Wer haftet bei einer Corona-Infektion?

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(vho). Aufgrund von Spekulationen zur Haftung von Vereinen bei einer möglichen Coronavirus-Infektion auf dem Vereinsgelände bringt der Landessportbund Hessen (Lsb h) nun Licht ins Dunkel:

Die Haftung wegen einer Infektion einer Person mit Sars-CoV-2 setze eine Sorgfaltspflicht-Verletzung der Vereins-Verantwortlichen voraus. Insofern habe der Vereinsvorstand alle Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich und geeignet sind, eine Verbreitung des Virus und eine Infektion der Teilnehmer beim Sportbetrieb des Vereins zu verhindern. Hierzu zählen Vorkehrungen und Schutzmaßnahmen zur Hygiene, Steuerung des Zutritts und Gewährleistung des Mindestabstands.

Die jeweils zu treffenden Maßnahmen hingen von örtlichen Begebenheiten und der Sport ab, sind also den Umständen des Einzelfalles anzupassen. Vorkehrungen wie die Registrierung der Teilnehmer, Hinweise auf Husten- und Nies-Etikette und kontaktfreie Begrüßungen sowie regelmäßige Reinigungsintervalle sollten zu den Standardmaßnahmen gehören. Dabei müsse eines allen Beteiligten klar sein: Einen absoluter Schutz wird es nicht geben

Eine infizierte Person müsse übrigens nachweisen, dass die Infektion durch die Teilnahme am Vereinssportbetrieb verursacht und durch das Verhalten des Vorstands oder anderer Verantwortlicher des Vereins verschuldet worden ist. Ersteres dürfte praktisch kaum möglich sein.

Im Übrigen ist die Haftung des Vorstands, der unentgeltlich tätig ist oder keine den Ehrenamtsfreibetrag überschreitende Vergütung erhält, im Verhältnis zum Verein und zu den Mitgliedern des Vereins auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt. Grobe Fahrlässigkeit bedeutet, dass die erforderliche Sorgfalt in besonders hohem Maße außer acht gelassen wurde. In einem solchen Fall würde auch geprüft, ob die betroffene Person ein Mitverschulden trifft.

In erster Linie hafte also der Verein der Verein. Allerdings könne dieser Erstattung bei einem Vorstandsmitglied geltend machen, wenn dieses die Infektion mindestens grob fahrlässig herbeigeführt hätte. Ist das Vorstandsmitglied entgeltlich tätig, hafte es auch für einfache Fahrlässigkeit.

Möglicherweise kann die geschädigte Person auch direkt beim verursachenden Vorstandsmitglied Schadensersatz geltend machen. Dann kann aber wiederum das Vorstandsmitglied vom Verein Erstattung verlangen, wenn es selbst nicht grob fahrlässig gehandelt hat. Dies gilt aber nur, wenn das Vorstandsmitglied unentgeltlich tätig ist oder höchstens eine Vergütung von 720 Euro im Jahr erhält.

Auch beim schuldhaftem Verhalten eines Übungsleiter oder eines "einfachen" Mitglieds gilt: Der Verein haftet, kann aber möglicherweise Erstattung von der schuldhaft handelnden Person verlangen. Ist diese unentgeltlich im Verein tätig, aber nur im Falle von grober Fahrlässigkeit.

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