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Helms trifft in der Verlängerung

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Die Entscheidung: Kyle Helms erzielt in der Verlängerung den Treffer zum 3:2-Sieg des EC Bad Nauheim gegen die Löwen Frankfurt.
Die Entscheidung: Kyle Helms erzielt in der Verlängerung den Treffer zum 3:2-Sieg des EC Bad Nauheim gegen die Löwen Frankfurt. © Joachim Storch

(mn) Ein Ziehen, Zerren und Schubsen. Ein Kampf um jeden Zentimeter Eis. Der vermeintliche Ausgleichstreffer, dem die Anerkennung verweigert wurde, Checks an der Grenze der sportlichen Legalität, ein emotionaler Hexenkessel von 4500 Zuschauern - und die Entscheidung in der Verlängerung.

Der EC Bad Nauheim und die Löwen Frankfurt unterstrichen im Hessen-Derby der Deutschen Eishockey-Liga 2 fast alle Facetten, die eine solche Partie hatte erwarten lassen - mit dem glücklicheren Ende für die Roten Teufel. In der dritten Minute der Verlängerung drückte Kyle Helms einen Querpass von Matt Beca zum 3:2 (1:1, 0:1, 1:0/1:0) über die Torlinie. Zuvor hatte Sven Gerbig die Gastgeber in Führung geschossen (6.), Patrick Strauch war sechs Minuten vor dem Ende der Ausgleich zum 2:2 gelungen. »Wir haben nie ans Verlieren gedacht, sondern immer an unsere Chance geglaubt«, versicherte RT-Goldhelm Vitalij Aab, als seine Mitspieler während einer Ehrenrunde noch gefeiert worden sind. Ihren zweiten Matchwinner neben Helms hatten die Gastgeber in Jan Guryca. Der Torwart hielt seine Mannschaft während eines Durchhängers im zweiten Abschnitt mit sogenannten »Big Saves« gegen David Elsner und Nick Mazzolini im Spiel.

Die Roten Teufel hatten diesmal gleich zwei Debütanten im Kader: David Hajek als Kontingentspieler anstelle von Dan Ringwald (verletzt) in der Verteidigung, sowie mit Stürmer Dominik Daxlberger neben Jonas Noske einen zweiten Förderlizenzspieler aus Düsseldorf. Goran Pantic wurde diesmal gar nicht erst nominiert, Deion Müller blieb ebenso wie Alexander Baum ohne Eiszeit. Die Löwen Frankfurt - ohne Kyle Ostrow, Marc Schaub, Thomas Ziolkowski und Frederik Gradl angetreten - hatten derweil erneut ein Quartett aus dem Kader der Nürnberg Ice Tigers mit in die Wetterau gebracht. Dort präsentierten sich die Gastgeber gestern im »Rübenbauern-Trikot«, einem Derby-Jersey im Latzhosen-Design. Als Rübenbauern werden die Roten Teufel in der Mainmetrople verspottet.

Bad Nauheim kam schneller in die Partie; sicherlich auch unterstützt durch den Führungstreffer durch Sven Gerbig. Wenige Sekunden vor Ablauf einer Überzahl hielt der Center, der diesmal wieder in den dritten Block aufgerückt war, seinen Schläger in einen Schuss von Jonas Noske und traf zum 1:0. Den Gastgeber gelang es meist schon in der neutralen Zone, die Offensiv-Bemühungen zu unterbinden. Das Remis zur ersten Pause (Nick Mazzolini war ebenfalls im Powerplay erfolgreich) schmeichelte den Gästen angesichts der guten Möglichkeiten, die Bad Nauheim noch durch Aab oder auch Max Campbell hatte.

Im zweiten Durchgang übernahm Frankfurt das Kommando, war Herr im Ring. Die Löwen-Führung - nur eine Frage der Zeit - erzielte Nils Liesegang (32.), bevor eine turbulentes Schlussdrittel die Zuschauer in Atem hielt. Bad Nauheim ließ die Überzahl-Chancen fünf und sechs nun torlos verstreichen, ehe Strauch einen Hajek-Schuss im Rebound zum Ausgleich verwandeln konnte (54.). Emotionen brachte ein Check von Daniel Ketter gegen David Cespiva, der benommen am Boden blieb, ins Spiel, anschließend versuchte Löwe Henry Martens vergeblich, seinen Teamkollegen per Boxkampf zu rächen. Bad Nauheim überstand die folgende kräfteraubende Unterzahl und rettete sich in die Verlängerung.

»Wir haben heute Punkte liegen lassen«, ärgerte sich Löwen-Trainer Tim Kehler, der am Ende auf Dennis Reimer (Verdacht auf Gehirnerschütterung), Richard Mueller (muskuläre Probleme) und eben Cespiva (»Er ist heftig durchgeschüttelt worden«) hatte verzichten müssen. Petri Kujala, der RT-Coach, sprach von einem »etwas glücklichen Siegtor« und lobte seine Mannschaft für das Unterzahlspiel in der Schlussphase. »Dieser Sieg war wichtig für den Kopf«.

Gut und gerne 6000 Tickets hätten die Roten Teufel zu diesem Spiel an den Mann, sprich: den Zuschauer, bringen können, verriet RT-Geschäftsführer Andreas Ortwein. Rund 280 VIP-Gäste, drei Fernsehteams und knapp 40 akkreditierte Medienvertreter unterstreichen den Stellenwert dieser Begegnung.

EC Bad Nauheim: Guryca – Paris, Ketter, Hajek, Schütz, Noske, Blankart – Frosch, Lange, Aab, Helms, Campbell, Beca, Oppolzer, Gerbig, Strauch, Spöttel, May, Daxlberger.

Löwen Frankfurt: Hogan - Vogl, Jarvis, Cespiva, Henry Martens, Vas, Schwarz, Weber - Breitkreuz, Gare, Pfleger, Norman Martens, Mazzolini, Elsner, Mueller, Liesegang, Magowan, Gelke, Wichert, Reimer.

Steno: Tore: 1:0 (6.) Gerbig (Noske, Oppolzer - 5-4), 1:1 (14.) Mazzolini (Vas, Norman Martens - 5-4), 1:2 (32.) Liesegang (Weber, Magowan), 2:2 (54.) Strauch (Hajek, Gerbig), 3:2 (63.) Helms (Beca, Blankart). – Schiedsrichter: Jens Steinecke. – Strafminuten: Bad Nauheim 14 plus fünf Minuten plus Spieldauer (Ketter), Frankfurt 20 plus zehn Minuten (Henry Martens). – Zuschauer: 4500 (ausverkauft).

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