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Der Friedberger Abteilungsleiter Uli Kaffenberger (r.) verabschiedet vor dem entscheidenden letzten Saisonspiel gegen Heuchelheim Kreisläufer Christopher Gustavsson. Doch auch danach weiß er nicht, in welcher Liga sein Team kommende Saison spielt. (Foto: Nici Merz)

TG Friedberg

Handball-Landesliga: Wie die TG Friedberg die Hängepartie um den Abstieg erlebt

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Ist der Klassenerhalt sicher oder nicht? Das Abstiegschaos in der Handball-Landesliga Mitte ist auch einen Tag danach noch in aller Munde. TG-Abteilungsleiter Uli Kaffenberger steht Rede und Antwort.

Bereits das letzte Saisonspiel für sich war ein Krimi, den die TG Friedberg aufgrund eines aberkannten Tores in den Schlusssekunden letztlich mit 24:25 denkbar knapp gegen die TSF Heuchelheim verlor – doch was danach kam, sprengte alle Grenzen. Die Ungewissheit über die Ligazugehörigkeit des Aufsteigers in der neuen Saison ist auch zwei Tage später immer noch da. Die Lage hatte sich im Laufe des Wochenendes mehrfach geändert, ehe am Sonntagnachmittag die Gewissheit kam: Friedberg ist Zehnter und könnte damit als fünfter Verein den Gang in die Bezirksoberliga antreten müssen. Im Interview mit der WZ beschreibt TG-Abteilungsleiter Uli Kaffenberger seine Gefühlslage, die aktuelle Situation – und die Schwierigkeiten, die daraus entstehen.

Herr Kaffenberger, wie haben Sie das Spiel Ihres Teams am Samstagabend erlebt?

Uli Kaffenberger: Wir waren in der ersten Halbzeit auf einem guten Weg, haben dann aber fünf Minuten den Faden verloren und aus einem 9:7 ein 9:12 gemacht, was letztlich spielentscheidend war. In der Pause wussten wir dann, wie die anderen Spiele ausgegangen waren und waren immerhin sicher, nicht mehr direkt absteigen zu können. Doch dann hat die Rechnerei erst angefangen, sodass ich in der zweiten Halbzeit höchstens noch mit einem Auge beim Spiel war. Wir sind zurückgekommen und hätten ein Unentschieden verdient gehabt, doch die Schiedsrichter haben uns das letzte Tor aberkannt.

Was ist da passiert?

Kaffenberger: André Avemann schließt aus meiner Sicht einen normalen Angriff aus dem Rückraum ab. In der Sekunde, wo der Ball im Tor ist, pfeifen die Schiedsrichter ab und es gibt Freiwurf für uns – dabei haben sie gesagt, sie hätten bei Avemann Schritte gesehen. Es war leider nur eine von einigen unglücklichen Entscheidungen des Gespanns, aber darauf will ich die Niederlage und die Gesamtsituation nicht reduzieren. Wir hätten das Dilemma schon lange vorher vermeiden können, indem wir gegen unsere direkte Konkurrenz aus Oberursel und Goldstein/Schwanheim einfach gewinnen.

Wie hat sich die Tabellensituation im Laufe des Wochenendes dann entwickelt?

Kaffenberger: Ich hatte im Vorfeld bereits mit dem Klassenleiter telefoniert, und wir waren uns einig, dass bei Punktgleichheit die Tordifferenz zählt, am Samstagabend wollte er dann aber nichts sagen und erst Sonntag eine Entscheidung bekanntgeben, was ich verstehen kann. Die kam dann auch erst genau wie besprochen, ehe sie kurz darauf korrigiert wurde und wir aufgrund eines Tores weniger im direkten Vergleich nun doch hinter der HSG Lollar/Ruttershausen stehen. Diese Zusatzbestimmung des Hessischen Handballverbandes hatten weder der Klassenleiter noch ich gesehen. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Ich verstehe nicht, wieso der Verband in solchen Fällen nicht flexibler reagieren kann

Uli Kaffenberger

Wie ist die Lage aktuell bei Ihnen?

Kaffenberger: Es ist äußerst unglücklich. Wir müssen jetzt auf Kirchzell hoffen. Als Oberliga-Meister spielen sie gemeinsam mit den elf anderen Meistern der deutschen Oberligen zehn Mannschaften für die Dritten Ligen aus. Erst in Hin- und Rückspiel die ersten sechs, dann in zwei Dreiergruppen noch einmal vier. Das zieht sich im schlimmsten Fall bis Pfingsten hin. Dennoch bin ich grundsätzlich positiv eingestellt.

Was bedeutet das für Ihre Planungen?

Kaffenberger: Das genau ist die Krux. Genauso wie Münster in der Oberliga befinden wir uns in einer unsäglichen Hängepartie, die sich bis zum Start der Vorbereitung ziehen kann. Wir wissen einfach nicht, in welcher Liga wir nächste Saison spielen und können daher unseren Spielern überhaupt nichts sagen. Wir werden uns daher jetzt sammeln, nach vorn schauen und ein paar Gespräche führen, da wir ohnehin wissen, dass wir uns auf der einen oder anderen Position verstärken müssen.

Wie ist Ihre abschließende Bewertung des gesamten Dramas?

Kaffenberger: Die Spielordnungen und Bestimmungen sind so komplex, dass ich das Gefühl habe, man muss Jura studiert haben, um es zu verstehen. Das kann nicht gut für den Sport sein. Es muss irgendwie einfacher gehen. Es könnten in einer 14er-Staffel fünf Teams absteigen. Das ist doch Wahnsinn! Ich verstehe nicht, wieso der Verband in solchen Fällen nicht flexibler reagieren kann.

Meinung

Kommentar: Ein Bärendienst für die Vereine

Landesliga oder Bezirksoberliga? Diese Frage könnte sich für die TG Friedberg im schlimmsten Fall erst am Pfingstwochenende klären. Der deutsche und der hessische Handball-Verband haben mit ihren Umstrukturierungen in den oberen Ligen den Amateurvereinen einen Bärendienst erwiesen. Nur zehn der zwölf Oberliga-Meister dürfen in die 3. Liga aufsteigen, weil die zweite deutsche Spielklasse umstrukturiert wird. Die Folge: Die TSG Münster in der Oberliga und die TG Friedberg in der Landesliga hängen nun in der Luft, weil sie nicht wissen, ob sich der hessische Vertreter TV Kirchzell nächste Jahr drittklassig spielt oder nicht.  Die Vorhersage einer solchen Konstellation hätte man bereits zu Saisonbeginn vorahnen können. Sollte man sie wissentlich einkalkuliert haben, wäre das alles andere als clever gewesen, aber auch nur halb so schlimm im Vergleich zur aktuellen Situation. Denn die Verantwortlichen haben die Klassenleiter am Wochenende im Regen stehen gelassen. Alle Beteiligten hätten spätestens nach dem vorletzten Spieltag über die Konstellation Bescheid wissen können, wenn nicht gar müssen. Vorbereitet war anscheinend kaum einer, denn anders lässt sich das stundenlange Hin und Her zwischen Samstag- und Sonntagabend nicht erklären. Das schadet nicht nur den Vereinen, sondern auch dem Sport insgesamt, weil ein derartig komplexes Regelwerk dem Laien auf der Tribüne schlicht nicht vermittelbar ist. Hier sollte in der Sommerpause dringend nachgebessert werden.

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