Meister der Volleyball-Oberliga: Unser Bild zeigt die SG Rodheim II.
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Meister der Volleyball-Oberliga: Unser Bild zeigt die SG Rodheim II.

Haudraufs und Abgeklärte bei Aufsteiger SG Rodheim II

(mw) Ein Trainer, der für dieses Amt auf seine Karriere als Spieler verzichtete. Eine Mannschaft, in der den Jüngsten und den Ältesten fast 30 Jahre trennen. Eine Nervenstärke, die sechs Tiebreak-Siege einbrachte. Das ist die SG Rodheim II, im Vorjahr noch Kellerkind der Volleyball-Oberliga, jetzt Aufsteiger in die Regionalliga Südwest.

Nach dem mit viel Mühe realisierten Klassenerhalt in der Vorsaison gab es eine Menge Unklarheiten, die Erfolgsgeschichte der vergangenen zwölf Monate ist dafür umso bemerkenswerter. Die Volleyballer der SG Rodheim II haben bereits einen Spieltag vor Schluss die Meisterschaft in der Oberliga gesichert und stehen damit als Aufsteiger in die Regionalliga fest. Dass am letzten Spieltag vergangenes Wochenende die unglaubliche Serie von zwölf Siegen beim 0:3 in Darmstadt endete, störte kaum jemand. Erstmals treten die Rodheimer mit der zweiten Mannschaft 2014/15 in der vierthöchsten deutschen Spielklasse an – ein Beweis für die überragende Arbeit bei der Sportgemeinschaft. Und konkret für die »Zweite Herren« ein Indiz für den Faktor Detlef Zschiesche.

Vorvergangenen Donnerstag, Sporthalle Rodheim. Abschlusstraining der zweiten Mannschaft. Traditionsgemäß wird Fußball gespielt, sechs gegen sechs auf kleine Tore und engem Raum. Das Niveau ist hoch; jahrelange Erfahrung und die damit verbundene technische Sicherheit ist erkennbar. Detlef Zschiesche spielt normalerweise mit, hat sich aber Zeit für das WZ-Gespräch genommen. »Die Jungs kommen von der Arbeit und sollen erstmal den Kopf frei kriegen. Spielnahes Warmmachen in Form von Fußball gibt es schon immer bei der SG Rodheim und macht absolut Sinn«, erklärt der A-Lizenz-Inhaber.

Seit 26 Jahren ist Zschiesche in verschiedenen Funktionen in der Volleyball-Abteilung der SG Rodheim tätig, in der vergangenen Saison spielte er selbst noch in der zweiten Mannschaft. Als Tomas Sykora vor Beginn dieser Spielzeit seinen Rücktritt erklärte, sei der Verein auf ihn zugekommen. »Es liegt mir viel an der Mannschaft. Ich hätte zwar gerne noch gespielt, aber beides geht nicht. Ich habe mich für das Traineramt entschieden«, erklärt der 42-Jährige, der als Lehrer in den Fächern Mathe und Physik an der Augustinerschule Friedberg arbeitet. »Ich gebe schon morgens und mittags Anweisungen. Abends, sprich beim Volleyball, wollte ich das eigentlich nicht mehr machen.« Eigentlich.

Zschiesche nahm also die Arbeit auf, stellte den Kader zusammen, formulierte Ziele, erarbeitete Trainingspläne. Alexander Schuld, Morris Liebster sowie die Youngster Moritz Sachs und Tim Breitenfelder stießen hinzu, nur Zschiesche und der in die erste Mannschaft aufgerückte Andreas Böhmer standen nicht mehr zur Verfügung. Zuspieler Andreas Zander signalisierte, wieder mehr am Training teilnehmen zu können – ein unfassbares Plus, denn als einziger Zuspieler im Kader bildete er quasi die Achillesferse.

Dazu kamen die Routiniers Stefan Kann, Stefan Brömmeling, Jens Bender und Holger Lenz, die »Mittelalteren« Robert Leuner, Thomas Lingenau und Max Gaus. Die Konsequenz: Eine Mannschaft, in der fast jeder Akteur schon in Rodheim höherklassig gespielt hat, eine perfekte Altersmischung mit einer Spanne von fast 30 Jahren (Zschiesche: »Haudraufs und Abgeklärte«), Alternativen auf allen Positionen unter dem Motto »Konkurrenz belebt das Geschäft«. Gepaart mit der guten Trainingsbeteiligung hatte Zschiesche die Möglichkeit, Spielzüge einzustudieren, Taktiken auszuarbeiten, Automatismen zu entwickeln.

Die professionelle Arbeit – vorgelebt von der Seitenlinie, ausgeübt auf dem Feld in Trainingseinheiten und Spielen – trug Früchte. Ein 1:3 gegen Orplid Darmstadt am zweiten Spieltag und das 2:3 gegen Goldstein im November waren die einzigen beiden Niederlagen auf dem Weg zur Meisterschaft, das bedeutungslose 0:3 zum Abschluss ausgeklammert. Da die zwei Punkte in Goldstein aufgrund eines Formfehlers in ein 0:3 umgewandelt wurden, weißt die offizielle Statistik keine Tiebreak-Niederlage aus. Sechsmal musste die SGR II offiziell in den fünften Satz – sechsmal behielt das Zschiesche-Team die Nerven.

»Wenn es 14:14 steht, greifen die Automatismen. Außerdem konnte ich auf vergleichbarem Niveau wechseln und hatte immer erfahrene Spieler auf dem Feld. Das sind große Vorteile«, nennt Zschiesche die Gründe für die Nervenstärke, die übrigens auch die erste Mannschaft kennzeichnet (4:1-Bilanz in Tiebreaks). Nach der alten Punkteregelung wären die Rodheimer schon früher Meister gewesen, doch Zschiesche begrüßt die Veränderungen (»Das macht Volleyball spannender«). Ebenfalls Kopfsache war vielleicht die Umstellung vom Groß- aufs Kleinfeld, das Spielfeld glich also dem Trainingsfeld. Die Piraten verloren kein Heimspiel in der neuen Rodheimer Halle.

Für die kommende Saison möchte Zschiesche die Mannschaft zusammenhalten. »Einige Fragezeichen gibt es noch. Die Personalplanungen der Ersten spielen auch eine Rolle«, weiß der Lehrer. Mit dem aktuellen Team sieht er gute Chancen, die Regionalliga zu halten. »Der Unterschied ist nicht so riesig.«

Zurück zu unserem Besuch beim Abschlusstraining. Die »Fußballteams« gehen in die Halbzeit, zeitgleich sind alle WZ-Fragen an Detlef Zschiesche beantwortet. Der Trainer zieht sich schnell um und kickt nach dem Seitenwechsel mit. Sicherlich auch ein Erfolgsgeheimnis in Rodheim.

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