+
Während Alexander Sarkisjan (l.) mit dem FC Olympia Fauerbach im Abstiegskampf steckt, sind Leon Günther und der SC Dortelweil in der Spitzengruppe der Gruppenliga Frankfurt-West zu finden. FOTO: JAUX

Höhen und Tiefen

  • schließen

(ub). Dass sich die Gruppenliga Frankfurt-West in der Saison 2019/2020 aus Mannschaften der Fußballkreise Friedberg (6), Frankfurt (4) und Hochtaunus (7) rekrutiert, ist nicht neu und erzeugt Jahr für Jahr die gleichen drei Fragen: Wer wird Meister und steigt in die Verbandsliga Süd auf? Welcher Klub bestreitet die Aufstiegsrelegation? Wie viele Teams bleiben Ende Mai nächsten Jahres im Kampf gegen den Abstieg auf der Strecke? Vor der Winterpause sind unter der Federführung von Klassenleiter Thorsten Bastian (Rockenberg) 21 von insgesamt 34 Spieltagen problemlos über die Bühne gegangen. Wäre bereits Schluss, würde sich folgendes Bild ergeben: Meister: Spvgg. 05 Oberrad. Vizemeister und Teilnehmer an der Aufstiegsrunde: SC Dortelweil. Fünf Absteiger wegen der ungünstigen Situation in der Verbandsliga Süd: FC-TSG Königstein, FC Karben, TSG Niederrad, SV Gronau, Vatanspor Bad Homburg.

Ob’s tatsächlich so kommt, ist reine Spekulation. Allerdings geht speziell in Sachen Titelvergabe an Oberrads Trainer Gültekin Cagritekin und seinen Leuten kein Weg vorbei: Fünf Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz sowie Vorteile in den direkten Vergleichen gegen die Schar der Verfolger lassen vermuten, dass sich die Fußballer aus dem Frankfurter Osten auf dem Weg in die Verbandsliga Süd eigentlich nur selbst schlagen können. Im Tabellenkeller sieht es anders aus. Dort sind anstatt lediglich drei maximal fünf Absteiger zwar sehr wahrscheinlich, aber neben jenen fünf Klubs, die aktuell durchgefallen wären, stehen mit dem FSV Friedrichsdorf, Aufsteiger SF Friedrichsdorf und dem FCO Fauerbach drei weitere Mannschaften quasi mit dem Rücken zur Wand. Konzentriert man sich auf die Zwischenbilanz der heimischen Starter, lautet das keineswegs überraschende Resultat: Höhen und Tiefen halten sich die Waage, wobei Wetterau-Vertreter in allen relevanten Tabellenbereichen zu finden sind.

Gut dabei:Imposante 42 Punkte aus 20 absolvierten Partien, die dem SC Dortelweil nach 13 Siegen, vier Unentschieden und lediglich drei Niederlagen unter den Direktiven von Beierle-Nachfolger Frank Ziegler Position zwei bescherten, sind nach Ansicht von Co-Trainer Julian Mistetzky eine Ausbeute, mit der man nicht zwingend gerechnet hatte. "Die Mannschaft hat sich früh gefunden und neue Ideen überraschend schnell umgesetzt", sagt er. Platz zwei zu halten, sei ab sofort eine realistische Option, "auch wenn mit Oliver Steffen ein wichtiger Spieler aus beruflichen Gründen wohl nur noch selten zur Verfügung stehen wird." Vereine, die den vor allem auf fremdem Terrain enorm starken Bad Vilbeler Vorstädtern (6/4/1) bei diesem Vorhaben noch in die Quere kommen könnten, sind rar gesät und beschränken sich derzeit auf den Rangdritten FG Seckbach (38 Punkte, nur 19 Spiele).

Mittendrin:Tufan Tosunoglu, Trainer des Türkischen SV Bad Nauheim (32 Punkte), steckt ein wenig in der Zwickmühle: "Für mich persönlich ist Platz fünf eigentlich zu wenig, aber vielleicht ist ja nach vorne noch etwas zu machen. Aus Sicht der Vereinsverantwortlichen stellt sich unsere Situation womöglich anders dar. Deren Wunsch, die Mannschaft in der Gruppenliga zu etablieren, ist definitiv Wirklichkeit geworden." Dass es für die Kurstädter nicht besser aussieht, lag an vielen Personalausfällen im Defensivbereich, die vor allem in Auswärtsspielen (sechs Niederlagen) negative Konsequenzen hatten. Tosunoglus Wunsch nach drei neuen Spielern hat Gründe. Schließlich muss er künftig nicht nur auf Torjäger Salih Yasaroglu (zum Ligarivalen SF Friedrichsdorf) sondern auch auf Abwehrspezialist Ivan Pejic (Ziel unbekannt) verzichten. Weder Aufstiegshoffnungen noch Abstiegsängste sind zum Jahres-Kehraus Fakten, die auch den SKV Beienheim (8./30) tangieren. "Damit kann ich sehr gut leben", meint SKV-Coach Sebastian Spisla. Ab Anfang März kann der SKV-Übungsleiter wieder auf Adrian Suarez und Timon Wolf zurückgreifen. Der Kader werde sich, so Spisla, definitiv vergrößern. Für den TSV Bad Nauheim und den SKV Beienheim gleichermaßen bindend: Tollen Heimbilanzen - Bad Nauheim: 7/1/1, Beienheim: 8/2/1 - standen zu viele Pleiten, Pech und Pannen in Auswärtsspielen gegenüber, sodass der Zug ganz nach vorne bereits abgefahren ist.

Unter Druck:Sich nach schwachem Saisonstart an den eigenen Haaren aus dem Schlamassel zu ziehen, war für zwei der sechs Friedberger Gruppenliga-Klubs Programm. Sowohl der FCO Fauerbach als auch der SV Gronau galten zunächst als Abstiegskandidaten, haben jedoch mit unterschiedlichen Methoden wieder in die Spur gefunden und rechnen angesichts der Plätze 12 (Fauerbach/21 Punkte) und 14 (Gronau/20) mit einer Fortsetzung des eingeleiteten Höhenflugs. Fauerbach, weil nach der Trennung von Virginio Bazzoli unter Nachfolger Andreas Baufeldt mehr Siege (4) als Niederlagen (3) herausgesprungen sind. Gronau, weil es Coach Florian Schwing gelang, seine blutjunge Truppe mehr und mehr ans harte Gruppenliga-Geschäft zu gewöhnen. Personalabgänge halten sich in Grenzen: FCO-Trainer Baufeldt muss Niklas Beier (Umzug aus beruflichen Gründen) sowie Tsuyoshi Ishii (zurück nach Japan) aus seinen Planungen streichen, während sich in Gronau Keeper Patrick Freiwald beruflich bedingt verabschiedet hat. "Kein Problem. Fabian Zscheich wird die neue Nummer eins zwischen den Pfosten", verrät Schwing. "Zwei Zugänge sind in der Winterpause fest eingeplant. Die Gespräche laufen", erklärt Baufeldt. Diesbezüglich trifft es Thomas Dechant, den Trainer des Vorletzten FC Karben (16 Punkte), viel härter. Mit Erkan Gök, Mithat Bakanhan, Tugay Kuzpinari, Mert Sayan, Taulant Balaj und Gökhan Cirak haben sich nicht weniger als sechs Stammspieler abgemeldet. Grund war die Trennung von Ex-Coach Harez Habib. Dechant, unter dessen Regie der Aufsteiger mit stark reduziertem Kader aus den letzten vier Begegnungen immerhin drei Unentschieden holte, zeigt dafür kein Verständnis: "Die haben den Verein mitten in der Runde im Stich gelassen." Jetzt müsse man sich neu sortieren: "Verloren ist aber gar nichts, zumal ein halbes Dutzend Vereine für uns noch in Reichweite liegt."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare