Die Kiste wieder aus dem Sand holen

Sieben Punkte fehlten zur Abstiegsrelegation, gar deren neun, um die Kreisoberliga ohne Auflagen zu halten. Für den SV Hoch-Weisel brachte die Saison 2008/2009 an positiven Dingen herzlich wenig, und in der Summe aller 40 KOL-Auftritte bedeuteten gerade mal sieben Siege und drei Unentschieden, die Platz 19 mit mageren 24 Punkten entsprachen, den Abstieg in die A-Liga. Da nutzte die erstaunliche Tatsache, dass man am vorletzten Spieltag im regionalen Fußballoberhaus Schicksal spielte, die bis zu diesem Zeitpunkt auf Titelkurs segelnden Fußballer von Türk Gücü Friedberg mit 5:2 ausbremste und dadurch dem SC Dortelweil die Meisterschaft und den Sprung in die Gruppenliga ermöglichte, gar nichts. Das Hoch-Weiseler Team und Volker Heerdt, beim SV seit Herbst letzten Jahres auf dem Trainerstuhl der Nachfolger des seinerzeit ausgestiegenen Bernd Mann, hatten - ebenso wie die Klubs aus Kloppenheim, Melbach und Oppershofen - das Klassenziel um Längen verfehlt.

Der 45-jährige Berufssoldat, ausgestattet mit einer an der Sportschule Warendorf erlangten Übungsleiter- und Trainerlizenz, stand vor einer schwierigen Entscheidung. In Hoch-Weisel die Zelte wieder abbrechen und die Co-Trainer-Offerte des Verbandsligisten Spvgg. 02 Griesheim annehmen? Andere seiner Zunft wären vermutlich schwach geworden und hätten die Fronten gewechselt. Für Volker Heerdt, der zu aktiven Zeiten in Hochstadt, Heusenstamm oder Jügesheim Landes- und Oberligaluft schnuppern durfte, stand das nicht zur Debatte. "Alles eine Frage der Ehre", sagt er, "vergangene Runde haben wir die Kiste in den Sand gesetzt, und jetzt wollen wir gemeinsam wieder ertragreichere Zeiten einläuten."

Daraus zu schließen, in Hoch-Weisel würden sie den direkten Wiederaufstieg ernsthaft in Erwägung ziehen, ist nach Heerdts Ansicht jedoch ein glatter Irrtum. Wohl könne er sich vorstellen, auf der 20 Mannschaften umfassenden A-Liga-Bühne im oberen Drittel Fuß zu fassen, aber für die aufstiegsrelevanten Positionen eins bis drei kämen andere Vereine in Frage, etwa der FSV Kloppenheim, der starke Aufsteiger Hessen Massenheim, die SG Oppershofen, Schwalheim oder Bruchenbrücken.

Das Problem, mit dem sie unterm Hausberg zu kämpfen haben, liegt auf der Hand: Wenig Fluktuation innerhalb eines Kaders, dessen personeller Umfang sich in engen Grenzen hält und dadurch den für einen Übungsleiter stets willkommenen teaminternen Konkurrenzkampf, der garantiert eine intensivere Trainingsbeteiligung nach sich ziehen würde, schlichtweg torpediert. "Drei, vier Spieler mehr, auf die ich ohne Bedenken zurückgreifen könnte, wären eine feine Sache. Aber die haben wir halt nicht", klagt Heerdt, "maximal 14 Spieler mit A-Liga-Niveau, mehr sind’s nicht." Das klingt zunächst einmal ziemlich ernüchternd, braucht es aber im Grunde genommen nicht zwingend zu sein, sollten Volker Heerdt und Spielausschuss-Chef Armin Strasheim ab Anfang August (Saisonstart gegen den SV Assenheim) durchgehend auf ihre Stammkräfte zurückgreifen können.

Torjäger Robert Lang oder auch Mittelfeldregisseur Manuel Hofmann sind jedenfalls Spieler, deren Qualitäten jeder A-Liga-Abwehr gehörig zusetzen können. Davon abgesehen: Ganz spezielle Forderungen der Hoch-Weiseler Klub-Verantwortlichen ans Team sind erstens mehr Disziplin, also entschieden weniger Platzverweise als in der vergangenen Runde, und zweitens eine andere taktische Ausrichtung. "Hinten eine Art Dreierkette mit Sven Krause als zentralem Mann zusammen mit Dennis Seipel, René Salzmann oder Tobias Salzmann, davor Maik Strasheim und Manuel Hofmann als bestimmende Leute im Vierer-Mittelfeld, auf den Außen flankiert von Vitali Filbert, Marc Bieber oder unserem einzigen Neuzugang Can Özegul sowie Robert Lang, Oliver Ruß und Björn Hofmann als Offensiv-Trio. So müsste es eigentlich passen", meint Volker Heerdt. Weil die normalerweise zur Stammelf zählenden Patrick Blomer und Patrick Heilmann (jeweils Bänderriss) in diesem 3-4-3-System noch gar nicht mit einbezogen sind, bleibt dem Hoch-Weiseler Coach ein gewisser personeller Spielraum. Zudem ließen, so Heerdt, Christian Schmidt und Alexander Schild viel versprechende Ansätze erkennen: "Ihnen könnte der Sprung in die erste Mannschaft durchaus gelingen.

" Weniger schön für den SV-Trainer: "Wir müssen damit rechnen, dass Stürmer Björn Hofmann aus beruflichen Gründen nicht immer zur Verfügung stehen wird."

Alles in allem: Eine recht eng gestrickte Kalkulation, die schnell in Schieflage geraten kann. Die fünfte Vorbereitungspartie am letzten Sonntag nach vorher ausschließlich erfolgreichen Auftritten gegen Lich (4:2), Kilianstädten, Quembach (jeweils 9:3) und Mittelbuchen (7:5) mag den Fußballern aus dem Wetterauer Norden diesbezüglich als warnendes Beispiel dienen: 3:6-Niederlage gegen die TSG Ober-Wöllstadt - Seipel, Strasheim und Manuel Hofmann als zusätzlich Verletzte außen vor. Da lief mit zunehmender Spieldauer nicht mehr viel zusammen, und Volker Heerdt war restlos bedient: "Zum Glück war’s nur ein Test. In zwei Wochen müssen wir uns ganz anders präsentieren." Uwe Born

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