Klammern an jeden Strohhalm

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(sid/ra). Die virtuelle Meisterfeier per Videokonferenz konnte Viktor Szilagyi nicht wirklich genießen, dem Manager des Corona-Meisters THW Kiel gingen ständig die großen Zukunftsfragen durch den Kopf. "Wir dürfen uns vor keinem Szenario, auch wenn es noch so kurios erscheint, verschließen", sagte Szilagyi letzte Woche. "Wir müssen uns an jeden Strohhalm klammern." Denn ab jetzt geht es in der Liga um Existenzen."

Nach dem historischen Saisonabbruch inklusive eines finanziellen Schadens von über 20 Millionen Euro in der Handball-Bundesliga sind Szilagyi und Co. mehr denn je als Krisenmanager gefragt. Längst zermartern sie sich den Kopf, wie die Vereine die Corona-Krise überstehen können.

Denn "noch mehr Kopfschmerzen" als die Entscheidung über den Saison-Shutdown "bereiten uns die Planungen für die kommende Saison", sagt Liga-Boss Frank Bohmann. "Die nächste Saison überleben", sagt Bohmann, sei "derzeit das vorrangige Ziel". Der Manager geht im Moment davon aus, dass "wir ab dem 1. September richtig loslegen können. Aber auch auf andere Szenarien müssen wir uns natürlich vorbereiten".

Bis Ende August hat die Bundesregierung alle Großveranstaltungen verboten, doch wer weiß schon, ob dann wieder der Normalbetrieb aufgenommen werden kann? Das Land Berlin etwa hat ja schon entschieden, dass Events mit mehr als 5000 Personen bis zum 24. Oktober untersagt sind. In die Max-Schmeling-Halle, wo die Füchse Berlin spielen, passen knapp 12 000 Fans. Bayern hat das Oktoberfest abgesagt. Geisterspiele, wie im Fußball geplant, sind für den Handball jedenfalls keine langfristige Option, um das finanzielle Überleben zu sichern. Denn die Klubs generieren einen Großteil ihrer Einnahmen aus dem Ticketing, nicht über die TV-Gelder.

Dass ab September wieder vor Fans gespielt wird, "sehe ich aktuell nicht als realistisch an", sagte Szilagyi. Und dennoch muss die Show irgendwie weitergehen. Dabei dürfte auch die Weltmeisterschaft 2021 in Ägypten in den Fokus rücken: Eine Verschiebung würde der Liga mehr Zeit für die Austragung ihrer Partien geben.

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