Murat Pak reckt als Kapitän der Roten Teufel die Trophäe für den Hessenmeister in die Höhe. Die Eishockey-Amateure aus Bad Nauheim spielen künftig in der Regionalliga West.
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Murat Pak reckt als Kapitän der Roten Teufel die Trophäe für den Hessenmeister in die Höhe. Die Eishockey-Amateure aus Bad Nauheim spielen künftig in der Regionalliga West.

Ib-Team der Roten Teufel auf neuen Wegen

(mn) Strukturierte Trainingseinheiten statt abendlichem Herumreuseln auf dem Eis, klare Nominierungen für den Spieltag durch den Trainer statt Spielbetrieb für jedermann - und erstmals auch ein ganz klares Ziel: das Double aus Meisterschaft in der Eishockey-Hessenliga und Pokalsieg.

»Wir hatten in diesem Jahr einen ganz anderen Zug drin. Das Gefüge hat gestimmt, und das hat sich auch in den Leistungen widergespiegelt«, sagt Murat Pak, Kapitän der Roten Teufel Bad Nauheim. Zweimal binnen drei Tagen durfte der 39-Jährige schließlich eine Trophäe in die Höhe stemmen. In zwölf Meisterschafts- und zwei Pokalspielen ist die Ib-Mannschaft ungeschlagen geblieben, bei einer Tordifferenz von 151:27 Treffern.

Die neue Philosophie, weg vom reinen Hobby-Sport mit geselligem Zusammensein, hin zu einer leistungsorientierten Gemeinschaft, hatte in den ersten Wochen durchaus die eine oder andere Aufgabenstellung für Trainer Marcus Jehner und Kapitän Pak mit sich gebracht. Niemand war gesetzt, über Spielteilnahme entschieden Trainingsbeteiligung, Engagement und Integrationsfähigkeit.

Plötzlich saß da beispielsweise der mit 47-jährige noch immer ehrgeizige Ex-Profi Martin Prada, heute als Postwagen-Gastronom bekannt, mit einem Juniorenspieler wie dem 18-jährigen Deion Müller, einer anderen Generation, in der Kabine zusammen, mussten andere, die seit jeher den Kader prägten, aber aus beruflichen oder familiären Gründen unregelmäßig dabei sind, zuschauen. »Wir hatten jedem klar gemacht, woran er ist«, sagt Jehner, der eine kontinuierliche Entwicklung den Winter über beobachtet haben will. Ein Kabinenfest, das Alt und Jung nach dem dritten Spiel zusammengeführt hatte, habe die Ib auf den richtigen Weg geführt, meint Pak rückblickend. Jeder habe vom anderen etwas angenommen, sagt Jehner. Den drei ausgeglichenen Blöcken der Roten Teufel, die in Fabian Saulite ihren Top-Scorer hatten, hatte die Konkurrenz aus Frankfurt, Limburg und Darmstadt, das stärker eingeschätzt worden war, qualitativ und quantitativ nichts entgegenzusetzen.

Statt in die hessische Eishockey-Nachbarschaft geht’s nun über die Landesgrenze hin-aus nach Nordrhein-Westfalen – und das womöglich während der Hauptrunde zwischen Oktober und Januar fast wöchentlich. Eine Herausforderung für Spieler, Trainer und den Verein, der angesichts der sportlich verpassten Qualifikation zur Deutschen Nachwuchs-Liga 2 seinen Junioren eine Perspektive bieten will und geradezu muss. Logistisch, finanziell, strukturell und die Trainingszeiten betreffend, benötige man nun Unterstützung sagt Pak. Den Zahnarzt selbst, der die »Praxis Alte Musikschule« führt und im DEL 2-Team zum medizinischen Stab gehört, hat der Ehrgeiz, die Leistungsfähigkeit in neuer sportlicher Umgebung zu testen, gepackt. »Die Mannschaft ist hei?, sagt er, wohlwissend um den erhöhten Aufwand, den der Aufstieg in die vierte Liga mit sich bringt.

Nicht jeder wird – alleine aus zeitlichen Gründen – diesen Schritt mitgehen können. Zwei- bis drei Trainingseinheiten wöchentlich, dazu der Spielbetrieb am Wochenende samt den gut und gerne 200-Kilometer-Auswärtsfahrten freitagsmittags. »Ich habe bislang überwiegend positives Feedback bekommen«, schildert Jehner, der auch ein geregeltes Sommertraining für unerlässlich hält, seine Eindrücke aus den Gesprächen. »Der Weg muss auch in diese Richtung gehen, als Unterbau. Da gibt’s keine zwei Meinungen.« Ehemalige Schützlinge aus der Junioren-Meistermannschaft, die im Team der Young Lions Frankfurt bereits erste Erfahrungen in der Regionalliga haben sammeln können, könnten den Weg zurück nach Bad Nauheim finden, auch für die Verpflichtung von zwei Low-Budget-Kontingentspielern als Führungpersönlichkeiten – in dieser Klasse nicht ungewöhnlich – macht sich Jehner stark. Wohin genau die Wege der Ib führen, ist noch offen. Bis 30. April müssen die Vereine ihre Teams dem Landesverband melden, dann wird nach sportlicher Qualifikation eingruppiert. Zu erwarten sind Spiele mit Lauterbach, Dinslaken, Soest, Wiehl, Königsborn Ib, Ratingen Ib und Solingen.

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