Kehrtwende am Bieberer Berg

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(cd). Um die Torhüterposition müssen sich die Offenbacher Kickers keine Sorgen machen. Dominik Draband zählte in der Fußball-Regionalliga Südwest vergangene Spielzeit zu den Stärksten seiner Zunft. Und nun hat der OFC laut Geschäftsführer Thomas Sobotzik in Stephan Flauder auch noch den "aktuell besten Torwart der Regionalliga Nordost" verpflichtet. Der Schlussmann, der mit 1,97 Metern Gardemaß hat, kommt vom FC Viktoria Berlin, für den er in der vergangenen Runde 22 von 23 Spielen bestritt, dabei nur 16 Gegentreffer kassierte und zwölf Mal zu null spielte.

"Mit Stephan ist in unserem Torwartteam nun auch die wichtige Komponente Erfahrung vertreten", sagt Sobotzik. Er ist sich sicher, dass das gesamte Team von dem Torwart-Routinier profitieren wird: "Er ist nicht nur sportlich erfolgreich, sondern immer eine Führungspersönlichkeit bei seinen Stationen gewesen, die für die Mannschaftshygiene gesorgt hat."

Flauder ist der fünfte externe Zugang, den die Kickers bisher offiziell präsentiert haben. Bei der Kaderplanung lässt sich bereits ein System erkennen. Und das unterscheidet sich gewaltig von dem, auf das man vor der vergangenen Spielzeit gesetzt hatte. Es ist vielmehr eine Kehrtwende.

Unter dem Druck, eine Spitzenposition liefern zu müssen, hatten der damalige Sportdirektor Sead Mehic sowie Trainer Daniel Steuernagel vor der Saison 2019/20 vor allem auf ältere, erfahrene Spieler gesetzt, die größtenteil bereits in Profi-Ligen zum Einsatz gekommen waren. Auf Spieler wie Nejmeddin Daghfous (32 Jahre/Bundesliga, 2. Liga), Kevin Pezzoni (30/Bundesliga, 2. Liga), Moritz Hartmann (33/Bundesliga, 2. Liga), Richard Weil (31/2. Liga) oder Andis Shala (30/3.Liga, 1. schottische Liga). Von allen Routiniers hat man sich inzwischen wieder getrennt.

Dafür wurden mit Ausnahme von Flauder in Malte Karbstein (22, Werder Bremen II), Marcell Sobotta (23, SF Lotte), Marco Fritscher (25, 1.FC Schweinfurt) und Francesco Calabrese (23, Bayern Alzenau) Akteure geholt, die ihre vermeintlich besten Jahre noch vor sich haben und für die der Drittliga-Aufstieg der Höhepunkt der bisherigen Karriere wäre. Karbstein hat das zwar mit Energie Cottbus 2018 schon mal erlebt, saß in den Entscheidungsspielen gegen den SC Weiche Flensburg aber nur auf der Bank.

"Wir wollen Jungs, die im besten Fall mit uns und im schlechtesten Fall über uns nach oben kommen", erklärt Thomas Sobotzik, Geschäftsführer der Kickers, die Auswahlkriterien.

Dass die bisherigen Zugänge im Schnitt erst 25 Jahre alt sind, sei jedoch eher Zufall. "Da lässt sich vielleicht ein Muster erkennen, hungrig heißt aber nicht automatisch jung. Es gibt auch Fälle, in denen ein 30-Jähriger glaubhaft vermitteln kann, dass er hungrig ist", betont Sobotzik. So wie Flauder. "Trotz seines Alters ist er nach wie vor heiß wie Frittenfett", stellt der OFC-Geschäftsführer klar. Beendet ist die Kaderplanung noch lange nicht. Einige Verstärkungen fürs Mittelfeld und den Angriff sollen noch kommen. Der einstige OFC-Jugendspieler Alieu Swaneh (Innenverteidigung/Bayern Alzenau) wird weiterhin gehandelt.

Sobotzik will sich zu Namen nicht äußern. "Es ist einiges in Bewegung, aber ich bin sehr vorsichtig", sagt er und berichtet von einem Fall, in dem ein anderer Klub davon Wind bekommen hatte, dass ein Spieler beim OFC unterschreiben wollte, und daher sein Angebot noch einmal erhöht habe.

Auch bei den bisher vermeldeten Zugängen hatte der OFC namhafte Konkurrenz. Fritscher soll unter anderem von Drittligist SV Meppen umworben worden sein. Bei Sobotta setzten sich die Kickers angeblich gegen RW Essen und die SV Elversberg durch. Und ein noch unter die U23-Regel fallender Innenverteidiger mit starkem linkem Fuß wie Karbstein ist ebenfalls begehrt.

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