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Saison-Abbruch oder Saison-Fortsetzung? Im Fußballkreis Friedberg hat sich Kreisfußballwart Thorsten Bastian ein Meinungsbild eingeholt. SYMBOLFOTO: IMAGO

Fußball

Klares Meinungsbild im Fußballkreis Friedberg

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Premiere im Fußballkreis Friedberg: Thorsten Bastian hatte die Klubs zu einer Videokonferenz eingeladen, um die Szenarien für den weiteren Spielbetrieb aufzuzeigen. Die Vereine haben dabei eine klare Meinung.

Die Klubs aus dem Fußballkreis Friedberg plädieren für einen Saison-Abbruch - mit Aufstiegsregelung. Kreisfußballwart Thorsten Bastian hatte den Vereinen in einer Videokonferenz am Montagabend dieses Szenario als eine von drei Optionen präsentiert. Nun soll das Meinungsbild im Verbandsspielausschuss zur Sprache gebracht werden.

So mancher trug die Trainingsjacke mit Vereinslogo. Im Hintergrund hingen Urkunden und Auszeichnungen. Sie saßen in Wohn- oder Arbeitszimmern. Insgesamt 90 Teilnehmer aus dem Fußballkreis Friedberg sowie unter anderem auch Torsten Becker, den Vizepräsidenten des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), konnte Thorsten Bastian am Montagabend zur Videokonferenz begrüßen, um Szenarien im Amateurfußball zu erörtern und ein Stimmungsbild an der Basis einzufangen. Eine Nacht lang hatten die Vereinsfunktionäre Zeit, die Informationen intern zu besprechen. Am Dienstagmittag hatte Bastian als Kreisfußballwart dann folgendes Meinungsbild aus 45 (von über 60 Klubs) vorliegen: 33 Vereine plädieren für einen Saisonabbruch mit Aufsteigern. Jeweils sechs Klubs bevorzugen eine Rundenfortsetzung über den 30. Juni hinaus beziehungsweise einen Saisonabbruch mit Auf- und Absteigern.

Klarheit im Juni

Die Haltung aus dem Kreis Friedberg soll nun dem Verbandsspielausschuss vorgebracht werden. "Ob unser Vorschlag dann mehrheitsfähig ist, wird man sehen", sagt Bastian. Eine endgültige Entscheidung fällt erst beim Verbandstag. Dieser muss aus satzungsrechtlichen Gründen noch einmal nach hinten geschoben werden, wird voraussichtlich erst im Juni stattfinden können. Klar ist, weiß Bastian: "Eine 100-prozentige Gerechtigkeit gibt es in dieser Situation nicht. Es wird Gewinner und Verlierer geben." Völlig unklar ist hingegen, wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. "Das liegt nicht in den Händen des Verbandes, sondern der Behörden."

HFV-Vize Becker und später auch Bastian erörterten in der rund eineinhalbstündigen Konferenz drei Modelle mit denen sich der Verband derzeit auseinandersetzt - samt ihrer Vor- und Nachteile.

Drei Modelle

Szenario A sieht eine Saisonfortsetzung über den 30. Juni hinaus vor. Dies gibt einerseits dem Verband zeitlich die größtmögliche Flexibilität, um auf die Entwicklungen der Corona-Pandemie reagieren zu können, bringt andererseits auch Probleme mit der Wechselfrist mit sich. Diese könne im Amateurbereich zwar flexibel gehandhabt werden, wie es heißt, doch gilt das nicht für die sogenannten Vertragsamateure, was gerade die höheren Amateurklassen betrifft. Zudem sieht Florian Schwing, Trainer des Gruppenligisten SV Gronau, einen möglichen Wettbewerbsnachteil. "Wenn drei meiner Spieler aus Studiengründen im Herbst nicht zur Verfügung stehen, ich aber nicht mit Transfers reagieren kann, müsste ich den Kader mit Reservespielern aus der Kreisliga B auffüllen", brachte er seine Bedenken zu Ausdruck.

Szenario B sieht ein vorzeitiges Saisonende mit Auf- und Abstieg vor. Diese Lösung schaffe eine gewisse Planungssicherheit. Die Ligen-Größe sei überschaubar und ermögliche deshalb, gegebenenfalls auch eine zeitlich etwas verkürzte Saison 2020/21 auszuspielen. Hier wiederum gab Bernd Sulzbach seitens des TuS Rockenberg zu bedenken, dass bei einem Spielbetrieb, der - mit Vorlauf einer vierwöchigen Vorbereitung - wohl frühestens Mitte September wieder aufgenommen werden kann, in der nördlichen Wetterau mit einer erhöhten Zahl an Spielausfällen im Herbst zu rechnen ist. Dort stehen fast ausschließlich Naturrasenplätze zur Verfügung. Die "Friedberger" Gruppenligisten - kein Klub unter den letzten Drei - könnten in diesem Szenario im übrigen allesamt den Klassenerhalt feiern.

Szenario C sieht lediglich einen Aufstieg vor, die Ligen könnten aus den unteren Klassen aufgefüllt werden. Dem Kreis Friedberg, der über einen starken Unterbau verfügt, käme dies entgegen, unterstrich Bastian. In den Szenarien B und C ist übrigens ein Aufstieg einer Mannschaft auf einem Relegationsplatz grundsätzlich nicht vorgesehen.

Mit Quotientenregel

Im Video-Chat gab’s sogleich positives Feedback. "Wenn der Kreis das so entscheiden kann, dann ist so eine gute Lösung gefunden", meinte Peter Schenker von der Spvgg. 08 Bad Nauheim, die als Zweiter der A-Klasse den Aufstieg feiern könnte. "Volle Unterstützung. Das Befüllen der KOL dürfte kein Problem sein", schrieb Andreas Wirth vom Traiser FC, und auch Sebastian Volp vom SV Nieder-Weisel äußerte sich positiv: "Ich denke, damit werden die meisten Vereine leben können."

Bezüglich der Wertung bei einem Abbruch hat sich der Verband juristisch beraten lassen. Favorisiert wird - analog zum Handballsport - die sogenannte Quotientenregelung. In diesem Fall würden die gesammelten Punkte und die Zahl der bereits absolvierten Spiele geteilt. Das Ergebnis würde anschließend mit 100 multipliziert und auf eine Stelle nach dem Komma gerundet. Im Kreis Friedberg würde dies in lediglich einem Fall die Aufstiegsfrage beeinflussen. In der Kreisliga B, Gruppe 2 würde der FSV Kloppenheim den SSV Heilsberg noch von der Tabellenspitze verdrängen.

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