Multitalent: Thorsten Dauth qualifizierte sich als Zehnkämpfer für die Olympischen Spiele in Barcelona.
+
Multitalent: Thorsten Dauth qualifizierte sich als Zehnkämpfer für die Olympischen Spiele in Barcelona.

König der Athleten

Der König der Athleten: Die drei sportlichen Karrieren des Karbeners Thorsten Dauth

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
    schließen

Ein Angebot von einem Fußball-Bundesligisten, eine Teilnahme an den Olympischen Spielen und ein Weltcup-Rennen im Bob: Der Karbener Thorsten Dauth ist König der Wetterauer Athleten.

Wo eigentlich anfangen? Wo aufhören? Thorsten Dauth hätte bei unserem Besuch in Karben vieles zu erzählen. Von Glücksgefühlen, dem Adrenalin; beispielsweise nach dem abschließenden 1500-Meter-Lauf im Zehnkampf. Von Enttäuschungen, vorwiegend sportpolitischer Art. Und er könnte auf all die verrückten Wendungen im Laufe seiner Karriere eingehen. Gleich mehrere Sportarten hat er auf höchstem deutschen, teils internationalem Level bestritten. "Ich würde jede Entscheidung wieder so treffen", sagt der 52-Jährige heute rückblickend. "Immer, wenn sich eine Tür geschlossen hatte, hat sich eine andere Tür geöffnet." Fußball, Leichtathletik, Bobsport - Dauth ist ein König der Athleten.

Den größten Erfolg feierte er als Zehnkämpfer. Ende der 1980er Jahre hatte er die Branche so richtig ins Staunen gebracht. Als Teenager hatte er zwar Leichtathletik betrieben und galt als durchaus talentiert, doch hatte sich zwischenzeitlich der Fußball in den Vordergrund geschoben. Bei den hessischen Meisterschaften startete der damals 20-Jährige deshalb auch "mehr zum Spaß". Er gewann seinen ersten Mehrkampf mit mehr als 7000 Punkten und bestätigte seine Leistung bei den deutschen Juniorenmeisterschaften, als er sich um 400 Zähler verbesserte und Vierter wurde. Die Fachwelt staunte, und Bundestrainer Claus Marek fragte verdutzt: Wer ist dieser Kerl, woher kommt er?

Dauth galt lange als der Schlaks mit dem unorthodoxen Laufstil, der die 100 Meter dennoch in 11,0 Sekunden spurtete, der mit Sprintspikes im Hochsprung 2,09 Meter überflog und der beim Stabhochsprung unbekanntes Terrain betreten hatte: "Da hatten alle Grundkenntnisse gefehlt." 1990 holte er DM-Bronze und erreichte die 8000-Punkte-Marke, die Weltklasseathleten ausmacht. Eine Eigendynamik war entstanden.

Auch als Fußball-Torwart war der Karbener Thorsten Dauth gefragt, einst hatte er sogar ein Angebot aus der Bundesliga.

Rückblick: Im Sommer 1988 war Torwart Dauth von einem Probetraining von Fußball-Bundesligist 1. FC Köln zurückgekehrt, hatte das Angebot als Nummer zwei hinter Bodo Illgner aber abgelehnt. "Mit einem Amateurvertrag und 1500 D-Mark in einer fremden Stadt - damit ließ sich nicht planen", sagt er heute. Im TV lief nur Tage später die Übertragung der Olympischen Spiele aus Seoul. Dauth sah die drei Fehlstarts von Jürgen Hingsen, und er sah Christian Schenk auf dessen Weg zur Goldmedaille. "Das kann ich auch", war er überzeugt, und nahm das Mehrkampftraining auf. Sein kometenhafter Aufstieg führte ihn binnen vier Jahren bis nach Barcelona; begleitet von einer mehrteiligen Serie in dieser Zeitung und einer stattlichen Zahl an Fans. Die Sommerspiele endeten für Dauth auf Rang 17. Das war enttäuschend nach WM-Platz zehn im Jahr zuvor, "aber rückblickend ist das in Ordnung. Die Hitze ist mir einfach nicht bekommen." Auf bis zu 50 Grad Celsius hatte sich der Stadionkessel aufgeheizt.

"Was es wirklich bedeutet, bei den Spielen dabei gewesen zu sein, realisiert man erst später. 1996, als ich die Spiele von Atlanta verfolgt habe, habe ich den Hype erst gespürt. Da wurde mir bewusst, dass ich einmal selbst dabei war."

Ärgerlich: Favorit David Johnson wurde in Barcelona nach drei ungültigen Versuchen beim Kugelstoßen auf Intervention des Oberschiedsrichters ein vierter Versuch gestattet, wobei die Hintergründe noch heute ungeklärt sind. Der US-Amerikaner gewann letztlich Bronze, Dauth verpasste auf Platz 17 um eine Position die Optimalförderung durch den Deutschen Olympischen Sportbund. Auf einen Einspruch hatte der deutsche Verband verzichtet. "Vielleicht waren die Amerikaner einfach zu mächtig", glaubt Dauth rückblickend.

1995 erreichte er beim Mehrkampf-Meeting in Götzis mit 8164 Punkten seine persönliche Bestleistung, die anschließende WM musste er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen - das Ende seiner Laufbahn als Zehnkämpfer, in der er sich oft dem Vorwurf vom fehlenden Biss ausgesetzt sah: "Bei mir sah vieles spielerisch aus. Da wurde mir gesagt, dass ich nicht richtig arbeiten würde." Kritik, die über lange Zeit an ihm nagte.

Sein Studium hatte Dauth zwischenzeitlich abgebrochen und bei der Stadt Karben eine Lehre begonnen. Noch heute ist er dort im IT-Bereich tätig. "Viele glauben, wer in der Zeitung steht und im Fernsehen gezeigt wird, der habe ausgesorgt. Aber das stimmt nicht. Am Ende wusste sich kaum, wie ich zum Training kommen sollte. Das ging nur über einen Ausrüstervertrag und entsprechende Erfolge", sagt der Modellathlet, der die TG Groß-Karben inzwischen verlassen und sich dem TV Heppenheim angeschlossen hatte. Als leichtathletischen Höhepunkt bezeichnet er den Titelgewinn bei den deutschen Meisterschaften 1994. Hier siegte Dauth über 4x 100 mit Christian Thomas, Florian Schwarthoff und Alexander Bub.

Dauth kehrte zurück zum Fußball. Ex-Profi Roland Borchers holte ihn nach Offenbach. Die Kickers gaben Dauth einen Lizenzspielervertrag. Den Aufstieg in die Regionalliga, das legendäre Duell mit Memmingen, als wie von Geisterhand das Licht ausgegangenen war, erlebte der Schlussmann verletzungsbedingt aber nur als Zuschauer. Es folgte der Wechsel in die Heimat, zum KSV Klein-Karben, wo er in der Saison 1999/2000 mit dem Titelgewinn in der Oberliga Hessen seinen persönlich bedeutendsten Erfolg mit dem runden Leder feiern konnte. Dauth spielte später noch für die Türkischen Sportfreunde Usingen, die Usinger TSG, die SG Ober-Erlenbach und die TSG Ober-Wöllstadt.

Die dritte Station: Thorsten Dauth war auch als Bremser im Bobsport unterwegs.

Bei den Bob-Weltmeisterschaften 1995 in Winterberg war dem Zuschauer Dauth von Olympiasieger Harald Czuday ein Visitenkärtchen in die Hand gedrückt worden. "Willst du nicht mal anschieben", hatte dieser ihn gefragt - und Dauth wollte: "Ich war groß, schnell und schwer und habe damit dem Anforderungsprofil entsprochen", sagt der Multiathlet, der schnell Spaß und Erfolg hatte. "Das war ein wildes Sammelsurium an Sportlern." Mit Leonhart Sanktjohanser erreichte Dauth Rang zwei bei den deutschen Meisterschaften 2001 in Königsee, in Cortina d’Ampezzo bestritt er ein Weltcup-Rennen, fuhr später noch bei den Senioren-Titelkämpfen.

Dem Fußball ist Dauth noch heute verbunden. Mit seiner Frau Petra lebt er einen Steinwurf vom Karbener Günter-Reutzel-Sportfeld entfernt. Die Bundesliga-B-Juniorinnen des SC Dortelweil unterstützt er als Torwart-Trainer; soweit die Knie das noch zulassen. Das Talent hat er seinem Sohn Yannick vererbt, der einst beim Regionalligisten SC Teutonia Watzenborn-Steinberg spielte. Inzwischen hütet Yannick, der selbst im März Vater geworden ist, das Tor des Gruppenligisten SG Bruchköbel. Kim, der jüngere Sohn, spielt für den Karbener SV. "Er ist mit 15 Jahren schon so schnell wie ich mit 20. Wenn’s im Fußball nichts wird, kann er immer noch in die Leichtathletik wechseln", schmunzelt Vater "Toto". Die Gene liegen ja in der Familie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare