RSFSEGNER1608_150819_4c__4c_1
+
Anton Segner ist seinem großen Traum einen Schritt näher gekommen.

Rugby

In Neuseeland dem Traum einen Schritt näher gekommen

  • vonRedaktion
    schließen

Anton Segner in Neuseeland auf dem Weg zu den »All Blacks«.

Das größte deutsche Rugby-Talent ist bereit für den nächsten Schritt in seiner Karriere. Vor etwa zwei Monaten ist Anton Segner umgezogen in Neuseeland, dem Land der legendären All Blacks. Innerhalb der Südinsel zog es ihn nach Christchurch. Die annähernd 400 000 Einwohner zählende Stadt ist nicht nur kulturelles Zentrum dieses Landesteils, sondern beherbergt auch einen sehr erfolgreichen Rugby-Club. Die Crusaders sind Titelverteidiger und Rekordsieger der Serie »Super Rugby«, in der die besten Teams von Neuseeland und Australien den Kern bilden.

Derzeit läuft die Saisonvorbereitung bei den »Kreuzrittern«. Und der gebürtige Frankfurter Segner, der einst als junger Schüler beim Traditionsverein SC 1880 in die Künste der Sportart eingeweiht wurde, ist inzwischen Teil der »Saders«. »Ein Pre-Season-Spiel möchte ich schon für die Crusaders machen und so viel Zeit wie möglich mit dem Team verbringen«, sagt der 19-Jährige. Viel gibt es von renommierten Akteuren abzuschauen, so tragen unter anderen Nationalspieler wie Sam Whitelock und Scott Barrett die Farben Rot und Schwarz, beide sind wie Segner im Sturm zu Hause.

Der erste Titel für einen Deutschen

Diesen Lernprozess zu intensivieren wäre folgerichtig in der Entwicklung des 1,92 Meter großen stämmigen Dritte-Reihe-Stürmers aus Frankfurt. Ein bedeutender Erfolg gab zudem Auftrieb: Ende vergangenen Jahres hatte Segner mit den Tasman Mako den Mitre-10-Cup gewonnen, eine unterhalb von »Super Rugby« angesiedelte neuseeländische Meisterschaft. Beim 13:12 über das favorisierte Auckland wurde er in der Schlussphase eingewechselt und holte gleich einen Straftritt heraus - ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Titelverteidigung der »Haie« (Mako), somit holte erstmals in Neuseeland ein Deutscher einen Titel.

»Der Sieg im Mitre-10-Cup bedeutet mir sehr viel, da es Neuseeland-weit ein ziemlich großer Erfolg ist - und dies im ersten Jahr nach der Schule mitzuerleben ist sehr besonders«, sagt Segner. Keine Frage, bei den Tasman Mako gilt es für ihn, sich noch mehr Meriten zu verdienen, um mittelfristig eine reelle Chance bei den Crusaders zu erhalten. »Mehr Spielzeit bei den Mako« sei das kurzfristige Ziel.

Wie er der Mannschaft aus Nelson, einer von englischen Siedlern vor 180 Jahren gegründeten Stadt, weiterhelfen kann, beschreibt Segner: »Da ich der jüngste Spieler im Team war, war ich der Energie-Booster, und deswegen war es mein Job, wenn ich auf den Platz gekommen bin, meinen Mitspielern, meinem Team mit neuer Energie und frischen Beinen zu helfen.«

Vor 13 Monaten zuletzt in der Heimat

Der Aufwand dafür war groß und wird freilich immer größer. Drei Stunden am Tag, viermal die Woche, steht Anton Segner auf dem Übungsplatz. »Plus extra individuelles Training. Ich würde sagen, um die 14 Stunden sind es in der Woche.« Moralischen Beistand nach all den Kraftakten gibt es von der Freundin. Ende November hatte er sich von seiner Gastfamilie verabschiedet und zog zunächst bei der Familie seiner Freundin ein, feierte dort gemeinsam Weihnachten (nicht bei Schnee, sondern bei 30 Grad), ehe jetzt erst einmal zu zweit das Zelt in Christchurch aufgeschlagen wurde.

In Frankfurt war Segner zuletzt vor 14 Monaten; Besuch aus der Heimat liegt noch länger zurück, die Eltern und beiden Brüder legten die 18 500 Kilometer weite Strecke im Juli 2019 zurück. Kontakte zu seinem Ex-Club SC 80 pflegt er über Anton Rupf - und zu den Manawatu-Brüdern.

Der Neuseeländer Timothy Manawatu hatte Anton Segner einst die Reise ins ferne Rugby-Dorado schmackhaft gemacht. »Ich habe sehr regelmäßig sogar Kontakt zu ihm, weil er sozusagen mein Mentor war, seitdem ich mit Rugby angefangen habe vor zehn oder elf Jahren. Und er kennt auch meine Familie sehr gut. Deswegen fühle ich mich jedes Mal, wenn ich mich mit ihm treffe, ein Stück näher an meiner Familie.«

Auch dies gibt Anton Segner Kraft, seinen Weg weiter zu gehen, um irgendwann einmal das schwarze Trikot mit dem Silberfarn tragen und für die Auswahl Neuseelands auflaufen zu dürfen. »Mein Hauptziel ist es, der beste Sportler zu sein, der ich sein kann - und wenn die All Blacks mit dazu gehören, wäre das natürlich ein dream come true.« Ein Traum, von dem jetzt schon ziemlich viel wahrgeworden ist. Stefan Fritschi

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare