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Ironman: Jung fliegt nach Las Vegas und Hawaii

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(web/mw) Sommerliches Wetter mit Temperaturen von 28 Grad sorgte im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen es meist regnete, beim Ironman Germany in Frankfurt für nahezu perfekte Bedingungen für Athleten und Zuschauer. Die WZ hat die Erfahrungsberichte einiger Wetterauer zusammengetragen.

Auf dem Rad erschwerte leichter Nordwind auf der windanfälligen Strecke durch die Wetterau die Hinfahrt zum nördlichsten Wendepunkt nach Friedberg, gen Frankfurt wurden die »Eisenmänner« am Ortsausgang Friedberg Richtung Ober-Wöllstadt dagegen fast den Berg hochgedrückt. Jörg Jung hat dabei ein seltenes Kunststück geschafft und ist gleich für zwei Weltmeisterschaften qualifiziert, und Roland Wagner finishte bereits seinen dritten Ironman in diesem Jahr.

Jörg Jung: Hawaii-Quali erreicht

Jörg Jung, der sich bereits im Vorjahr in Regensburg für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifiziert hatte und dort im Oktober teilnahm, nahm im Herbst nach siebenwöchiger Trainingspause die Vorbereitung auf – allerdings mit Schwerpunkt für die Qualifikation für die 70.3 Weltmeisterschaft in Las Vegas, der WM über die halbe Ironman-Distanz. Dies bedeutete, durch gezieltes Training Ausdauer gegen Schnelligkeit einzutauschen. Ende Mai beim Ironman 70.3 in St. Pölten ging die Rechnung für ihn auf. Das Schwimmen fiel aufgrund der kalten Wasser- und Lufttemperaturen aus. Mit 2:35 Stunden für die 90 Kilometer Rad und 1:19 Stunden für den Halbmarathon stellte Jung Bestzeiten auf und qualifizierte ich für die 70.

3 WM in Las Vegas am 8. September. Da er für Frankfurt schon gemeldet war, entschloss er sich, dennoch zu starten, auch wenn er glaubte, dass das Training aufgrund der doppelten Streckenlängen nicht so ganz hierfür stimme.

Nach persönlicher Schwimmbestzeit von 1:02:58 Stunden lief der Butzbacher in die riesige Wechselzone am Langener Waldsee und musste seinen Wechselbeutel suchen. Da er mit den Profis um 6.45 Uhr gestartet war, fuhr er die erste Radrunde alleine und musste sich nicht mit der Problematik der unerlaubten großen Radgruppen belasten. In Frankfurt-Fechenheim erwischte Jung ein Raddefekt bei Kilometer 105: Die Kette war zwischen Tretlager und Kettenblatt verklemmt, nach fünfminütiger Wettkampfunterbrechung gelang es ihm mithilfe eines Hobbyradlers, den Defekt zu beheben und weiterzufahren. Nach 5:12:58 Stunden wechselte der ehemalige Marathonläufer des TSV Friedberg-Fauerbach auf die Laufstrecke. Hier lief es bis Kilometer 23 gut, dann waren die Beine schwer und quälen war angesagt. »Allein der Gedanke zu finishen, trieb mich vorwärts. Trotz rapide zunehmender Müdigkeit und Hitze ging es mir bei Kilometer 28 plötzlich wieder besser«, kommentiert Jung hinterher.

Er konnte immer mehr Athleten mit vier bunten Bändchen, die sich also ebenso auf der letzten Laufrunde befanden, hinter sich lassen; die Hoffnung auf die Hawaii-Qualifikation beflügelte ihn regelrecht. Die letzten zwei Kilometer hetzte Jörg Jung sein Hawaii-Zimmerkollege Wolfgang (Weltmeister 2012 in der AK50) im langgezogenen Endspurt am Mainufer entlang rauf zum Römer. Völlig erschöpft finishte Jung nach 9:36:34 Stunden auf Platz 19 der M40 und einer Marathonzeit von 3:14:45 Stunden und wurde erstmal ins Sani-Zelt gebracht. Nun hieß es am Montag bei der Slotvergabe im Zelt an der Weseler Werft zu warten, da nur 18 Startplätze für Hawaii in der M40 zur Verfügung standen. Glücklich ergatterte der zielstrebige Athlet den ersten Nachrückerplatz und freut sich auf seinen Start in Kona im Oktober.

Roland Wagner: Nummer drei in 2013

Roland Wagner, der erst vor zwei Wochen den Ironman Nizza finishte, benötigte in Frankfurt 14:07:22 Stunden und wurde 223. der M50. Er benötigte fürs Schwimmen 1:26:56 Stunden, auf dem Rad 6:04:31 Stunden und 6:19:34 Stunden für den Marathon.

Doreen Herrmann: Freudentränen

Die Lehramtsstudentin Doreen Herrmann von Triathlon Wetterau, die im Juni ihr erstes Staatsexamen in Biologie und Sport abgelegt hat, nahm zum ersten Mal über die Langdistanz teil. Ihr Ziel war einfach nur ankommen, vorgenommen hatte sie sich das Minimalziel von 14:29 Stunden. Nach dem Schwimmen lief die ehemalige Kickboxerin mit den rosa Kompressionsstrümpfen nach 1:12:59 Stunden in die Wechselzone am Langener Waldsee. Auf dem Rad lief es für Herrmann, die als längste Ausfahrt im Training 120 Kilometer gefahren war und aus studienbedingten Gründen kein Trainingslager im Vorfeld machen konnte, wider Erwarten relativ gut. In Friedberg kamen ihr auf dem Rad Freudentränen hoch, als sie ihre Freunde und Verwandten erblickte. Nach 6:56:43 Stunden wechselte sie in Frankfurt auf die Laufstrecke am Main. Hier machten sich die warmen Temperaturen und die vorherigen Strapazen bemerkbar: Die Athletin konnte nichts mehr essen, keine Gels mehr zu sich nehmen und schleppte sich mit 5:25:13 Stunden über die Laufstrecke. Erschöpft, aber glücklich lief Herrmann nach 13:43:45 Stunden als 16. der W25 über die Ziellinie am Römerberg.

Rene Gruner: Premierenfinisher

Der Wölfersheimer Rene Gruner nahm erstmals bei einem Ironman teil und erfüllte sich damit einen Traum. Zwar hatte er wenig Zeit für das Training, diese nutzte er aber effektiv. Morgens vor der Arbeit trainierte der 37-Jährige im Schwimmbad, mittags gab es eine Laufeinheit am Main in Frankfurt, und abends oder am Wochenende spulte Gruner die nötigen Kilometer auf dem Rad ab. Der frühere Handball-Torwart wollte unter zwölf Stunden ins Ziel kommen – und dies schaffte er auch. Starke 1:02:21 Stunden im Langener Waldsee folgten 5:50:11 Stunden auf dem Rad, ehe beim Marathon – teilweise an der Seite von Tagesschau-Sprecher Thorsten Schröder – die Kräfte rapide nachließen und er 4:50:11 Stunden für den Marathon benötigte. Seine Endzeit betrug mit den Wechselzeiten 11:50:27 Stunden. »Schwimmen und Radfahren liefen optimal. Beim Laufen musste ich dem Sommerwetter Tribut zollen«, bilanzierte er überglücklich.

Andreas Klause: Spaß haben und genießen

Erst im Januar, also relativ spät, hatte sich Andreas Klause zu einer Teilnahme in Frankfurt entschlossen und einen der letzten Startplätze ergattert. Es sollte das achte Mal werden, das der Heilsberger von der SG Druckerei Spiegler aus Bad Vilbel den Ironman Germany in Angriff nimmt. »Spaß haben und genießen«, lautete das Motto des erfahrenen Athleten, der sich wie immer gewissenhaft auf die sportlichen Strapazen vorbereitet hatte. Ein Radtrainingslager in der Hochprovence, ein Ski- und Skatingurlaub im Winter, ein Biathlonseminar, ein Mountainbike-Camp mit dem ehemals schnellsten Ironman der Welt Lothar Leder und eine 340-Kilometer-Radfahrt bis kurz vor Erding mit dem Stadttriathlon dort zwei Tage später standen unter anderem auf seinem Programm. Zweimal war der 49-Jährige in Frankfurt schon unter zehn Stunden geblieben und hatte sich für Hawaii qualifiziert. Dieses Jahr benötigte er 10:16:29 Stunden (1:07:59/5:02:34/3:59:23) und belegte damit in der Endabrechnung exakt den 500. Platz.

Besonders angetan war er erneut von der Stimmung am Heartbreak Hill in Bad Vilbel, wo viele heimische Fans den Lokalmatador anfeuerten – und dieser lächelte zurück und applaudierte den Fans, ganz nach seinem Motto »Spaß haben und genießen«. Am 1. Dezember startet Klause beim Ironman Mexiko auf der Insel Cozumel.

Michael Mastroserio: Knapp über elf Stunden

Michael Mastroserio von der RVG Rockenberg hatte sich fest vorgenommen, seine Zeit von 2009 (13:10 Std.) deutlich zu knacken. Monatelanges Training, auch im harten Winter bei Schnee und Eis, außerdem ein achttägiges Trainingslager im Januar auf Mallorca, sollten die neue Bestzeit ermöglichen. Mastroserio konnte nach anfänglichen Schwierigkeiten seine Schwimmstärke ausspielen und beendete die 3,8 Kilometer in 1:08 Stunden. Zunehmende Hitze und ein starker Nordostwind wirkten sich jedoch als echte Leistungsbremse aus, und der Energiebedarf war aufgrund der Verhältnisse stark erhöht. Man musste aufpassen, den Magen nicht zu sehr zu belasten, sollte der abschließende Marathon nicht in einem Desaster enden. Mastroserio fuhr stoisch und unbeeindruckt von vielen vorbeiziehenden Mitstreitern stabil einen 30er Schnitt pro Kilometer und beendete den Radkurs nach genau sechs Stunden.

Nun wartete noch die Lieblingsdisziplin des Wetterauers, das Laufen über 42,195 Kilometer. Und auch hier zeigte das vorangegangene Training seine Wirkung. Präzise wie ein Uhrwerk lief Mastroserio den kompletten Marathon in der einheitlichen Geschwindigkeit von 5:30 Minuten pro Kilometer und beendete den Laufkurs nach 3:52 Stunden. Mit der Gesamtzeit von 11:12:48 Stunden hatte Mastroserio somit seine Zeit von 2009 nahezu pulverisiert. In der zahlenmäßig sehr stark besetzten Altersklasse M40 belegte er den 235. Platz.

Holger Steinhardt: Bestzeit bestätigt

Holger Steinhardt von Triathlon Wetterau bestätigte seine Bestzeit vom Ironman Barcelona, dieser hatte allerdings bei weitem nicht so viele Höhenmeter aufzuweisen wie sein Frankfurter Pendant. Steinhardt glänzte insbesondere im Schwimmen mit lediglich 54:30 Minuten. 5:16:12 Stunden auf dem Rad folgten, ehe er im Marathon nahezu einen Fünf-Minuten-Schnitt pro Kilometer abspulte (3:33:20 Std.). In 9:49:42 Stunden wurde der Friedberger 45. in der M30.

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