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Bezeichnend: Das Gießener Nachsehen gegen Frankfurter Angriffsaktionen. FOTO: HÜBNER

Hier Jubel, da Enttäuschung

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Das 65:81 der Gießen 46ers im Hessenderby der Basketball-Bundesliga ist entlarvend. Ab der ersten Minute scheinen die Fraport Skyliners mental bereiter für das Prestigeduell zu sein. Auch an Emotionalität mangelt es auf Seiten der Gäste - zumindest bis nach dem Spiel.

Nach dem traditionellen Huddle wendeten sich Trainerstab und Team der Gießener wie immer zu den mitgereisten Fans. Der in Rot gehüllte Block hielt mit seinem Unmut über die gezeigte Leistung und die auswärts neuerlich deklassierende 65:81 (16:26, 15:13, 18:23, 16:19)-Niederlage nicht hinterm Berg. Gut 300 Fans hatten sich auf den Weg nach Höchst gemacht. Dabei zielten die Gesänge zunächst in Richtung Coach Ingo Freyer. Dieser animierte sein Team daraufhin, geschlossen zu den mitgereisten Anhängern auf die Tribüne zu gehen - und marschierte voran. Auch dort wurden ihm nicht allein positive Worte entgegengebracht, um es diplomatisch auszudrücken.

So kam es, dass die Spieler nicht nur wie geprügelte Hunde in den Block schlichen, sondern in selber Manier wieder heraus. Freyer fand klare Worte und bemängelte die fehlende aggressive Grundeinstellung: "Da geht es dann gar nicht um den Gegner, was er kann und welche Stärken er hat. Da geht es um Körpersprache."

Auf der anderen Seite war die Erleichterung bei den Frankfurt Skyliners greifbar. Cheftrainer Sebastian Gleim und der geschäftsführende Gesellschafter Gunnar Wöbke umarmten sich innig, die Spieler, angeführt von Vorsänger Leon Kratzer, zelebrierten zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison die Humba. Es war ja auch erst der zweite Heimsieg in dieser Spielzeit, der nach drei Niederlagen in Folge Druck vom Kessel genommen hat und den Vorsprung auf den Tabellenletzten Weißenfels wieder auf komfortable sechs Punkte vergrößert hat.

Doch was hatte sich auf dem Parkett zugetragen - und was bedeutet das für die sportliche Großwetterlage der 46ers? Zunächst war es die dritte Niederlage in Folge für die Mittelhessen, die in der Tabelle damit in die Nähe der Abstiegszone rutschen. Gegen die gebeutelten Baskets Bonn muss in zwei Wochen ein Sieg her. Noch stehen die Magenta-Männer in der Tabelle hinter den 46ers. Die rote Laterne hält bislang der Mitteldeutsche BC in den Händen. Immerhin: Gegen diesen konnte Gießen das Hinspiel gewinnen. Und zudem gibt es in dieser Saison nur einen Absteiger.

Was das verlorene Derby angeht, so war es weniger die Niederlage selbst, die für Unmut sorgte. Enttäuschung erzeugte eher ihr Entstehen. Mit Ausnahme einer dominanten Phase im vierten Viertel, als die 46ers einen 19-Punkte-Rückstand in ein 60:65 drehten, war das Team chancenlos. "Derby ist das Stichwort, da kommt es auch auf Energie an und dass man mit Aggressivität spielt", so Freyer.

Fünf Punkte des ansonsten etwas überdrehten Teyvon Myers hatten Gießen zum Ende des dritten Viertels zunächst wieder in Schlagdistanz gebracht (49:62). Den Skyliners, die erst am Donnerstag ein Spiel gegen Göttingen auszutragen hatten, ging kurzzeitig die Luft aus. Endlich stand die Gießener Verteidigung solide genug, um den Hausherren physisch wie psychisch auf Augenhöhe zu begegnen.

Als Myers mit viel Traute zum Korb zog, spektakulär ablegte und mit Karacho in die Bande krachte, stand der mitgereiste Fanblock wie eine Eins hinter seinem Team (53:62, 32.). Aus der zweiten Angriffswelle heraus ließ Jordan Barnett einen Dreier einfliegen. Vier Freiwurfpunkte gepaart mit einem versenkten Schuss aus der Halbdistanz durch Barnett markierten jenes 60:65, das sechs Minuten vor dem Ende die Wende zu versprechen schien. Diesmal brachen die Skyliners aber nicht ein, sondern berappelten sich nach einem Wahnsinns-Dreier von Adam Waleskowski wieder.

Viereinhalb kompakte Minuten der 46ers gegen solide, aber nicht überragende Frankfurter reichten also nicht, um die Punkte aus der Ballsporthalle zu entführen. Im Prinzip über die gesamte Partie, aber vor allem im ersten Durchgang schenkten sie den Skyliners den Spielball nach Belieben her. Diese zwangen Gießen ein Spiel im Setplay auf. Die Ganzfeldverteidigung konnten die 46ers zwar meist überwinden. Ein flüssiges Passspiel in den Systemen wurde aber ein ums andere Mal von den Hausherren unterbunden. Frankfurt nutzte die generierten Ballgewinne für viele leichte Abschlüsse im Fastbreak. Vom 16:26-Rückstand nach dem ersten Viertel sollten sich die Lahnstädter nicht mehr erholen.

Erschwerend kam hinzu, dass sich die Gäste auch nicht auf ihren Dreipunktewurf verlassen konnten. Nur einer von zehn Versuchen wollte in der ersten Hälfte durch die Reuse flutschen. Zudem gingen die Skyliners defensiv beherzter zur Sache. Magere drei Fouls handelten sich die Mittelhessen in den ersten 20 Minuten ein. Das ärgerte auch Forward Alen Pjanic: "Bei so einem Spiel muss es drei Leute geben, die ausgefoult sind, sowie drei unsportliche und technische Fouls. Da muss man einfach zeigen, dass man den Sieg will. Das war in der ersten Hälfte nicht der Fall. Als wir härter gespielt haben, hat Frankfurter gezittert und kam aus dem Rhythmus." Ein vermeintlicher Rempler des Youngsters gegen Akeem Vargas wurde in der 28. Spielminute mit einem unsportlichen Foul geahndet: die Initialzündung für den Zwischenspurt, der dann aber verpuffte.

Das Momentum wechselte nach dem Dreier von Waleskowski wieder in Frankfurter Richtung. "Von der Bank kam die Anweisung, nicht zu foulen. Aber es lief nichts mehr zusammen", erklärt Pjanic, wie die Skyliners in den Schlussminuten auf 81:65 enteilen konnten.

Bei den 46ers stehen nun drei Heimspiele - darunter zwei gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel - auf dem Programm. Die Skyliners empfangen am 18. Januar Oldenburg.

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