Geht es nach Präsident Joachim Wagner (l.) und Geschäftsführer Thomas Sobotzik, spielt Kickers Offenbach noch in dieser Woche wieder in der Regionalliga Südwest. FOTO: HÜBNER
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Geht es nach Präsident Joachim Wagner (l.) und Geschäftsführer Thomas Sobotzik, spielt Kickers Offenbach noch in dieser Woche wieder in der Regionalliga Südwest. FOTO: HÜBNER

Kickers erhöhen den Druck

  • vonred Redaktion
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(cd). Die Entscheidung steht noch aus, aber für Thomas Sobotzik kann es in der Frage, ob der Spielbetrieb in der Fußball-Regionalliga Südwest fortgesetzt wird, nur eine Antwort geben: "Wenn wir einmal aufhören, bin ich mir sicher, dass wir nicht vor März weitermachen werden. Und was dann noch übrig ist von den Klubs der Regionalliga, daran will ich gar nicht denken", sagt der Geschäftsführer der Offenbacher Kickers - und fügt mit einem Seitenhieb an die Konkurrenz hinzu: "Es kann nicht sein, dass Vereine wie Bayern Alzenau und Co. über das Sein oder Nichtsein großer Traditionsklubs befinden und der Verband sich danach richtet."

Warten auf Bayern

Aber genau dieses Szenario droht gerade. Laut Sascha Döther, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GbR, ist die Fortsetzung des Spielbetriebs von der Zustimmung der "zuständigen Ministerien der Bundesländer, in denen Vereine bzw. Kapitalgesellschaften der Regionalliga Südwest beheimatet sind", abhängig. Konkret geht es um die Frage, ob die Regionalliga als Amateursport (muss seit Montag aufgrund der neusten Einschränkungen aufgrund der Cornavirus-Pandemie pausieren) oder Profisport (darf weiter trainieren und ohne Zuschauer spielen) eingestuft wird. Da der Südwest-Staffel der vierten deutschen Liga sowohl Profi- als auch Amateurteams angehören, zieht sich die Entscheidung hin. Einige Sportanlagen seien bereits seit MOntag für den Trainings- und Spielbetrieb gesperrt, teilte Döther schon am Samstag mit und setzte den für Dienstag und Mittwoch geplanten 13. Spieltag vorsorglich ab. Die Kickers halten diese Entscheidung für verfrüht und fordern, diese zu überdenken.

Den Informationen von Sobotzik zufolge hat nach Hessen und dem Saarland auch Rheinland-Pfalz die Regionalliga als Profisport eingestuft. Offen ist noch, wie es in Baden-Württemberg sowie Bayern gehandhabt wird. Und so könnte der FC Bayern Alzenau, der sich als Amateurklub sieht, in der Tat das Zünglein an der Waage werden. Der Verein ist zwar Mitglied im Hessischen Fußball-Verband, aber in Bayern beheimatet und somit an die Entscheidungen der dortigen Landesregierung gebunden. Sollte diese festlegen, dass in Bayern Regionalligisten nicht mehr spielen und trainieren dürfen, wäre das für Sobotzik jedoch kein unlösbares Problem. "Unsere U 19 hat auch in Rüsselsheim gespielt, als es in Offenbach nicht ging", sagt er und verweist darauf, dass jeder Klub vor dem Rundenstart eine Ausweichspielstätte angeben musste und das Problem hinlänglich bekannt gewesen sei.

Die Alzenauer hatten aber schon beim ersten Lockdown im Frühjahr betont, dass ein Umzug für sie kein Thema sei. Sobotzik ("Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg") wünscht sich deutlich mehr Kompromissbereitschaft und Solidarität: "Alzenau hat es einfach. Die schicken bei einer Saisonunterbrechung die Spieler nach Hause, schließen das Stadion ab und haben null Kosten", meint der OFC-Geschäftsführer. "Aber was ist mit unserem Stadion und unserer Geschäftsstelle? Das sind im Monat mehr als 30 000 Euro. Wovon sollen wir das bezahlen, wenn vielleicht auch noch Regressansprüche kommen? Das Sportzentrum am Wiener Ring, wo unser Leistungszentrum zu Hause ist, nutzen wir auch nicht umsonst."

Sobotzik betont, dass viel mehr auf dem Spiel stehe als die Fortsetzung der Saison: "Es geht um die grundsätzliche Frage, was wir in unserer Gesellschaft wollen. Erste bis dritte Liga und danach ist es vorbei? Dann können wir das Stadion zumachen und den Rasen kniehoch wachsen lassen. In Offenbach wird es dann nämlich so schnell keinen professionellen Fußball mehr geben." Das hätte laut ihm weitreichende Folgen: "Vereine wie Ulm, Elversberg oder wir leisten einen riesigen Beitrag für die Städte und Kommunen. Man muss nur an unser Leistungszentrum denken. Das ist aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht ein Luxus, den wir uns leisten, weil wir unserer Verantwortung gegenüber der Stadt und der Region gerecht werden wollen. All diese Dinge stehen auf der Kippe.

Offener Brief

Die Kickers wollen zur Not rechtliche Schritte einleiten. "Wir haben bereits in der jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass wir auch juristisch kämpfen können und wollen", heißt es in einem Offenen Brief des OFC an Regionalliga-Südwest-Geschäftsführer Döther. In dem von Kickers-Präsident Joachim Wagner unterzeichneten Schreiben wird dieser aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die Spielklasse den Profi-Status erhält ("Alles andere wäre eine Bankrotterklärung"), und dies auch öffentlich kundzutun. Ferner heißt es: "Sie haben aktuell wie schon in der Vergangenheit einen ›fairen und solidarischen Umgang‹ eingefordert. Es ist jedoch so, dass ein einziger in Bayern beheimateter Verein weder Mehrheitsentscheidungen akzeptiert, noch sich solidarisch oder fair verhält. Wer das Fußballspielen in der Regionalliga nur als sein privates Hobby betrachtet, sollte sich vom Spiel- betrieb abmelden."

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