In Aktion: Handball-Weltmeister Dominik Klein gastiert zwei Tage für ein Nachwuchscamp der HSG Mörlen in der Wetterau. FOTO: NICI MERZ
+
In Aktion: Handball-Weltmeister Dominik Klein gastiert zwei Tage für ein Nachwuchscamp der HSG Mörlen in der Wetterau. FOTO: NICI MERZ

Weltmeister zu Gast

Handball-Weltmeister Dominik Klein zu Gast bei der HSG Mörlen: "Das sind Werte fürs Leben"

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
    schließen

Zwei Tage Training mit einem Weltmeister - welcher Nachwuchssportler hätte das nicht gerne? Für Handballer der HSG Mörlen ist dieser Wunsch wahr geworden: Dominik Klein, WM-Champion von 2007, war zu Gast - und brachte mehr mit, als nur sein Wissen über Handball.

Der Kontakt kam über Florian Naß zustande - kaum ein anderer TV-Journalist kennt die deutsche Handballszene besser. Der in Ober-Mörlen wohnhafte ARD-Reporter hat auch Kontakt zu Dominik Klein, nicht nur Gewinner der WM von 2007 in Deutschland, sondern seit einiger Zeit auch Naß’ Kollege als Experte im "Ersten". Nach einem gemeinsamen Treffen mit HSG-Chef Siggi Bläsche folgte die Einladung zur HSG Mörlen, die Klein nun angenommen hat.

Herr Klein, Sie sind für ein zweitägiges Jugend-Camp der HSG Mörlen zu Gast. Wie gefällt es Ihnen?

Ich bin hier in die Halle gekommen und habe gedacht, dass ich hier schon mal war. Also habe ich nachgefragt, und wir haben festgestellt, dass ich hier beim 100-jährigen Vereinsjubiläum mit der SG Wallau/Massenheim gegen die HSG Wetzlar gespielt habe. Es ist immer schön, wohin zu kommen, wo man auch einen Bezug zu hat. Ich bin jemand, der unglaublich gerne in der Halle steht und den Kinder etwas zurückgibt. Wenn dann auch noch ein Bezug da ist, macht es umso mehr Spaß, zumal auch die Organisation top und alles sehr harmonisch ist.

Sie arbeiten für den Bayerischen Handballverband auch in der Nachwuchsarbeit. Wie ist Ihr Eindruck?

Wir haben nach wie vor ein unglaubliches Potenzial - egal ob in Bayern, in Hessen oder sonst wo. Wir haben viele begeisterte Talente, weil wir das vorleben. Die Nationalmannschaft ist hier nach wie vor das Zugpferd. Wenn sie erfolgreich ist, ist sie medial präsenter und wir erleben einen Boom in den Vereinen.

Inwiefern konterkariert die Corona-Krise das?

Ich glaube, hier ist der Sport - wie die gesamte Gesellschaft - gespalten. Es gibt Vereine, die hört man lauter schreien, dass sie das nicht stemmen können, aber es gibt mindestens genauso viele, die unbedingt wieder trainieren und spielen wollen, weil sie engagiert sind. Das ist aber auch die größte Schwierigkeit für die Verbände. Hier muss man Wochenende für Wochenende lernen. Dabei muss man viel Verständnis füreinander mitbringen, und auch das Ehrenamt entsprechend wertschätzen.

Die neuen Spielzeiten sind komprimiert, egal ob bei Profis oder Amateuren. Wie bewerten Sie das mit Blick auf die Belastung?

Was den Profibereich angeht, wird das fast unmenschlich. Aber auch im Amateurbereich haben die Ehrenamtlichen viel zu stemmen und eine enorme Verantwortung. Da verstehe ich auch, wenn einer fragt, wie man das überhaupt noch schaffen soll. Da braucht es Hilfe untereinander.

Sie haben mal gesagt: "Handball ist meine Leidenschaft". Gilt das noch?

Ich finde, viel besser kann man den Übergang vom Profi in die Arbeitswelt nicht gestalten. Mir geht es darum, sowohl bei meinem Job bei der ARD diese Leidenschaft Millionen von Zuschauern rüberzubringen, als auch in der Arbeit mit Kindern in der Halle zu stehen und ihnen und ihren Trainern etwas davon zu vermitteln. Es geht darum, die Breite zu begeistern. Wir brauchen die Breite, um die Spitze zu fördern. Und so etwas kann man nur vorleben.

Wie groß ist die Bedeutung für Vereine, wenn ein Weltmeister wie Sie zu Besuch kommt?

Das ist für mich selbst schwierig zu bewerten. Aber wir als Handballer haben sowieso alle dieselbe Leidenschaft im Herzen, und genau diese Nahbarkeit sollten wir uns bewahren. Für mich selbst ist es unglaublich einfach, mal für ein, zwei Tage bei einem Camp vorbeizuschauen und Energie reinzubringen, aber das Schwierige ist, dass der Verein und seine Trainer das auch mittragen und diese Energie möglichst lange halten. Das muss man wertschätzen, weshalb die Ehrenamtlichen die größte Dankbarkeit und Aufmerksamkeit von allen Seiten brauchen.

Sie haben vor einigen Jahren in einem Interview mal gesagt, "Erziehung findet in der Halle statt". Wie stehen Sie heute dazu?

Dominik Klein

Handball-Weltmeister von 2007 achtmal deutscher Meister, dreimal Champions-League-Sieger: Dominik Klein hat als Nationalspieler und Profi für den TV Großwallstadt, die SG Wallau/Massenheim, den THW Kiel und den französischen Topklub HBC Nantes (fast) alles gewonnen. Nach dem Ende seiner Karriere 2018 arbeitet der heute 36-Jährige inzwischen als Marketingleiter für den Bayerischen Handballverband sowie als Experte für die ARD. Der verheiratete Vater zweier Kinder ist am nächsten Sonntag (18. Oktober) für den NDR beim Bundesliga-Derby zwischen Kiel und der SG Flensburg/Handewitt im Einsatz.

Ich bin mittlerweile so weit, dass wir die Kinder nicht nur in der Halle, sondern auch außerhalb davon erziehen sollten, indem wir ihren Blick über den Tellerrand hinaus lenken. Wir wollen mündige und intelligente Spieler, die auf dem Parkett schnelle und gute Entscheidungen treffen sollen. Entsprechend sollten wir sie auch erziehen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, die wir als Mannschaftssportart mit unserer Zielstrebigkeit, unserer Disziplin, unserem Spaß, in der Gruppe erfolgreich zu sein, haben. Und das sind alles Werte fürs Leben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare