"Ich bin jetzt in der DEL wieder angekommen"

(wi) Am letzten Sonntag nutzte der in Lich wohnende Sven Gerbig (27) die DEL-Pause der Frankfurt Lions, um sich seine Ex-Kameraden vom Eishockey-Oberligisten EC Rote Teufel Bad Nauheim beim Spiel gegen den EV Füssen anzuschauen. WZ-Mitarbeiter Jochen Winkel nutzte die Gelegenheit, um mit dem Stürmer seine Situation zu beleuchten und sich über seine weitere Zukunft in dieser und der neuen Saison zu unterhalten.

Sven Gerbig, wie lautet Ihr Fazit nach dem Spiel der Roten Teufel gegen Füssen?

Gerbig: Dieses Ergebnis hat der Schiedsrichter zu verantworten. Mein Team war besser, aber trotz der Niederlage werden wir die Play-offs erreichen. Da habe ich trotz der enormen Verstärkungen der Herner, die kommenden Sonntag nach Bad Nauheim kommen, keine Zweifel. Das wird ein Schlüsselspiel.

Sie nutzen die "Wir-Form" in Bezug auf den EC. Ist das nur die Macht der Gewohnheit oder mehr?

Gerbig: Ich fieber da halt noch richtig mit. Am liebsten hätte ich mitgespielt, aber das geht leider nicht mehr. Ich bin für die Förderlizenzregel einfach zwei Jahre zu alt. Werde halt langsam alt (lacht). Im Ernst, ich hänge an diesem Club und besorge mir gleich nach unseren Spielen mit den Frankfurt Lions die Ergebnisse. Jetzt konzentriere ich mich aber bis zum Saisonende auf meine Einsätze bei den Lions. Wenn einige Spiele aus unserem Lazarett nach der Länderspielpause Mitte Februar zurückkehren, erhöhen sich meine Chancen auf mehr Einsatzzeiten.

Das müssen Sie genauer erklären.

Gerbig: Ganz einfach. Derzeit können wir nur drei Angriffsreihen aufbieten, da hinten immer wieder Stürmer aushelfen müssen. Wenn Biron, Kopitz und vielleicht auch Osterloh zurückkehren, will mein Trainer Rich Chernomaz wieder mit vier Reihen in den letzten sieben schweren Spielen operieren. Und das gilt auch für die Play-offs oder die Pre-Play-offs. Da geht es ganz eng im Kampf um die sechs direkten freien Plätze zu, nur Hannover und Berlin dürften fast durch sein. Dann bekomme ich meine Chance. Und die werde ich nutzen, da setze ich alle Kräfte rein. Viele Chancen auf ein DEL-Engagement bekomme ich sicherlich nicht mehr. Aber ich habe in Iserlohn und Kassel gezeigt, dass ich mithalten kann.

Waren Sie frustriert nach manchmal nur drei oder vier Einsätzen pro Match?

Gerbig: Keineswegs. Anfangs hatte ich Probleme, mich auf das weitaus höhere Tempo einzustellen. Eine vorzeitige Trennung stand jedoch nie zur Debatte, das ist etwas unglücklich in den Medien rüber gekommen. Chernomaz setzt auf mich, bescheinigt mir Fortschritte. Das sehe ich auch so. Inzwischen habe ich mich an das viel schnellere Umschalten von Angriff auf Abwehr und umgekehrt in der DEL wieder eingestellt.

In der DEL musst du jeden Spielzug schon vorausplanen, da bleibt nicht so viel Zeit wie in der Oberliga. Sonst wird man brutal abgeräumt.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Angriff?

Gerbig: Sie ist die gleiche wie schon in Iserlohn und Kassel. Auch in Bad Nauheim habe ich schon viel nach hinten gearbeitet. In Kassel und im Sauerland stand ich jeweils in der dritten Reihe, war und bin das Arbeitspferd. So soll es auch bei den Lions laufen. Unseren jungen Wilden wie Gawlik, Danner, Wörle und Oppenheimer halte ich gerne den Rücken frei, dann werden die noch effektiver in puncto Torerfolgen. Die Jungs müssen derzeit noch zu viele andere Sachen machen. Das bleibt ihnen auch in Zukunft nicht ganz erspart, aber sie bekommen hoffentlich auch durch meine Arbeit mehr Freiheiten.

Hand aufs Herz. Wäre es nicht besser, sich in Bad Nauheim mit den vielen Scorerpunkten wie bisher nach oben zu empfehlen, bevor vielleicht in Frankfurt eine Null in puncto Toren und Vorlagen die Beobachter abhält?

Gerbig: Entscheidend ist für Trainer und Spielerberater doch die Plus-Minusbilanz am Ende der Runde. Und da habe ich bisher gute Werte. Mein Vertrag läuft noch bis zum Ende der Saison, das liebe Geld spielt natürlich bei allen Überlegungen auch eine Rolle. Entscheidend ist jedoch die Perspektive für die neue Saison. Ich kämpfe um eine Vertragsverlängerung bei den Lions oder für einen Vertrag in einem anderen DEL-Verein. Ich bin jetzt in der Liga wieder angekommen.

Welche Perspektiven gibt es privat für Sie?

Gerbig: Ich beginne in Kürze ein Fernstudium im bayrischen Anspach im Sport- und Finanz-Management. Das ist speziell für Leistungssportler eingerichtet, wird von den benachbarten Firmen Puma und Adidas unterstützt. Auch Kati Wilhelm studiert dort und noch einige Eishockeyspieler wie mein Mitspieler Tobias Wörle.

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