Michael Razen Trainer TG Friedberg
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Michael Razen Trainer TG Friedberg

Kaum Hoffnung auf Fortsetzung

  • vonPeter Hett
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(hep). Wie gehen Beteiligte mit der Corona-Problematik und der damit verbundenen Unsicherheit zur Fortsetzung des Spielbetriebs im heimischen Handball um? Wir haben zwei heimische Landesligatrainer dazu befragt: den Rechtenbacher Michael Razen, Trainer der TG Friedberg, und den Münzenberger Carsten Schäfer, Coach bei der HSG Hungen/Lich.

Der Spielbetrieb an der Basis ist stillgelegt. Wie ist die Stimmung bei Ihnen?

Razen: Physisch habe ich seit sieben Wochen keinen Kontakt mehr zur Mannschaft. Man telefoniert miteinander und schreibt über WhatsApp oder Mail. Die Spieler arbeiten individuell. Sicher macht der eine mehr, der andere weniger, aber alle haben Bock auf Handball, wissen aber, dass es derzeit halt nicht geht.

Schäfer: Auf den Handball bezogen auf dem Nullpunkt. Wir hatten nun schon drei Vorbereitungen - alle umsonst. Keiner glaubt mehr an eine Fortsetzung der aktuellen Saison. Wir hatten nun auch die ersten Quarantäne-Fälle. Da sieht man, was dies für einen Einfluss auf Arbeit, Familie und Seele hat. Keiner dieser Spieler wird sich bei einem frühen Start im neuen Jahr bei den aktuellen Zahlen in die Halle stellen.

Wie sind Ihre Einschätzungen/Hoffnungen für den Rest dieser Corona-Saison?

Razen: Ich befürchte, dass gar nicht mehr gespielt wird. Nach der jetzt langen Pause steht erst mal längeres Training an, auch um Verletzungsrisiken zu minimieren. Dann sollten wir frühestens im März wieder spielen können. Vielleicht sollten wir uns mit Freundschaftsspielen über Wasser halten, um dann die neue Spielzeit anzugehen.

Schäfer: Eine schnellstmögliche Information über die Absage der Saison muss erfolgen. Ansonsten im Februar ein Start der einfachen Runde. Dann stellt sich die Frage, ob Hallen zu Impfzwecken benötigt werden. Neue Denkansätze halte ich für sinnvoll, zum Beispiel im Bezirk Gießen einen klassenübergreifenden Pokalwettbewerb, beginnend mit Gruppenspielen bis hin zum "Final-Four". Das für den Notfall in eine Schublade und bei Bedarf rausholen. Für die Zuschauer könnte man die Auslosung im Live-Stream mit Interviews anbieten. Bei einem Abbruch der Runde haben wir ab April Zeit dafür.

Im Gegensatz zum Amateursport darf der Spielbetrieb in den Profiligen, wenn auch unter Ausschluss der Zuschauer, fortgesetzt werden. Wie stehen Sie zu dieser Regel?

Razen: Dort hat es eine andere Dimension, bei uns ist es Hobby, und dort ist es deren Beruf. Es geht irgendwie auch darum, die Wirtschaftskraft der Vereine zu erhalten, daher habe ich Verständnis dafür, dass sie spielen. Als Handballer, der derzeit praktisch ohne seinen Sport auskommen muss, ist es schön, dann auch Handball wenigstens im Fernsehen erleben zu dürfen.

Schäfer: Geld setzt sich über alles hinweg. Anderswo werden Tests vielleicht gebraucht oder wären häufiger sinnvoll. Die Vereine haben natürlich auch finanzielle Mittel, um vieles umzusetzen, um Risiken zu minimieren. Internationale Spiele allerdings sind absolut unverständlich, besonders Freundschaftsspiele.

Wären für Sie Spiele ohne Zuschauer auch eine Option?

Razen: Nein, das geht nicht. Für die Vereine an der Basis ist es nicht tragbar. Diese Vereine haben Kosten, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, bei jedem Spiel entstehen mindestens schon einmal Schiedsrichterkosten. Dazu kommt Meldegeld. Die Einnahmen aus Eintritt, Essen und Trinken werden gebraucht. Jedes Heimspiel wäre ein Zuschussgeschäft. Für einen kurzen Zeitraum mag es gehen, aber durchgängig sicher nicht.

Schäfer: Ich gehe davon aus, dass meine Spieler nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen, bei hohen Infektionszahlen gar nicht erst spielen würden. Das würde erst bei Fallzahlen passieren, die dauerhaft im "grünen Bereich" sind. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass dies bis Ostern passiert. FOTOS: RAS

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