Auf Platz zehn landet der beste Falken-Porsche 911 GT 3 R, eingesetzt vom Butzbacher Team Schnabl Engineering, beim legendären 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Das Schwesterauto kommt direkt dahinter auf Rang zwölf ins Ziel.
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Auf Platz zehn landet der beste Falken-Porsche 911 GT 3 R, eingesetzt vom Butzbacher Team Schnabl Engineering, beim legendären 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Das Schwesterauto kommt direkt dahinter auf Rang zwölf ins Ziel.

Coronavirus-Krise

Hauptsache ein Ziel: Wie das Butzbacher Rennteam Schnabl Engineering durch die Corona-Krise kommt

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Mit dem 24-Stunden-Rennen am Nürburgring endete für das Butzbacher Team Schnabl Engineering eine schwierige Saison. Teamchef Sven Schnabl blickt dennoch optimistisch in die Zukunft.

Auch wenn Ende Oktober und Anfang November noch drei Rennen der Nürburgring-Langstrecken-Serie (ehemals VLN) auf dem Programm stehen, für das Butzbacher Team Schnabl Engineering ist die Motorsportsaison 2020 Geschichte. Das 24-Stunden-Rennen auf der legendären Nordschleife am vorletzten Wochenende markierte den Schlussakt in einer in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen Saison für die Mannschaft rund um Teamchef Sven Schnabl. "Es war wirklich schwierig", sagt er im Rückblick. "Nach unseren Testtagen in Portugal im Februar hat sich bis Mitte Juni kein Rad gedreht. Auch anschließend war es für alle eine total neue Situation, die ein vollkommen anderes Setup benötigt."

Wie in vielen anderen Sportarten hat die Coronavirus-Pandemie dem Herr der beiden Falken-Porsche 911 GT 3 R einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht: Saison verschoben, verkürzt, zusammengestaucht. "Wir waren froh, dass es überhaupt los ging", sagt Schnabl. "Aber natürlich macht es die Sache nicht einfacher, wenn wir jedes Mal anders aufbauen und arbeiten müssen, weil sich die Situation geändert hat."

Plötzlich wurden Masken zur Pflicht in der Box, die Teams wurden voneinander getrennt, die Mannschaften stark reduziert. "Gerade am Anfang durften nur 15 Leute pro Team rein. Das geht bei uns eigentlich gar nicht, weil wir alleine vier Ingenieure pro Auto haben", erklärt Schnabl. "Wir waren aber auch nicht in der Situation, irgendetwas abzusagen, sondern haben mitgenommen, was ging."

Glücklicherweise habe es in Sachen Corona keine Komplikationen gegeben, auch wenn sowohl die Langstreckenserie mit vier Rennen, das 24-Stunden-Rennen, als auch der Porsche Super-Cup als Teil des Formel-1-Zirkusses, bei dem Schnabl Engineering die technische Leitung innehat, über die Bühne gegangen sind. Dafür mussten allerdings jede Menge Tests ihr Leben lassen. "Ich alleine habe bestimmt 20 gemacht, ein Mitarbeiter von mir gar 25", erzählt Schnabl. "Aber es hat alles funktioniert, zumal wir wussten, dass wir auch eine Art Vorbildfunktion für die Teams haben, die das nicht professionell betreiben."

In sportlicher Hinsicht ist der Butzbacher allerdings nicht zufrieden: Rang zehn und elf beim 24-Stunden-Rennen - dazu noch ein Porsche vor den Falken-Boliden - war nicht das, was er sich ausgemalt hat. "Das ist erst einmal solide, zumal wir unter den schwierigen Bedingungen samt Rennunterbrechung mit beiden Autos ins Ziel gekommen sind, aber klar ist auch, dass der Anspruch höher ist,", sagt Schnabl. "Wir waren technisch die gesamte Saison nicht die Überflieger. Kein Porsche war in der Lage, mal ein Rennen oder ein Qualifying zu gewinnen." Das habe auch an der Balance of Power (BoP) gelegen, die die Unterschiede zwischen den Autos der verschiedenen Hersteller regulieren soll. Hier seien die Porsche nicht unbedingt bevorteilt worden, wie Schnabl es diplomatisch formuliert. Die Entscheidung vor der Saison, auf zwei Porsche zu setzen statt wie bislang auf Porsche und BMW habe er aber nicht bereut - gerade angesichts der wenigen Renntage. "Das macht es einfacher, wenn man parallel Dinge ausprobieren kann und auch dieselben Ersatzteile braucht", erklärt er. "Wir müssen das Gesamtpaket einfach noch runder machen."

Hoffen auf normale Saison 2021

Schnabl hofft nun auf Normalität zur kommenden Saison. Doch bis die Vorbereitungen dafür richtig losgehen, wird noch viel Zeit vergehen. "Wir brauchen in den Herbst- und Wintermonaten nicht auf dem Nürburgring testen, Auslandsaufenthalte sind aber auch nicht geplant, weil das neben der Corona-Lage natürlich in diesen Zeiten auch eine Kostenfrage ist", erklärt er. Die Tatsache, dass das nächste 24-Stunden-Rennen aber wieder wie gewohnt im Juni stattfinden könnte, erhöht den Druck. "Wenn wir im März zum ersten Mal testen gehen, haben wir noch zehn bis zwölf Wochen. Das wird sehr eng", sagt Schnabl - auch mit Blick auf den japanischen Reifenhersteller Falken, der angesichts von Corona-Krise und weniger Rennen in diesem Jahr natürlich auch weniger Chancen hatte, neue Entwicklungen zu testen.

Immerhin: Das Schnabl’sche Geschäftsmodell steht nicht zur Disposition. "Grundsätzlich gibt es von Falken die Bereitschaft, weiterzumachen", sagt der Teamchef, betont aber auch: "Bis es wieder los geht, sind noch einige Details zu klären. Wir hoffen einfach, dass es nächste Saison irgendwie normal weitergeht."

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