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Hessenliga: Abstiegskampf zum Jubiläum des FV Bad Vilbel

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  • Roland Stipp
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Fußball-Hessenligist FV Bad Vilbel feiert am Wochenende sein 100-jähriges Bestehen. Da soll natürlich auch der Klassenerhalt her. Die nächste Hürde dazu heißt SC Waldgirmes.

Der am Wochenende spielfreie Spitzenreiter FC Gießen kann angesichts eines komfortablen 14-Punkte-Polsters auf die Verfolger den Meisterschaftssekt schon mal kaltstellen, Bayern Alzenau (49 Zähler – empfängt am Samstag Buchonia Flieden) und Hessen Kassel (3./45 – gastiert am Sonntag beim VfB Ginsheim) liefern sich ein spannendes Fernduell um den lukrativen zweiten Platz, dagegen darf im Abstiegskampf ab Rang neun (FC Eddersheim – 33 Zähler) bis hinunter zum Schlusslicht Spvgg. Neu-Isenburg (17) in den Reihen weiterer neun Mannschaften um die Wette gezittert werden:

Vor dem Start ins letzte Saisonviertel bietet die Fußball-Hessenliga quasi an allen Fronten spannende Konstellationen,. Und weil vier Absteiger mehr und mehr wahrscheinlich werden, sind speziell in der unteren Tabellenhälfte noch keine klaren Konturen erkennbar. Sicher ist: Vor den Klubs aus Neu-Isenburg und Ederbergland, denen das Wasser bereits bis zum Hals steht, kämpfen auch die Wetterau-Vertreter FV Bad Vilbel (10./30) und Türk Gücü Friedberg (14./27) ums sportliche Überleben. Deshalb ist das Motto "Jeder Punkt zählt" für beide Teams vor den Wochenend-Heimspielen gegen den SC Waldgirmes und Rot-Weiß Hadamar definitiv Programm.

Hessenliga: Türk Gücü Friedberg ist vor starken Hadamarern gewarnt

Türk Gücü Friedberg – Rot-Weiß Hadamar (Sonntag, 15 Uhr in Ober-Rosbach): Lediglich vier Punkte, die den Friedbergern aus den ersten fünf Spielen nach der Winterpause vergönnt waren, entsprachen gewiss nicht den eigenen Erwartungen, wobei schmerzliche Niederlagen gegen die ebenfalls um den Klassenerhalt kämpfenden Klubs aus Flieden (0:1) und Griesheim (0:3) sowie am vergangenen Sonntag in Eddersheim (1:2) doppelt negative Auswirkungen hatten. Anders formuliert: Die Türk-Gücü-Trainer Mustafa Fil und Gültekin Cagritekin rangieren mit ihrer Mannschaft vor dem Heimspiel gegen den Rangvierten Rot-Weiß Hadamar dort, wo sie zwecks einer weiteren Hessenliga-Zugehörigkeit keinesfalls zu bleiben beabsichtigen – auf einem Abstiegsplatz.

Berücksichtigt man das knüppelharte Restprogramm der Kreisstädter mit Auswärtsspielen in Hünfeld, Lohfelden, Gießen und Kassel, aber nur noch drei Partien vor eigenem Publikum gegen Fulda/Lehnerz, Waldgirmes und Baunatal, wären drei Punkte am Sonntag gegen Hadamar zwingend notwendig. "Keine Frage, die Situation ist prekär. Wir müssen jetzt liefern", weiß Coach Cagritekin um den Ernst der Lage. Ob diesbezüglich die Mannschaft von Hadamars Trainer Torsten Kierdorf, die aus den letzten vier Spielen zwei Remis (Hünfelder SV, Ginsheim) und zwei Siege (Bad Vilbel, Griesheim) holte, der passende Rivale ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. "Dieses Team hat Qualität. Die sind in der Tabelle nicht von ungefähr so weit vorn zu finden", sagt Cagritekin. Immerhin: Personell können die beiden Friedberger Übungsleiter aus dem Vollen schöpfen. Ob und welche Änderungen vorgenommen werden, hängt einmal mehr von Trainingseindrücken und taktischen Überlegungen ab. – Hinspiel: 2:4.

Türk Gücü Friedberg: Shpirov (Kröller), Effiong, Dudda, Bartel, Takahashi, Tesfaldet, Usic, Erdogan, Coric, Gürsoy, Miric, Bahssou, Toskovic, Kohnke, Biber, Bell Bell, Aslan, Akkus-Rodriguez (?).

Hessenliga: Zum Jubiläum ein Duell mit dem ehemaligen Hessenmeister aus Waldgirmes

FV Bad Vilbel – SC Waldgirmes (Samstag, 15.30 Uhr): Beim FV Bad Vilbel wird anlässlich des Vereinsjubiläums sicher die eine oder andere Geschichte von früher ausgegraben. Etwa die vom letztlich unvollendeten Angriff auf die Hessenmeisterschaft in der Spielzeit 1999/2000 (siehe Extra-Kasten). Damals und auch in den folgenden beiden Jahren gehörte der Verein zu den Top-Adressen in Hessen. Dann wurde das Geld knapper und 2007 stieg der FV ab, doch pünktlich zum Jubiläum gelang die Rückkehr in die Hessenliga. Ein Heimsieg gegen den SC Waldgirmes könnte dabei helfen, den Aufenthalt hier zu verlängern. Die Gäste aus dem Lahn-Dill-Kreis haben dem FV Bad Vilbel nicht nur vier Punkte voraus, ihnen gelang vor zehn Jahren auch der große Wurf – damals wurden sie Hessenmeister.

Mit dem Auftritt seinen Teams beim 1:1 in Fulda war Bad Vilbels Trainer Amir Mustafic "absolut zufrieden". Unter anderem habe Stürmer Fatih Uslu nach längerer Pause "alles getan, was man von ihm erwarten konnte". Er holte auch den Elfmeter heraus, der zum Ausgleich führte. Nach Ablauf der Sperre von Adnan Alik und weil auch Jonas Grüter wieder zur Verfügung steht, hat Mustafic nun wieder einige personelle Alternativen. Auch der lange verletzt fehlende Zoran Djordjevic ist laut seinem Trainer "wieder so weit, dass er spielen könnte". Wie er sein Team aufstellt, mochte Mustafic verständlicher Weise nicht preisgeben. "Aber dass wir offensiv spielen wollen, kann ich verraten", sagt er. Waldgirmes ist laut Bad Vilbels Trainer "eine eigentlich gute und für jeden Gegner unangenehme Mannschaft, die nicht ihre beste Phase hat". Nichtsdestotrotz sei natürlich volle Konzentration gefordert, sagt der Trainer: "Um über das Vereinsjubiläum nachzudenken, bleibt da keine Zeit."

Info

Ein Blick in die Geschichtsbücher: Der größte Erfolg des FV Bad Vilbel

Die Jahrtausendwende war überstanden und auch der Abgang von Albert Repp hatte beim FV Bad Vilbel nicht zum Weltuntergang geführt – im Gegenteil: Im Jahr eins nach "König Albert", wie der geniale Mittelfeldspieler wegen seines Könnens, aber wohl auch ein bisschen in Anspielung auf sein besonderes Verständnis von Mannschaftssport genannt wurde, war tatsächlich der ganz große Wurf drin. Am 14. April 2000, in einem der Freitagabendspiele übernahm die Mannschaft von Trainer Karl-Heinz-Volz die Tabellenführung in der Fußball-Oberliga Hessen mit einem 3:0 gegen Germania Horbach. Fünf Spieltage vor Schluss wurden Meisterschaftsträume geträumt am Niddasportfeld. Zumal tags darauf der "geliebte Feind" und Wetterauer Nachbar KSV Klein-Karben sein Spiel in Baunatal vergeigte (0:1) und am Sonntag der SC Neukirchen zu Hause gegen Eintracht Frankfurt II mit 0:3 unterlag. Schon am nächsten Spieltag ging es an einem Freitagabend zum SV Bernbach und nach dem 0:1 im Freigerichter Ortsteil war die Tabellenführung futsch – Klein-Karben hatte gleichzeitig mit 1:0 gegen Kickers Offenbach II gewonnen. Neukirchen zog am nächsten Tag nach, und es blieb bis zum letzten Spieltag bei einem Punkt Vorsprung für Klein-Karben und Neukirchen, die vor dem Fernduell um den Titel auch noch die gleiche Tordifferenz auswiesen. Am 27. Mai 2000 empfing der FV Bad Vilbel den SC Neukirchen, während der KSV Klein-Karben beim FSV Braunfels ran musste. Der nötige Sieg gelang Bad Vilbel nicht. Und auch Neukirchen ging trotz des 3:1 am Niddasportfeld gesenkten Hauptes vom Platz. Denn die Kunde vom Klein-Karbener 6:2 in Braunfels machte die Runde. In den kommenden Jahren erreichte Bad Vilbel noch manch achtbaren Tabellenplatz, der Rückstand auf die Spitze aber war immer gewaltig. 2007 musste der damals "dienstälteste" Hessenligist absteigen. Und es dauerte bis 2018, ehe die Rückkehr gelang – genau pünktlich, um den 100. Vereinsgeburtstag als Hessenligist zu erleben.

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