Tischtennis-DM

Karbener Werner Reifschneider erlebt die Tischtennis-Stars der Welt hautnah

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Der Karbener Werner Reifschneider ist internationaler Schiedsricher im Tischtennis. Das bedeutet viele interessante Einsätze mit den Stars der Szene - wie bei der DM in Wetzlar.

Und plötzlich war der Spot nur auf die beiden Schiedsrichter gerichtet, 3300 Zuschauer in der Wetzlarer Rittal-Arena sahen Werner Reifschneider. Der gebürtige Altenstädter, den es längst nach Karben verschlagen hat, war der Hauptschiedsrichter beim Finale um die deutsche Tischtennismeisterschaft im Herren-Doppel. Er war der Herr der Platte, an der Benedikt Duda und Dang Quio am Sonntagnachmittag ihren Titel gegen den Mixed-Siegen und Einzel-Finalisten Patrick Franziska und seinen Partner Ricardo Walther verteidigten.

Tischtennis-DM in Wetzlar: Werner Reifschneider genießt "ganz tolle Turniere"

Für Reifschneider letztlich Alltag, denn er ist seit Jahren als internationaler Schiedsrichter im Tischtennissport unterwegs – rein ehrenamtlich versteht sich. Früher eigentlich nur Spieler – auch heute ist er noch beim Karbener Sportverein in der dritten oder vierten Mannschaft unterwegs – kam er während seiner Zeit beim TTC Altenstadt zufällig zum Schiedsrichterwesen. Vom Kreis- wurde er zum Bezirks- und schließlich zum Verbandsschiedsrichter, ehe ihn ein Freund mit auf den Lehrgang zum Bundesschiedsrichter nahm, wonach er schließlich auch noch den letzten Schritt machte und seitdem auch auf der internationalen Bühne Spiele leiten darf. "Das ist sehr interessant. Auch wenn man selbst nicht so gut spielt, ist es toll, wenn man dann mit Stars wie Timo Boll an einem Tisch ist und alles aus nächster Nähe sehen kann", sagt Reifschneider.

Es ist toll, wenn man dann mit Stars wie Timo Boll an einem Tisch ist und alles aus nächster Nähe sehen kann

Werner Reifschneider

Als Schiedsrichter hat er schon einiges erlebt, egal, ob Weltmeisterschaften in Dortmund, Europameisterschaften in Stuttgart oder auch die German Open als hochklassig besetztes internationales Turnier: In seiner Laufbahn war alles dabei – inklusive Auslandseinsätzen, etwa in Tschechien bei einer EM. "Das sind ganz tolle Turniere. Da macht es auch als Schiedsrichter richtig Spaß. Wenn es knappe Spiele sind und das Publikum richtig mitmacht, dann bekomme ich auch schon mal eine Gänsehaut." Bei aller Begeisterung müsse man allerdings jederzeit neutral und unparteiisch bleiben, auch wenn man den einige Spieler aufgrund ihres sportlich fairen Verhaltens vielleicht sympathischer finde als andere.

Tischtennis-DM in Wetzlar: Smalltalk mit den Stars ist die Ausnahme

Denn die Spieler seien in ihrem Verhalten gegenüber den Unparteiischen von Grund auf unterschiedlich. "Es gibt Spieler, die wollen mit einem als Schiedsrichter nichts tun haben und zählen ihre Punkte auch selbst mit, aber es gibt auch welche, wie etwa auch Timo Boll, der immer freundlich und sportlich jederzeit fair ist", erzählt Reifschneider. Absolute Ausnahme sei der dreimalige Europameister Vladimir Samsonov aus Weißrussland, der nicht nur stets freundlich sei, sondern immer auch Zeit für ein paar Worte Smalltalk habe. "Das ist aber wirklich die Ausnahme, denn die meisten Spieler sind eher kühl und distanziert", erzählt Reifschneider.

Obwohl Schiedsrichter in anderen Sportarten mehr im Fokus stehen, anstrengend ist es auch im Tischtennis. So absolvierte Reifschneider bei der DM am Samstag insgesamt acht Spiele – ein Marathonprogramm, auch wenn sich das zweiköpfige Gespann als Haupt- und Assistenzschiedsrichter abwechsele. "Es ist eine Konzentrationsaufgabe, da sollte man schon immer fit sein." Zumal der Job auch auf dieser Ebene immer noch ehrenamtlich ist. Außer einer kleinen Aufwandsentschädigung im zweistelligen Euro-Bereiche pro Einsatztag würden lediglich Kost und Logis gestellt. "Als Schiedsrichter muss man schon etwas verrückt sein, denn man fährt ein ganzes Wochenende oder noch länger irgendwohin, teilt das Zimmer mit einem anderen Schiedsrichter, der vielleicht noch schnarcht, während man auch zu Hause bei seiner Familie sein könnte. Da muss man schon Spaß dran haben. Sonst würde ich es auch nicht machen", sagt Reifschneider.

Tischtennis-DM in Wetzlar: Reifschneider ist auch als Kreisschiedsrichterwart im Einsatz

Neben hochklassigem Sport aus der ersten Reihe gibt es immerhin als Bonus auch eine eingeschworene Gemeinschaft von Schiedsrichtern – in Deutschland und darüber hinaus. "Man hat schon sehr viele Bekanntschaften, sodass beim ersten Treffen der Schiedsrichter bei einem Turnier meist ein großes Hallo ist", sagt Reifschneider.

Es freut mich, wenn ich Schiedsrichter sehe, die auch in jungen Jahren schon auf hohen Ebenen unterwegs sind

Werner Reifschneider

Als Kreisschiedsrichter des Tischtenniskreises Wetterau kümmert er sich auch um die Referees in heimischen Gefilden. Hier sieht er ein Problem, das alle Vereine haben: Es fehlt am Nachwuchs, auch wenn es derzeit noch ausreiche. "Trotzdem freut es mich natürlich, wenn ich Schiedsrichter sehe, die auch in jungen Jahren schon auf hohen Ebenen unterwegs sind." So wie er selbst.

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