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Beim Funiño können aufgrund der geringen Größe des Spielfelds bis zu neun Partien gleichzeitig ausgetragen werden. Dazu braucht es nur die entsprechende Anzahl an Toren und Hütchen zur Spielfeldbegrenzung. Einen Schiedsrichter gibt es nicht. (Symbolfoto: Gärtner)

Revolution im Kleinen

Kommt Fuñino als neue Spielform im Kinderfußball auch bald in die Wetterau?

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Am Freitag könnte das DFB-Präsidium eine richtungsweisende Entscheidung zur Zukunft des Kinderfußballs treffen. Eine Möglichkeit: Fuñino. Doch das wäre Neuland für viele Vereine.

Die Wellen schlagen hoch - vom Fachmagazin "kicker" über Bundesligatrainer wie Julian Nagelsmann oder Ex-Profis wie Bodo Ilgner hin zu den Vereinen: Der deutsche Kinderfußball soll reformiert werden. Diesen Plan verfolgen der Deutsche Fußballbund (DFB) und seine Landesverbände spätestens seit dem blamablen Abschneiden bei der WM 2018 Russland. Am Freitag könnte das DFB-Präsidium laut "kicker" über eine Reform entscheiden. Auf dem Tisch liegen diverse Vorschläge, die alle dasselbe Ziel haben: kleinere Mannschaften, mehr Ballkontakte pro Spieler, weniger frühes Festlegen auf Positionen sprich: mehr Dribbler, weniger Systemspieler, mehr Intuition, weniger Taktik. Eine Möglichkeit heißt Fuñino.

Fuñino: Das Konzept steht schon seit Längerem auf der Tagesordnung der Funktionäre

Das Konzept von Ex-Hockeynationalspieler und Fußball-Trainer-Guru Horst Wein soll die Ausbildung der Nachwuchskicker drastisch verändern. Es wäre nach der Einführung der Fair-Play-Liga bei den G- und F-Junioren vor einigen Jahren der nächste große Einschnitt und könnte nun auch die E-Junioren betreffen. Darauf angesprochen will Carsten Well, Verbandsjugendwart beim Hessischen Fußballwart (HFV), nicht zu weit vorpreschen. Nur so viel: "Man kann viel probieren, wenn es dem Kinderfußball hilft und die Spieler dadurch noch mehr Spaß haben. Da ist Fuñino keine schlechte Sache. Aber egal, was kommt: Man muss die, die es umsetzen müssen, dafür gewinnen", sagt der Funktionär aus dem Vogelsbergkreis. Deshalb müsse die Strategie sein - ähnlich wie bei der Einführung von Futsal in der Halle -, die Vereine davon zu überzeugen.

In jedem Fall stand Fuñino auch schon beim HFV auf der Tagesordnung - etwa bei der Jugendbeiratstagung im Mai. Das berichtet auch Dörthe Wacker, stellvertretende Kreisjugendwartin im Fußballkreis Friedberg. Sie sagt: "Fuñino ist bei uns noch kein Thema, aber zumindest im Training sollte es bei lizenzierten Coaches bereits zum Standard gehören." Denn: "Es geht darum, dass jedes Kind möglichst viele Ballkontakte hat und nicht in eine Position gedrängt wird. Alle sollen lernen, anzugreifen und zu verteidigen." Bereits in der abgelaufenen Saison war es daher Wetterauer Vereinen möglich, beim Kreisjugendausschuss ein Fuñino-Turnier anzumelden. Doch außer der SG Rodheim, die zwar angefragt, dann aber mangels Resonanz wieder abgesagt hatte, scheint die neue Art des Fußball für die Kleinsten noch nicht allzu viele Anhänger zu haben.

Fuñino: Rodheimer Jugendleiter als glühender Fan der neuen Spielform

Einer von ihnen ist der Rodheimer Jugendleiter Thorsten Grützner, unter dessen Ägide Fuñino von den G- bis zu den E-Junioren bereits im Training praktiziert wird. "Wir versuchen, das immer weiter auszubauen. Denn es lockt die Spieler aus der zweiten und dritten Reihe aus der Reserve, weil sie gezwungen sind, selbst etwas mit dem Ball zu machen und wirklich am Spiel teilzuhaben. Spätestens in der D-Jugend reicht es nicht mehr, wenn ein, zwei Spieler das Spiel alleine machen", sagt er. Auch den möglichen Nachteil, durch das Spiel auf vier kleine Tore keinen Torwart zu benötigen, sieht er nicht. "Kinder, die ins Tor wollen und keine Angst vor dem Ball haben, werden automatisch Torhüter", sagt er. "Viel wichtiger ist heute, dass der Torwart selbst Fußball spielen kann. Daher reicht es, wenn man das Torhütertraining ab der E-Jugend mit einfließen lässt." Grützner, dessen Verein jährlich ein einwöchiges Camp mit der Fußballschule des FC St. Pauli veranstaltet und inzwischen auch im Nachwuchs mit Kickers Offenbach kooperiert, sagt: "Der Profi-Nachwuchs ist in diesen Bereichen einen Schritt weiter. Daher würde ich es sofort unterschreiben, wenn Fuñino im Spielbetrieb eingeführt wird. Es ist das Beste, was man mit Kindern machen kann."

Wacker sieht weitere Vorteile in einem neuen Kleinfeld-Konzept - etwa kleinere Kader und mehr Teams, auch wenn die Vereine zunächst vielleicht in Sachen Betreuer und Anschaffung von Toren etwas Geld in die Hand nehmen müssten. "Das sind Dinge, die es in der Praxis anzuschauen gilt. Ich bin persönlich kein Freund davon, dass immer alles schöngeredet wird, aber ich gehe stark davon aus, dass so etwas kommt. Dann müssen wir es ohnehin das Beste daraus machen."

Bis dahin könnte es allerdings noch dauern. Jugendfußball ist nämlich Sache der Verbände, die dann nach einem DFB-Präsidiumsbeschluss entsprechend die Spielordnungen anpassen müssten. Das geht wiederum nur mit Zustimmung der Kreise. In der kommenden Saison werde daher der Regelspielbetrieb ganz normal weiterlaufen. Ob die neue Spielform eines Tages Fuñino heißt oder doch ein anderes Kleinfeld-Konzept das Rennen macht, ist eine andere Frage.

Fuñino: Alle wichtigen Fakten und Hintergründe auf einen Blick

Der Name:Funiño - englisch "fun" steht für Spaß, soanisch "niño" für Kind.

Der Hintergrund:Horst Wein war der Funiño-Begründer, was er speziell im Kinder- und Jugendtraining für G- und F-Junioren entwickelt hat. Wein hatte sich für diese Organisationsform über 30 Spielvarianten ausgedacht. Inhalte sind unter anderem in vielseitigen Spielformen die Spielintelligenz der jungen Spieler zu fordern und fördern. Ziel ist die Verbesserung der Wahrnehmung, Antizipation, Kreativität sowie der Analyse von Spielsituationen. Die Spieler lernen seiner Meinung nach sehr schnell, da Spielsituationen regelmäßig wiederkehren und alle Akteure am Geschehen beteiligt sind.

Die Rahmenbedingungen:Funiño wird auf einem etwa 32x25 Meter großen Feld mit vier Minitoren gespielt. Ein Team besteht aus vier Spielern, drei spielen, einer fungiert als Auswechselspieler. Ein Spiel dauert jeweils fünf Minuten. Beim Turnier spielen die Bambini vier Runden, die F-Junioren fünf. Dann gibt es eine viertelstündige Pause und anschließend noch eine komplette Runde.

Die Regeln:Tore können nur innerhalb der Sechs-Meter-Torschusszone erzielt werden. Ist ein Tor erzielt, müssen beide Mannschaften einen Akteur wechseln - natürlich in Rotationsform. Der Austausch passiert immer in der Mitte des Spielfeldes. Falls eine Mannschaft mit drei Toren führt, darf die andere auch mit dem vierten Akteur am Spiel teilnehmen. Es gibt keine Ecken, kein Abseits, keinen Torwart, keinen Einwurf. Der Ball wird durch einen Self-Pass oder einen Pass außerhalb der Schusszone, zurück in das Spiel gebracht. An beiden Seiten liegen je drei Bälle. Erzielt eine Mannschaft einen Treffer, setzt die andere das Spiel mit einem der Bälle auf den Seitenlinien fort. Tore zählen nur dann, wenn der Ball vorher von einem Angreifer in die Angriffszone und von dort ins Tor gespielt wurde. Der Ball muss dabei vollständig die Torlinie überschritten haben. Erfunden wurde das Projekt vom ehemaligen Hockey-Nationalspieler und späteren Bundestrainer Horst Wein.

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