Auf das obligatorische Händeschütteln wird in dieser Saison verzichtet. Zudem haben wir auf dem Gelände drei Stationen errichtet, in denen sich die Teams aufhalten sollen, um Kontakt zu anderen Spielern zu vermeiden. Der Platz unmittelbar neben dem Schweizer Milchhäuschen, der Clubraum neben dem Restaurant und ein großes Zelt am Eingang der Anlage sind diese drei Stationen. Damit können wir die Abstandsregeln problemlos einhalten. Wenn zu erkennen ist, dass es dauerhaft regnen sollte, wird die Partie wahrscheinlich abgebrochen. Lange Wartezeiten an den Stationen wird es nicht geben.

Bleibt die Frage nach den Zuschauern. Aus der Corona-Verordnung des Landes geht hervor, dass diese bei den Wettkämpfen nicht gestattet sind. Zudem hat das hessische Innenministerium unmissverständlich erklärt, dass auch Eltern als Zuschauer zu bewerten sind und somit nicht anwesend sein dürfen. Wie darf man sich das in der Praxis vorstellen, gerade im Hinblick auf die Eltern der Gästespieler, die ihre Kinder mit dem Auto zum Auswärtsspiel nach Bad Nauheim bringen?

In Bad Nauheim haben wir die Möglichkeit, dass sich die Eltern im direkt angrenzenden Restaurant aufhalten und von dort die Spiele ihrer Kinder verfolgen können. Ich hoffe sehr, dass sich die Eltern im Sinne ihrer Kinder an die Regelungen halten. Natürlich ist es nicht möglich, dass gegnerische Fans in Horden zu uns kommen, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Die Zeiten, in denen wir bis zu 500 Zuschauer auf der Anlage hatten, sind aber ohnehin lange vorbei. Zudem bieten die Vorgaben des HTV zwei kleine "Schlupflöcher": Zum einen haben die Vereine die Möglichkeit, die Mannschaftsführer auch noch im Verlauf der Saison zu ändern. Dort könnten sie für die Jugendmannschaften einen Elternteil als Mannschaftsführer auswählen. Dadurch gehört zumindest eine erwachsene Person offiziell zur Mannschaft. Außerdem könnten die Corona-Beauftragten die Aufgabe für die jeweiligen Spieltage an die Eltern übertragen. Somit haben die Eltern eine zugewiesene Funktion und sind nicht länger Zuschauer.

Öffentliche Club-Gastronomien dürfen öffnen, eine Eigenbewirtung durch Clubmitglieder ist verboten - glauben Sie, dass sich die Tennisspieler daran halten werden?

Damit dürften wir in Bad Nauheim absolut keine Probleme haben. Die Bewirtung erfolgt durch das direkt angrenzende, öffentliche Restaurant. Nach den Spielen bieten wir unseren Gästen Verpflegung in ihren Bereichen an. Statt des gemeinsamen Essens wird es in diesem Jahr eben Pizza für die Spieler geben.

In Hessen haben 27 Prozent der Mannschaften zurückgezogen, das heißt, dass 73 Prozent an der Medenrunde teilnehmen - ein guter Wert?

Die Anzahl der teilnehmenden Mannschaften ist aus meiner Sicht immer noch ordentlich. Daran sieht man, dass sich der Großteil der Teams auf den Saisonbeginn freut. Für mich ist das Schlimmste, was passieren kann, dass ein großer Verein mit einer leistungsstarken Jugend seine Mannschaften vom Spielbetrieb zurückzieht, denn dann haben die Spieler über lange Zeit keine Wettkampfpraxis.

In dieser Saison besteht die Möglichkeit, bis 24 Stunden vor Spielbeginn eine Partie abzusagen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Rechnen Sie daher vermehrt mit kurzfristigen Absagen?

Das denke ich eher nicht. Die meisten Spieler werden froh sein, dass sie ihrem Sport endlich wieder nachgehen können. Einzig bei den Jugendmannschaften ist möglicherweise damit zu rechnen, dass es durch schulische Verpflichtungen vielleicht etwas häufiger zu Spielabsagen kommen könnte. FOTO: NIC

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