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Jugendfußball: Die Diskussion um Kickers Horlofftal geht weiter

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Der Jugendfußball im Kreis Friedberg kommt nicht zur Ruhe. Nach dem WZ-Bericht zur Neugründung des Vereins Kickers Horlofftal meldet sich nun der Kreisjugendausschuss zu Wort.

"Stellungnahme zum Bericht der Wetterauer Zeitung vom 20. April 2019" – So ist ein zweiseitiges Dokument überschrieben, dass die stellvertretende Kreisjugendwartin Dörthe Wacker im Namen des Kreisjugendausschusses an die Sportredaktion dieser Zeitung geschickt hat. Die Chefs der Nachwuchskicker im Fußballkreis nehmen Stellung zur Neugründung des Vereins Kickers Horlofftal, nachdem sie beim ersten WZ-Bericht noch auf ein Statement verzichtet hatten. Der Grund für den Gang an die Öffentlichkeit: Sie wollen Dinge richtig stellen, den Sachverhalt ins richtige Licht rücken – und einen klaren Wasserstand zum Jugendfußball im Kreis Friedberg abgeben.

Kickers Horlofftal: Gleich drei Teams der JSG Horlofftal mussten zurückgezogen werden

"Die ganze Sache muss jetzt ein Ende haben, aber das geht erst, wenn alle Seiten Verständnis füreinander haben", sagt Wacker. Sie ist nach eigener Aussage enttäuscht über die Selbstdarstellung des Vorstands von Kickers Horlofftal, wirft den Verantwortlichen fehlende Reflexion und Objektivität vor. "Das, was sie bewirken wollen, ist im Grunde nicht falsch, wobei der Weg so sicher nicht funktionieren konnte. Dann zu entscheiden, einen Verein zu gründen, war mutig, aber der Zeitpunkt war der total falsche." Sie verweist auf die Tatsache, dass gleich drei Jugendmannschaften der JSG Horlofftal aus dem laufenden Spielbetrieb zurückgezogen werden mussten, da die Kinder nach der Gründung des Vereins mit der falschen Versprechung, Freundschaftspiele absolvieren zu können, von ihren Eltern bei den Stammvereinen der JSG, SV Reichelsheims, SV Echzell und KSV Bingenheim abgemeldet worden seien. Dabei konnten erst mit Aufnahme in den Hessischen Fußballverband am 9. März Spielberechtigungen beantragt werden. Aus diesem Grund habe es Lücken in den Spielplänen für die Runde und die Hallenrunde gegeben – und vielen Kinder sei eine Spielmöglichkeit genommen worden.

Für einige Vereine ist es eine Notwendigkeit, einen Kinder- und Jugendspielbetrieb aufrecht zu erhalten

Dörthe Wacker

Nichtsdestotrotz habe Wacker außerdem diverse Verstöße gegen das Spielverbot gemeldet bekommen, die sie teilweise auch mit Fotos und Zeugenaussagen belegen könne. Die Verantwortlichen von Kickers Horlofttal hatten im WZ-Gespräch beteuert: "Wir haben kein Spiel gemacht, als wir es noch nicht durften, obwohl das oft behauptet wurde." Wackers Sorge galt dabei vor allem dem fehlenden Versicherungsschutz. "Selbst wenn die Eltern das auf ihre eigene Kappe nehmen, ist der Gegner noch nicht geschützt. Für den Spielbetrieb gilt die Sportversicherung nun einmal erst, wenn der Verein Mitglied im Landessportbund und im Verband ist", sagt Wacker. "Darüber kann man nicht einfach hinwegsehen. Deshalb ist es jetzt auch besser, dass der Verein aufgenommen ist, weil sich so keiner mehr Gedanken machen muss." Das Problem: Aufgrund der fehlenden Verbandszugehörigkeit sei das Fehlverhalten auch nicht zu sanktionieren gewesen. Es habe zudem sicher dazu geführt, dass nicht alle Mitglieder des Kreisjugendausschusses für eine Aufnahme von Kickers Horlofftal gestimmt hätten, als es so weit war. Dies sei jedoch keine Stimmungsmache gegen den neuen Verein gewesen, wie dies vermutet worden war.

Kickers Horlofftal: Abwerbegerüchte und die Notwendigkeit des Jugendfußballs

Auch die Thematik rund um mögliche Abwerbungen beschäftigt die Verantwortlichen weiterhin. "Letztlich muss das jeder mit seinem Gewissen ausmachen, ab wann man etwas als abwerben ansieht. Fest steht aber, für einige Vereine ist es eine Notwendigkeit, einen Kinder- und Jugendspielbetrieb aufrecht zu erhalten, um Punktabzüge [bei den Seniorenmannschaften, Anm. d. Red.] zu vermeiden", sagt Wacker. Daher könne sie durchaus den Unmut der Vereine der Region verstehen, wenn viele Kinder nun ihre Fußballschuhe für Kickers Horlofftal schnürten. Überhaupt lebe man im Kreis auch von der Vielfalt, vieler Vereine, die Jugendarbeit betreiben. Nur so könnte wohnortnah Fußball für alle geboten und damit Sportplätze erhalten bleiben. Das Argument des Kickers-Vorstands, die anderen Vereine könnten doch froh sein, weil sie die Arbeit der Ausbildung des Nachwuchses auf diese Weise einsparen würden, sei damit außerdem entkräftet.

DIe Verantwortlichen von Kickers Horlofftal müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie sich in der Rolle des ›Opfers‹ gefallen

Dörthe Wacker

So bleibt abschließend ein kritisches Fazit des Kreisjugendausschusses: "Jede Medaille hat zwei Seiten. Daher müssen sich die Verantwortlichen von Kickers Horlofftal die Frage gefallen lassen, ob sie sich in der Rolle des ›Opfers‹ gefallen, die sie sich im Artikel zuschreiben oder ob sie objektiv betrachtet nicht auch zum Missverständnis mit beigetragen haben." Denn wie so oft scheint die Wahrheit in der Mitte zwischen den unterschiedlichen Darstellungen aller Beteiligten zu liegen.

Info

Drei Fragen an Dörthe Wacker, stellvertretende Kreisjugendwartin

Frau Wacker, wie ist der Zustand des Jugendfußballs in der Wetterau? Dörthe Wacker: Die Mannschaftszahlen nehmen zwar stetig, zum Glück aber nur langsam ab. Irgendwann wird es aber einmal einen großen Knall geben. Ein neuer Verein löst das Problem auf jeden Fall nicht.

Was muss sich ändern, damit der Negativtrend umgekehrt wird? Wacker: Die Vereine müssen begreifen, dass Fußball bei den Jüngsten anfängt und sollten auch mal etwas anderes anbieten. Fußball muss Kinder und Eltern Spaß machen. Das gehört heute offenbar einfach dazu, damit die Spieler dem Sport treu bleiben. Aber es scheint so, als kämen die Vereine langsam an den Punkt, dass Seniorenfußball eben nicht alles ist. Es müssen sich alle bemühen – auch mit außergewöhnlichen Maßnahmen. Viele Vereine tun dies bereits.

Die neue Spielform Funino wäre solch eine Maßnahme. Wie stehen Sie dazu? Wacker: Wir könnten das prinzipiell spielen, aber bis jetzt habe ich noch keinen Spielnachmittag hinbekommen. Viele Trainer stehen der Sache allerdings kritisch gegenüber. Über kurz oder lang wird es so oder so zu einer Reduzierung der Spieler im Kinderfußball kommen. Das ist auch eine Chance für die kleinen Vereine. Auf jeden Fall darf man sich neuen Dingen nicht versperren.

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