Kein Maulkorb für die Profis

  • vonred Redaktion
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Auch bei den Fraport Skyliners Frankfurt gibt es in diesem Tagen kaum ein anderes Thema: Der gewaltsame Tod des US-Amerikaners George Floyd und mögliche Sanktionen für Spieler der Basketball-Bundesliga, die sich solidarisch mit den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt zeigen. Skyliners-Cheftrainer Sebastian Gleim macht in einer virtuellen Pressekonferenz klar: "Die Spieler dürfen sich äußern, dem steht nichts im Wege." Denn: "Bei uns herrscht Meinungsfreiheit."

Klare Haltung

Die Rassismus-Diskussion und die Statements von Sportlern hält Gleim für richtig. Weder gegen mündliche Statements noch gegen Gesten oder das symbolische Niederknien als Zeichen des stillen Protestes habe er etwas einzuwenden. Derzeit werde viel aufgearbeitet und es sei wichtig, dass sich Sportler auch künftig äußern dürften. Diese Meinungsfreiheit wollen die Skyliners auch mit Blick auf das eigene Jugendprogramm vorleben, "wo wir Kinder und Jugendliche zu mündigen Athleten ausbilden", sagte Gleim.

Damit zeigten die Skyliners eine klare Haltung - anders als die Basketball-Bundesliga (BBL). Deren Geschäftsführer Stefan Holz hatte am Mittwoch mit einem Interview für Wirbel gesorgt. Auf die Frage, ob Spieler mit Slogans auf Shirts oder Ausrüstungsgegenständen gegen Rassismus protestieren dürfen, wie dies zuletzt von Fußballprofis zu sehen war, hatte Holz gesagt: "Grundsätzlich ist es so, dass politische Äußerungen im Ligabetrieb verbal oder non-verbal nicht gestattet sind. Gleichwohl hätten wir Verständnis, wenn das Thema gerade die Spieler aus den USA beschäftigt."

Danach war das Internet in Aufruhr. Der Ulmer Per Günther kündigte auf Twitter Unterstützung für Spieler an, die sich im BBL-Finalturnier am Wochenende in München gegen Rassismus aussprechen wollten: "Die ersten 10 000 Euro an Strafen gehen an mich", schrieb Günther, was innerhalb kürzester Zeit hundertfach geteilt wurde - unter anderem vom Deutschen Basketball-Bund, der sich damit auch gegen die Liga stellte.

Auch andere Spieler und viele Klubs veröffentlichen Stellungnahmen: "Wir werden unseren Spieler nicht vorschreiben, was sie zu sagen und nicht zu sagen haben", sagte etwa Marko Pesic, Geschäftsführer von Bayern München. "Der Kampf gegen Rassismus ist die Pflicht eines jeden", stellte auch Stefan Niemeyer, Chef von Rasta Vechta, klar: Der Klub stehe hinter seinen Spielern, Trainern und Mitarbeitern, Strafen hätten sie von dem Verein nicht zu befürchten. Ex-Nationalspieler Jan Jagla wollte sich nicht den Mund verbieten lassen: "Wenn der Basketball nicht für Offenheit, Respekt und Toleranz steht, wer oder was dann?"

Für die BBL kam die Unruhe zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt - nämlich kurz vor Start des Finalturniers in München. Am dem heutigen Samstag sollen zehn Teams in einem speziell an die Corona-Krise angepassten Turniermodus über drei Wochen die Meisterschaft ausspielen. Die Mannschaften und Schiedsrichter begeben sich dafür in eine komplette Quarantäne, pendeln nur zwischen der Halle und dem Hotel.

Rückzieher von Holz

Aufgeschreckt durch das Echo stellte Ligachef Holz dann klar: "Es wird keine Sanktionen geben." In einer persönlichen Mitteilung schob er nach, er bedauere die Aussagen im Interview. Er habe ihre Wirkung nicht vollständig bedacht und würde sie so nicht mehr treffen. "Selbstverständlich akzeptiert und re-spektiert die BBL, wenn der persönlichen Betroffenheit zu den unsäglichen Vorgängen in den USA auch verbal oder non-verbal Ausdruck verliehen wird." Es habe nie zur Debatte gestanden, "dass derartiges Engagement in Form eines Statements gegen Rassismus sanktioniert wird".

Ungeachtet dessen geht es für die Frankfurt Skyliners am Sonntag gegen Alba Berlin - ohne Center Leon Kratzer (Muskelverletzung) und Forward Shaquille Hines (angeschlagen). Schon am Donnerstag hatte sich das Team auf den Weg ins Quarantäne-Hotel gemacht. Trotz der erschwerten Bedingungen der letzten Wochen mit großer Freude im Gepäck, wie Trainer Gleim sagte: "Endlich wird wieder Basketball gespielt." STEFFEN HERRMANN

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