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Endlich wieder dribbeln, passen und schießen. Herbeigesehnt haben die jungen Kicker der JSG Florstadt das Wiedersehen auf dem Stadener Sportplatz.

Fußball

JSG Florstadt: Kinderherzen schlagen höher

  • Christoph Sommerfeld
    vonChristoph Sommerfeld
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Über vier Monate mussten die Kids ohne Training im Team auskommen. Seit ein paar Tagen dürfen Jugendliche unter 15 wieder in der Gruppe trainieren, mit Kontakt. Ein Besuch bei der JSG Florstadt.

An einem kalten Mittwochabend im März erwacht der Stadener Sportplatz plötzlich zum Leben. Ein Kind nach dem anderen trudelt auf dem Gelände am Rande der Ortschaft ein, wo Ralf Malek und seine Trainerkollegen schon auf ihre Schützlinge warten. Nichts besonderes eigentlich, wenn D-Jugend-Fußballer sich zu ihrer Einheit treffen. Doch es ist eine der ersten Übungsstunden nach dem Re-Start am 8. März…

Endlich dürfen sich junge Sportler unter 15 Jahren wieder nach Herzenslust auf dem Platz austoben, um Bälle kämpfen, Alleingänge wagen, aufs Tor schießen. Und das alles ohne Masken und Abstand, mit direktem Körperkontakt.

Klar, dass auch Tom, Oskar, Samuel und Samira völlig aus dem Häuschen sind und ihre neu gewonnene Freiheit nutzen wollen. »Ich habe mich einfach auf die Bewegung gefreut. Leider fehlt mir ein bisschen die Kondition«, verrät Oskar und rennt gleich wieder in seine Gruppe zurück. »Ich dribble sehr gerne. Das ist eine meiner Lieblingsübungen«, sagt Samuel. Samira ist das einzige Mädchen in der D-Jugend und sehr trainingsfleißig. Sie hat die Jungs - bis auf wenige Ausnahmen - lange nicht gesehen. »Nur zwei von meinen Mannschaftskameraden sehe ich auch in der Schule.« Der Nachwuchs erhält also nicht nur die Bewegung zurück, sondern auch einen Teil des sozialen Lebens.

Über vier Monate herrschte im Lockdown Sportverbot für Mannschaften bzw. Gruppen. Lediglich zu zweit oder innerhalb des eigenen Haushalts war auch Kindern der Fußball erlaubt. Das gilt noch immer für alle Personen ab 15 Jahren. Bei der JSG Florstadt, die mit den Stammvereinen aus Leidhecken, Staden, Nieder-Mockstadt, Stammheim und Nieder-Florstadt derzeit etwa 160 Kindern und Jugendlichen den organisierten Fußball ermöglicht, sind offiziell für die Saison 2020/21 neun Mannschaften gemeldet. Nur die A-Junioren, die B-Jugendlichen (mit Zweitspielrecht beim SV Assenheim aktiv) und die schon 15-jährigen C-Junioren-Kicker fallen unter die alten Einschränkungen. Der Rest hat mit dem Training begonnen.

»In der ersten Woche haben wir die Kinder nur spielen lassen. In Dreier-Teams, in Vierer-Teams, auf große und kleine Tore. Und obwohl es geregnet hat, waren die Jungs kaum vom Platz zu kriegen«, blickt Coach Ralf Malek zurück. Am Mittwoch standen auch verschiedene andere Spielformen auf dem Programm, teilweise auch ohne Tore. »In der individuellen Spielweise der Jugendlichen konnte ich kaum Veränderungen ausmachen. Allerdings war die Orientierung auf dem Feld eine andere. Alle sind in Richtung Ball gerannt, wie bei den F-Junioren«, erklärt Malek schmunzelnd.

Was eigentlich erlaubt ist und was nicht, ist für die Vereine gar nicht immer so leicht zu beantworten. Maßgebend sind die Corona-Verordnungen des Landes Hessen, die aber in den einzelnen Kreisen und Kommunen wieder spezifiziert oder umgedeutet werden. Zur Orientierung für die Klubs leisten die Verbände wie der DFB und der HFV Unterstützung und geben Empfehlungen zur Umsetzung. Wenngleich die Gruppengrößen für Kinder in Hessen offen sind, rät der HFV seinen Vereinen, die in Spielen übliche Gesamtzahl an Jugendlichen auf dem Feld nicht zu überschreiten.

Mit 17 Kindern blieb die JSG Florstadt damit am Mittwoch unter der HFV-Vorgabe (18). Das Interesse ist da. »Es gab keine Abmeldungen für die D-Jugend«, sagt Malek. »Bei zwei Jungs steht der Fußball aber schon auf der Kippe. Die wissen noch nicht, ob sie weitermachen wollen. Zwei weitere bleiben zu Hause, weil die Eltern das derzeit wegen Corona so möchten.«

So gar keine Option ist das Daheimbleiben für Tom. Der hat sich »riesig gefreut«, seine Freunde endlich wieder sehen zu können. »Leider haben mir die Füße ein bisschen wehgetan, weil ich so lange nicht gespielt habe. Trotzdem klappt mein Dribbling schon ganz gut«, ist sich der Zwölfjährige sicher.

Während sich an Toms Füßen einfach nur das fehlende Training der letzten Monate bemerkbar machte, hatten einige seiner Teamkollegen mit Materialproblemen zu kämpfen. »Ein paar Kinder haben gemerkt, dass die Schuhe oder die Torwarthandschuhe nicht mehr passen. Wir haben dann zusammen mit den Eltern kurzfristig Ersatz organisiert«, berichtet Malek. Was gar nicht so einfach ist, wenn die Geschäfte geschlossen sind.

Auch wenn die Inzidenz steigt und am Montag der nächste Corona-Gipfel der Regierung ansteht, jetzt genießen die JSG-Jungs - und natürlich Samira - erstmal den Moment. Heute ist wieder Training in Staden geplant.

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