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Fußball

Jugend forscht beim SV Gronau

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Der SV Gronau war für viele Beobachter der Fußball-Gruppenliga der erste Abstiegskandidat. Doch die junge Truppe von Trainer Florian Schwing hat bewiesen, dass sie nicht zu unterschätzen ist.

Mag sein, dass erst vier Siege, drei Unentschieden sowie neun Niederlagen aus 16 absolvierten Pflichtspielen nicht die Welt sind. Der Kampf um den Klassenerhalt wird die Gemüter aller Kaderspieler und Teamverantwortlichen des Fußball-Gruppenligisten SV Gronau bis auf Weiteres in Wallung halten. Doch der Tabellenzwölfte in der Gruppenliga Frankfurt-West begegnet dieser zweifellos kritischen Lage, die allerdings für sieben weitere Klubs ebenfalls Gültigkeit hat, durchaus entspannt.

Nimmt man’s ganz genau, hätten die Fußballer aus dem Bad Vilbeler Stadtteil am letzten Sonntag sogar ein Fass aufmachen können. Geht man nämlich von im schlimmsten Fall fünf Vereinen aus, die Ende Mai nächsten Jahres ihre Gruppenliga-Koffer packen müssen, rangiert die Mannschaft von SVG-Trainer Florian Schwing nach dem 2:2 im Keller-Knüller gegen den regionalen Rivalen FC Olympia Fauerbach erstmals in der laufenden Runde auf einem Nichtabstiegsplatz.

Respekt verschafft:"Von einer Drucksituation kann definitiv keine Rede sein", sagt Gronaus Trainer Florian Schwing im Brustton der Überzeugung. Der 35-jährige Übungsleiter, der nach vielen Jahren Jugendarbeit beim FSV Frankfurt und bei der SG Rosenhöhe seit der Saison 2017/18 in Gronau die sportliche Verantwortung trägt, weiß genau, wovon er spricht. Unter seiner Regie packte der Klub als letztjähriger Kreisoberliga-Vizemeister über die Aufstiegsrunde durch ein 0:0 bei der SG Ober-Erlenbach und einen 2:0-Sieg über die SG Westend Frankfurt den Sprung auf die überregionale Fußball-Bühne, wo er und seine größtenteils sehr jungen Spieler vorab als potenzieller Abstiegskandidat gehandelt wurden. "Jeder dachte, wenig Erfahrung sei ein Nachteil, aber wir haben das Gegenteil bewiesen", meint Schwing. Auch bei Niederlagen habe sich gezeigt, dass man jedem Gegner auf Augenhöhe begegnen könne: "Wir sind auf dem richtigen Weg, weil wir den Spielern Zeit lassen, sich weiterzuentwickeln, und es akzeptieren, wenn sie mal Fehler machen."

Welche Liga passt besser zum Verein?Der SV Gronau gehörte bis zum Sommer 2016 zum Gruppenliga-Inventar und benötigte nach den Positionen acht, neun und zwei lediglich drei Kreisoberliga-Jahre, um dorthin zurückzukehren. Die Vereinsstrukturen stimmen, die Rahmenbedingungen (Rasen- und Kunstrasenplatz) sind optimal. Zudem verfügt der Klub neben Coach Schwing und dem Spielausschussvorsitzenden Stephan Firla über weitere kompetente Leute, die sich auch im Förderverein engagieren. "Die Gruppenliga bietet attraktivere Gegner sowie talentierten Spielern, die Ehrgeiz haben, eine bessere Plattform, sich zu präsentieren", sagt der Gronauer Coach.

Ist die junge Truppe Fluch oder Segen?"Natürlich ein Segen, obwohl es für mich als Trainer eine sehr große Herausforderung und zuweilen auch eine Belastung ist", verrät Florian Schwing. Fakt sei, dass dieser Mannschaft die Zukunft gehöre, "wenn sie zusammenbleibt". Eine kühne These? Schon möglich, aber ein Blick auf den letzten Mannschaftsmeldebogen (Partie gegen den FCO Fauerbach) bot bezüglich des Durchschnittsalters imposante Fakten, von denen landauf, landab andere Vereine nur träumen können: Dort waren 13 Spieler im Alter zwischen 19 bis 22 Jahren aufgelistet, darunter Torwart Fabian Zscheich (19) das Angriffsduo mit Fabio Pinto da Silva (19) und Nico Gasch (19/je sechs Saisontore). Moritz Pierau (20), Michael Flachsel (20) und Jordy Zola (22) lösen zusammen mit Erhan Okuducu (27) vorwiegend Defensivaufgaben. In der Mittfeldachse kamen Michael Ochere (20) und Tiger Schäfer (22) sowie die eingewechselten Yannik Schildger (19) und Jan Trepohl (20) zum Einsatz - Schwing hätte aber auch Tom Hanf (19), Philip Skora (21) oder Maurice Gruchot (20), die Nummer zwei zwischen den Pfosten, bringen können. Routinierte Fußballer jenseits der 30? Absolute Mangelware, lediglich vertreten im offensiven Mittelfeld durch Elvir Pintol (fällt mit einem Faserriss bis zum Jahresende aus) und Advan Cakiqi auf der Sechserposition.

Ausblick:Stehen nach den Spielen gegen Niederrad (A), Fechenheim (H), Bad Nauheim (A) und Beienheim (H) bis zur Winterpause 20 Punkte oder mehr zu Buche, wäre das nach Schwings Ansicht die ideale Basis, um den Klassenerhalt zu realisieren: "Die Gruppenliga zu halten, ist für uns genauso wertvoll wie eine Meisterschaft." Personelle Ergänzungen hält der Gronauer Coach übrigens nicht für zwingend erforderlich. Das könne man intern mit Spielern wie Marco Greco, Moritz Dechant und Niclas Müller, die bislang aus unterschiedlichen Gründen nur selten zum Einsatz kamen, lösen. Steigen sie wieder ins Boot, wäre beim SV Gronau alles im Lot und darüber hinaus die vielversprechende Perspektive, über die mit Abstand jüngste aller Gruppenliga-Mannschaften zu verfügen, nicht gefährdet. (Foto: Chuc)

VonUwe Born

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