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Jung und Apel wollen Hawaii-Quali

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Henrik Apel
Henrik Apel © Tanja Weber

(web) Jörg Jung, Triathlon Wetterau, Henrik Apel, TV Braunfels, Marco Dohle vom RVW Gambach und Thomas Noske, LSC Bad Nauheim, treten am Sonntag bei der Ironman European Championship in Frankfurt gemeinsam mit rund 65 Profi-Athleten und knapp 2600 Agegroupern aus 55 Nationen zum »Längsten Tag des Jahres« an.

In diesem Jahr steht bei den Profis der Olympiasieger von Peking, Jan Frodeno, der 2008 die Goldmedaille über die Olympische Distanz errungen hat, im Mittelpunkt. Nun traut sich der 32-Jährige aus Saarbrücken genau wie Marco Dohle und Thomas Noske erstmals auf die Ironman-Distanz über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen, was bis auf das Schwimmen das Vierfache des Kurzstrecken-Triathlons bedeutet.

Auch die Weltmeister Sebastian Kienle (Mühlacker), der kürzlich im Kraichgau Deutscher Meister auf der Mitteldistanz wurde, und Frederik van Lierde (Belgien) werden sich um 6.45 Uhr am Sonntagmorgen genau 15 Minuten vor den beiden Wetterauer Rookies in die Fluten des Langener Waldsees stürzen. Die Hawaii-WM-Teilnehmer Jörg Jung und Henrik Apel dürfen bereits um 6.45 Uhr mit den Profis ins Wasser gehen.

Bei den Frauen will Camilla Pedersen ihren Europameistertitel verteidigen. Dabei hatte die Dänin noch im vergangenen September nach einem Trainingsunfall für 19 Tage im Koma gelegen. Zu ihren stärksten Konkurrentinnen zählen die Vorjahreszweite Jodie Swallow (Großbritannien), die Österreicherin Eva Wutti und Gina Crawford aus Neuseeland. Aus Deutschland werden Sonja Tajsich, Kristin Möller sowie der Frankfurterin Natascha Schmitt und Jenny Schulz (Friedrichsdorf) die besten Chancen eingeräumt.

Krankenpfleger Marco Dohle und Vermögensberater Thomas Noske stellen sich mit ganz unterschiedlichem Background und Zielsetzungen das erste Mal der Herausforderung Ironman. Dohle ist wettkampferfahren und betreibt bereits im fünften Jahr Triathlon, startet für die zweite Hessenliga-Mannschaft des RVW Gambach und läuft für den ASC Marathon Friedberg. In diesem Jahr holte er am 1. Mai bei den Hessischen Duathlonmeisterschaften in Oberursel den Vizetitel in der AK 25. Bei den Deutschen Altersklassenmeisterschaften im Sprinttriathlon in Darmstadt erreichte er mit 1:05:46 Stunden den 16. Platz in der stark besetzten AK 25 und mit seiner Mannschaft aus Gambach den siebten Platz in der zweithöchsten hessischen Triathlonliga.

Bei den Deutschen Meisterschaften über die Mitteldistanz im Kraichgau platzierte sich Dohle im Juni auf Platz 19.

Vorbereitet hat sich der 28-jährige Athlet in der Wetterau mit durchschnittlich zwölf Stunden Training pro Woche, in freien Wochen brachte er es aber auch auf stolze 25 Trainingswochenstunden.

Dohle, der nebenbei noch seinem Hobby als Spinningtrainer frönt, hat 20 Jahre Fußball gespielt und entschied sich nach zwei Kreuzbandrissen für die Ausdauersportart Triathlon. Der Friedberger hat am Sonntag die Startnummer 991 und möchte unter 10:30 Stunden finishen. Dohle geht am Sonntag positiv gestimmt an den Start: »Ich freue mich auf meinen ersten Ironman, auch wenn es eine ganz schöne Quälerei wird.«

Ein sogenannter Triathlon-Rookie ist Thomas Noske, der am Sonntag mit der Startnummer 2483 im schwarz-weißen Zweiteiler antreten wird. Auch wenn der 1. Vorsitzende des LSC Bad Nauheim einen leistungssportlichen Background hat, bestreitet er in Frankfurt seinen ersten Triathlon überhaupt.

In der Jugend wurde er in der Leichtathletik fünf Mal Hessischer Meister im Mehrkampf und lief in den vergangenen fünf Jahren zwölf Marathons. Im Triathlontraining ist der Bad Nauheimer erst seit dem 26. November 2013: »Ankommen an der Finishline am Römer ist für mich das Ziel, und das hoffentlich in 12:30 Stunden«, gibt er sich realistisch. Dabei hat er sich von der Profitrainerin und mehrmaligen Ironman-Hawaii-Finisherin Ute Mückel über 37 Wochen coachen lassen, zwei Trainingslager in Lanzarote bestritten und tägliche Trainingskontrollen per Mail und Telefon mit Mückel geführt.

In Las Vegas auf Rang 14

Sein wöchentliches Trainingspensum betrug im Schnitt zwischen elf und 17,5 Stunden. Ohne die Unterstützung seines familiären Umfeldes – Noske lebt in einer Patchwork-Familie mit fünf erwachsenen Kindern und einem Hund – und das Coaching von Ute Mückel hätte er das Training nicht durchziehen können: »Am Anfang konnte ich nur 18 Meter am Stück kraulen«, gesteht der ehemalige Fußballer des FSV Dorheim, der fleißig im heimischen Usa-Wellenbad sowie im Langener Waldsee im Freiwasser an seiner schwächsten Disziplin feilt.

Jörg Jung und Henrik Apel sind im Langstreckenbereich bisher sehr erfolgreich gewesen. Die Erfolgsliste des 44-jährigen Jung kann sich sehen lassen: zwei Mal qualifizierte sich der Butzbacher bereits für die Weltmeisterschaften auf Hawaii, wo er im vergangenen Oktober in sensationellen 9:37 Stunden als Daylight-Finisher über die Ziellinie in Kailua-Kona auf Big Island lief.

Für die WM in Las Vegas qualifizierte er sich ebenfalls im Vorjahr und landete dort auf Platz 14 der AK 40. In diesem Jahr hat er sich im Mai in St. Pölten mit einem starken dritten Platz der AK 45 für die WM in Mont Tremblant in Kanada empfohlen. Er kommt mit harten klimatischen Bedingungen wie Hitze und Schwüle bestens zurecht, hofft auch am Sonntag auf hochsommerliche Temperaturen und weist eine Ironman-Bestzeit von 9:22 Stunden auf. »Da ich mein Training auf die Halb-Ironman-Distanz umgestellt habe, hoffe ich auf neue Trainingsimpulse besonders für die Langdistanz«, sagt Jung. »Mein Ziel, unter meine Frankfurt-Bestzeit von 9:36 Stunden aus dem Vorjahr zu kommen, will ich unbedingt erreichen.«

Die Trainingsergebnisse über die 3,8 Kilometer Freiwasserschwimmen bei den Sailfish-Nights in Langen lassen darauf hoffen, war er hier doch jedes Mal einige Minuten schneller als im Vorjahr auf der Strecke unterwegs. Der erfolgreiche Langstreckler startet am Sonntag im schwarzen Triathlontop und einer schwarz-grauen kurzen Radhose.

Der Bad Nauheimer Henrik Apel startet für den TV Braunfels in der Regionalliga und tritt damit im Triathlon über alle Streckenlängen, vom Sprint bis zur Langdistanz, an. So holte er sich in Mussbach Anfang Juni über die Olympische Distanz in der stark besetzten Regionalliga-Gesamtplatz vier. Bei den Hessischen Meisterschaften über die Mitteldistanz im südhessischen Münster erreichte er sogar mit Gesamtrang drei einen Treppchenplatz. Für die Wettkampf-Spritzigkeit startete er am Sonntag beim Nibelungen-Triathlon in Worms in der Regionalliga über die Sprintdistanz und erreichte Platz sieben der stark besetzten Liga.

Über die Langdistanz qualifizierte er sich 2010 in Regensburg mit schnellen 9:22 Stunden für die Weltmeisterschaften auf Hawaii, an denen er ebenfalls 2010 teilnahm. Apel wechselte 2005 zum Triathlon, weil ihm »einfach nur joggen« zu langweilig war.

Der 34-jährige IT-Consultant trainiert im Schnitt 13,5 Stunden wöchentlich, damit auch noch Zeit für das fast 3-jährige Töchterchen Luna bleibt. Henrik Apel hat die Startnummer 176, hofft auf ausgewogene drei Disziplinen und darauf, beim Laufen nicht einzubrechen. »Sollte es in Frankfurt am Sonntag nicht gut laufen, werde ich im Herbst eventuell eine weitere Langdistanz bestreiten«, sagt der zielstrebige Dreikämpfer im Vorfeld. Nun darf man gespannt sein, ob Jung oder Apel zuerst über den blauen Teppich am Römer laufen, da mit ihnen zwei starke Langstreckler am Start sind.

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