"Gut ist anders, aber…"

  • Philipp Keßler
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(phk). Seit vergangenen Mittwoch ist klar: Auch die 3. Ligen und die Jugend-Bundesligen im Handball pausieren bis Jahresende. Sie sollen laut eines Beschlusses von Präsidium und Vorstand des Deutschen Handballbundes (DHB) ebenso wie die Amateurspielklassen am 9./10. Januar ihren Spielbetrieb fortsetzen - sofern die Coronavirus-Pandemie das zulässt.

Der Hintergrund der Entscheidung, von der auch die Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda betroffen sind: Von insgesamt 131 Mannschaften der 3. Ligen (72 Männer, 59 Frauen) hatten am Mittwoch rund ein Drittel keine Erlaubnis zu trainieren. Etwa die Hälfte hätte auch ohne Zuschauer nicht spielen dürfen. Insgesamt ergab sich für die 3. Liga ein heterogenes Bild - auch, was die Einordnung als Amateur- oder Profisport durch die jeweiligen Landesregierungen betrifft. Für die Jugend-Bundesligen sei die Lage ähnlich gewesen. Der DHB, die Spielkommission 3. Liga und der Jugendspielausschuss wollen in den kommenden Wochen beraten, wie die Saison fortgesetzt werden kann, welches Testkonzept gegebenenfalls zum Einsatz kommen könnte, wo und in welchem Umfang Publikum ermöglicht werden kann sowie welche Anpassungen des Modus gegebenenfalls erforderlich sind. Fakt ist: Alle Teams sollen mindestens drei Wochen vor einem Restart wieder trainieren können.

Lob für den Verband

In Gedern und Nidda hätte man nach zwei Siegen zum Saisonstart gerne weitergespielt, "aber wir können es natürlich auch verstehen, wenn das jemand anders sieht - oder die Möglichkeiten dazu schlicht nicht vorhanden sind", erklärte HSG-Vorsitzender Martin Schindler. Er lobt den DHB und die Liga ausdrücklich für die gute und regelmäßige Kommunikation und den transparenten Umgang mit den Vereinen: "Das wurde sehr gut gelöst, und zumindest die Unsicherheit ist jetzt erst einmal ein Stück weg."

Sein Lob gilt aber nicht für den Hessischen Handballverband, unter dessen Ägide alle anderen Teams der Spielgemeinschaft aus dem Osten der Wetterau an den Start gehen: "Die Regel, dass zu Beginn der Runde jeder spielen konnte, der wollte, war einfach lächerlich. Und auch die Kommunikation war wie beim Saisonabbruch im Frühjahr einfach schlecht. Dabei gibt es genug ambitionierte Mannschaften, die einfach wissen wollen, wie es weitergeht", sagt er.

Während also die Mehrheit des Vereins aufgrund des zweiten Lockdowns im Sport zum Pausieren verdammt ist, dürfen die Drittliga-Frauen immerhin trainieren. "Trainer und Spielerinnen sind heilfroh. Das ist nicht selbstverständlich", sagt Schindler. Coach Christian Breiler habe bereits das Training mit vier Einheiten pro Woche so umgestellt, dass es einerseits nicht an Abwechslung mangele und andererseits auch neue Akzente mit Blick auf den Restart im neuen Jahr gesetzt werden. "Meine Tochter (Außenspielerin Kirsten Schindler, Anm. d. Red.) macht es gerade riesigen Spaß", sagt Martin Schindler. "Wenn wir jetzt mit dem Training eine Pause gemacht hätten, hätten wir leistungsmäßig auch einen Lockdown erlebt, deshalb nutzen wir die Möglichkeit, um das Team auch individuell weiter zu verbessern."

In Sachen Fortsetzung des Spielbetriebs droht angesichts des auf Ende Juni festgesetzten Saisonendes aber entweder ein enger Terminplan mit zwei Spielen pro Wochenende oder Partien unter der Woche - oder aber ein neuer Modus. Aktuell werde laut Schindler eine Einfachrunde mit anschließender Auf- und Abstiegsrunde diskutiert. "Wie es auch kommt: Man muss Abstriche machen", sagt er.

Treue Sponsoren

Immerhin: Finanziell stehe der Klub nicht so schlecht da, wie er vermutet habe: "Der allergrößte Teil unserer Sponsoren bleibt uns treu - das hätte ich angesichts der Unsicherheit nicht erwartet", sagt er. "Und mit den Einnahmen durch Zuschauer haben wir von Anfang an nicht geplant." Dennoch werde es demnächst Dauerkarten im Online-Ticketshop geben - "für alle, die den Verein einfach so unterstützen wollen". Sein Fazit: "Gut ist anders, aber wir sind froh, überhaupt trainieren zu dürfen. Das ist ein Privileg."

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