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Auch für Ausfahrten mit dem Rad in der Natur gilt: Gruppen sind nicht erlaubt, das Training alleine oder zu zweit ist aber weiterhin möglich. FOTO: HERTEUX

Radsport-Tipps

Immerhin Grundlagentraining

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Der Sport steht still, in Coronavirus-Zeiten lässt "Social Distancing" weder Wettkämpfe noch gemeinsames Training zu. Auch der Radsport liegt brach, allerdings sind die Möglichkeiten nicht schlecht.

Ein Teil der heimischen Radsportler hat "Glück im Unglück", auch wenn alle Wettkämpfe für Mountainbiker und Rennradfahrer momentan ausgesetzt sind. Während Radballer und/oder Kunstradfahrer momentan nicht die Sporthallen als Trainingsgelände nutzen dürfen, ist in Deutschland die Ausfahrt allein oder maximal zu zweit weiter erlaubt - und wird auch reichlich genutzt.

Auf Strava, dem sozialen Netzwerk zum internetbasierten Tracking und weitläufig benutzten Tool zur Trainingsaufzeichnung, lassen sich die Aktivitäten gut verfolgen. Während Bora-Profi Emanuel Buchmann vor Ostern ein Training über 90 Kilometern mit 2865 Höhenmetern am Bodensee einstreute, sind beispielsweise die italienischen, französischen und spanischen Profis zur "Untätigkeit" in den eigenen vier Wänden gezwungen. Natürlich ist auch die heimische Radsportszene aktiv, wobei es in diesen Zeiten einiges zu beachten gilt:

Vorschriften:Auch die aktiven Radsportler, ob Hobby-, Amateur- oder Lizenzfahrer, müssen ihren Teil dazu beitragen, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Kontakte sollten vermieden beziehungsweise minimiert werden. Das heißt, Gruppenausfahrten wie der beliebte Mittwochstreff mit Start und Ziel am Kirchenplatz in Gießen sind momentan tabu, auch das (Vereins-)Training in mittleren und kleinen Gruppen widerspricht der offiziellen Regelung. Nichts spricht allerdings dagegen, sein Training allein oder in Zweierteams zu absolvieren.

Periodisierung:Weil praktisch alle Veranstaltungen in den nächsten Wochen wie zum Beispiel der Bimbach-Marathon, der Grand Fondo Stelvio oder die Bundesliga-Rennen mit dem Mountainbike oder Rennrad abgesagt oder verschoben sind, erscheint es ratsam, das Training den Umständen anzupassen. Wer wie Nicklas Zimmer von der RSG Gießen und Wieseck noch auf eine Fortführung der Bundesliga-Saison hofft, sollte die Trainingsintensität herunterfahren. "Durch den Ausfall der Rennen trainiere ich zurzeit noch mehr Grundlagenausdauer, was sonst hauptsächlich im Winter gemacht wird", erzählt Zimmer. "Zehn bis 15 Stunden pro Woche sitzt der Mountainbike-Bundesligafahrer momentan im Sattel, das ist der ungefähre Wert während einer normalen Saison, nun allerdings ohne Rennkilometer und soziale Kontakte.

Andere Sportler haben ihren Fokus auf Großevents in den Alpen gelegt, allerdings sind die meisten davon bereits abgesagt. Der Ötztaler, das wohl bekannteste Eintagesrennen in Österreich und Südtirol mit Start und Ziel am 31. August in Sölden, hofft noch auf eine Austragung. Wolfgang Rinn, Vereinsvorsitzender der RV Gießen-Kleinlinden, hält am "80/20- oder 90/10-Training" fest, wobei 80 bis 90 Prozent im Grundlagenbereich trainiert wird, der Rest diene der Steigerung der maximalen Sauerstoffaufnahme. "Natürlich fehlt der Flair, wenn die Startnummer am Lenker fehlt, allerdings kann man sich neue Ziele setzen, zum Beispiel lange Ausfahrten mit Druck." Und irgendwann wird es mit den Beschränkungen wieder ein Ende haben, mit dem Vorteil für Radsportler, dass sie derzeit im Training bleiben und relativ fit neue Herausforderungen in Angriff nehmen können.

Darauf hofft auch Christian Schmidt vom Team delta- bike.de, der wegen ausbleibender Rennen nun unter der Woche "anstatt zu regenerieren Einheiten mit Intervallen im GA 2-Bereich" fährt. Der Bundesliga-Masterfahrer unternimmt am Wochenende dann noch längere Grundlagenausdauereinheiten, was im Prinzip einem Vorsaison-Trainingsplan entspricht.

Stärkung des Immunsystems:Wer in diesen Tagen dauerhaft an der Leistungsgrenze trainiert, schwächt sein Immunsystem und macht sich anfälliger für Infektionen. Auch erhöht sich das Risiko, bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus einen schwereren Krankheitsverlauf zu erleiden. Dosiertes Training greift das körpereigene Abwehrsystem weniger stark an, eine protein- und mikronährstoffhaltige Ernährung stärkt zudem die Abwehrkräfte. Natürlich sollen auch Sportler darauf achten, ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt zu sein. Wer in der Natur unterwegs ist, wirkt zudem der üblichen Unterversorgung mit Vitamin D durch die Sonneneinstrahlung entgegen.

Gefahren minimieren:Weil die Kapazitäten im medizinischen Bereich derzeit vorrangig für Coronavirus-Patienten freigehalten werden, sollte das Sturzrisiko auf ein Minimum reduziert werden. Seine fahrerischen Qualitäten muss in diesen Tagen niemand in kniffligen und gefährlichen Trails unter Beweis stellen. Ebenso ist es bei Abfahrten mit dem Rennrad ratsam, einmal mehr als üblich zu bremsen, die Jagd nach der Höchstgeschwindigkeit erscheint derzeit eher unvernünftig. Auch freihändiges Fahren, um eine Weste anzuziehen oder zu telefonieren, sollte tunlichst vermieden werden.

Wer in sein Training Intervalle einbaut, um seine "letzten zehn oder fünf Prozent" zu mobilisieren, vermeidet dies auf viel befahrenen Straßen und weicht vernünftigerweise auf asphaltierte und weithin einsehbare Feldwege aus. Überdies ist das Tragen eines Helms Pflicht. Wer davon nicht überzeugt ist, der möge sich mit medizinischem Fachpersonal über deren Erfahrungen unterhalten.

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