Hessenliga

Hessenliga: Türk Gücü Friedberg zieht die Reißleine - Trainer Mustafa Fil muss gehen

  • schließen

Turbulenter Nachmittag für Hessenligist Türk Gücü Friedberg: Erst wird aus einem 1:5 ein 4:5 gegen Rot-Weiß Hadamar, dann zieht der Verein die Konsequenz aus der dritten Niederlage in Serie.

Vielleicht dachte Mustafa Fil, der Trainer von Türk Gücü Friedberg, als er nach Spielschluss auf der Tribüne saß, an die ersten zehn Sekunden des Spiels. Da hätte seine Mannschaft im Hessenliga-Duell mit Rot-Weiß Hadamar mit 1:0 in Führung gehen können, wenn nicht sogar müssen. Wer weiß, wie das Spiel dann gelaufen wäre, das die Wetterauer in der Folge mit 4:5 verloren. "Dass wir vorne immer mal einen reinmachen, wissen wir, aber heute war das Defensivverhalten das große Problem. Wir haben in acht Minuten vier Gegentore bekommen", sagte Fil nach dem Abpfiff auf dem Kunstrasenplatz in Ober-Rosbach.

Hessenliga: Rot-Weiß Hadamar tut sich die erste Hälfte schwer - und geht trotzdem in Führung

Vielleicht dachte er aber auch daran, dass seine Stunde nach der dritten Niederlage in Folge nun geschlagen hat. Denn nur eine Stunde nach Spielschluss verkündete Türk-Gücü-Pressesprecher Selim Karanfil die Trennung vom Erfolgstrainer, der seit über zwei Jahren bei den Kreisstädtern an der Linie stand. Bis zum Ende der Saison übernimmt Fils Trainerkollege, Gültekin Cagritekin, die Geschicke beim abstiegsbedrohten Aufsteiger allein. "Wir haben nicht mehr daran geglaubt, mit Mustafa Fil noch die Kurve zu kriegen, deshalb mussten wir schweren Herzens die Reißleine ziehen", sagte Karanfil. "Nichtsdestotrotz danken wir ihm für seine Tätigkeit, in der er den größten Erfolg der Vereinsgeschichte erreicht hat."

Der favorisierte Gast aus Westhessen, der durch den Sieg mittlerweile sogar in Schlagdistanz zu Rang zwei gekommen ist, tat sich lange schwer. Nach der dicken Möglichkeit von Adusammed Gürsoy nach einem langen Ball von Julian Dudda nur Sekunden nach dem Anstoß kamen die Gäste nur zu Halbchancen, während Sebastian Bartel mit einem Freistoß (28.) und Younes Bahssou (30.) nur knapp an Gästekeeper Christopher Strauch scheiterten. Dann fiel das Gegentor: Jerome Zey brachte einen umstrittenen Freistoß aus dem Halbfeld in die Mitte, dort segelte der Ball an Freund und Feind vorbei ins Netz (35.). Die Freude bei Hadamar hielt allerdings keine 60 Sekunden: Mohamed Zoaoui stellte sich gegen Gürsoy ungeschickt an, Schiedsrichter Tobias Vogel entschied auf Strafstoß, Bahssou verwandelte sicher.

Hessenliga: Türk Gücü Friedberg verschläft den Start in die zweite Halbzeit komplett

Nach dem Wechsel der Knackpunkt: Türk Gücü verschlief die erste Viertelstunde völlig und wurde bitter bestraft: Christian Jindra staubte den Lattenabpraller seines eigenen Kopfballs zur erneuten Führung ab (55.), ehe der eingewechselte Alit Usic bei seiner ersten Aktion den Ball verlor und Marius Löbig nach Pass von Zey völlig frei war (60.), anschließend Jann Bangert mit einem Schlenzer nach Schnittstellen-Pass von Mirko Dimter vollendete (62.) und schließlich noch Florian Kröner nach einer Ecke aus 25 Metern einfach mal draufhielt (63.) – 1:5.

Die Ironie: Vor, nach und zwischen den Toren hatten die Gäste weitere gute Chancen, doch im Spiel nach vorn wurde es nicht mehr ganz so konsequent ausgespielt, während im Mittelfeld Räume frei wurden, die die Hausherren zu nutzen wussten. Erst traf Jindra nach einer Gürsoy-Flanke ins eigenen Netz (78.), dann besorgte Bahssou mit seinem zweiten verwandelten Elfmeter das 3:5 (83.), ehe Dorian Miric mit einem Abstaubertor (88.) die Partie samt ihrer über fünfminütigen Nachspielzeit noch einmal so richtig spannend machte. Zu mehr als einem nur halbwegs gefährlichen Freistoß von außen reichte es nicht mehr.

Hessenliga: Das Spiel Türk Gücü Friedberg vs. Rot-Weiß Hadamar auf einen Blick

Türk Gücü Friedberg: Shpirov – Takahashi, Dudda (ab 70. Aslan), Bartel, Effiong (ab 58. Usic) – Tesfaldet, Erdogan – Miric, Kohnke (ab 63. Bell Bell), Gürsoy – Bahssou.

Rot-Weiß Hadamar: Strauch – Zouaoui (ab 46. Matthias Neugebauer), Dimter, Rücker (ab 64. Noguchi), Jindra – Kröner, Markus Neugebauer – Löbig, Herdering, Zey – Bangert (ab 72. Böttler).

Im Stenogramm / SR: Vogel (Flöhrsheim). – Z.: 100. – Tore: 0:1 (39.) Zey, 1:1 (40./FE) Bahssou, 1:2 (55.) Jindra, 1:3 (60.) Löbig, 1:4 (62.) Bangert, 1:5 (63.) Kröner, 2:5 (78.) Jindra (Eigentor), 3:5 (83./FE) Bahssou, 4:5 (88.) Miric. – Gelbe Karten: - / Kröner.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare