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Günter Eisinger: Ein Wetterauer in Peking

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(mw) Günter Eisinger ist lange genug im Geschäft, um die Lage einschätzen zu können. »Eine Medaille ist kein Selbstläufer«. Der Friedberger steht in der Nacht auf Donnerstag als Hochsprung-Trainer von Olympiateilnehmerin Ariane Friedrich vor dem wichtigsten Wettkampf seiner Übungsleiter-Laufbahn. Die Frankfurterin springt ab 3.50 Uhr deutscher Zeit um den Einzug in das Finale von Peking.

»Zunächst möchte ich in den Endkampf, und dann natürlich eine Medaille und Spaß haben«, sagte die sportlich bei der LG Eintracht Frankfurt beheimatete Friedrich vor der Abreise nach Japan, wo sich die Leichtathleten vor den Spielen akklimatisierten.

Die Chancen für Deutschlands aktuell mit großem Abstand beste Hochspringern, Edelmetall zu holen, stehen dabei nicht schlecht. Die 24-Jährige steht auf Rang zwei der Jahresweltbestenliste und überzeugte in dieser Saison nicht nur mit der Verbesserung ihres Hausrekords auf 2,03 Meter, sondern auch mit Konstanz auf hohem Niveau. Sechs Freiluft-Wettkämpfe beendete sie mit mindestens zwei Metern, zudem leistete sie sich wenig Fehlversuche. Auch dies könnte bei der Regelung im Hochsprung, dass bei Höhengleichheit die Anzahl der Fehlversuche einbezogen wird, ein Faktor im Kampf um die Medaillen sein.

Das Feld der Anwärterinnen ist dabei groß. »Eigentlich kann jede Finalspringerin eine Medaille gewinnen«, meinte Friedrich kürzlich. Sechs Athletinnen sind in diesem Jahr schon über zwei Meter gesprungen, weitere hat Eisinger auf der Rechnung. »Zunächst muss sie unter die ersten Acht kommen. Dann ist fast alles drin. Das schlimmste Resultat wäre dann Platz vier«, erklärt Günter Eisinger. Einkalkuliert hat der Friedberger freilich, dass an der seit 34 Wettkämpfen in Folge unbesiegten Kroatin Blanka Vlasic kein Weg vorbeiführen dürfte.

Auch das Wetter könnte eine Rolle spielen. »Ariane kann auch gut bei Regen springen. Das können nicht alle«, bemerkt Eisinger. Der Lehrer am Burggymnasium in der Kreisstadt hat, wie seine Athletin, in der Vorbereitung auf Peking auf viel verzichtet. »Ich habe beispielsweise seit über einem Jahr bei keiner Feier an der Schule teilgenommen. Aber es hat sich rentiert«, sagt Eisinger, der sich klar für den Leistungssport ausspricht. »Da muss man alles andere unterordnen«. Diese Einstellung vermittelt er tagtäglich seiner Top-Athletin. »Ich lebe wie meine Großeltern«, sagte Friedrich nach den Deutschen Hallenmeisterschaften im Frühjahr in einem Interview. Doch trotz des Leistungssports dürfe als Ausgleich die Ausbildung nicht fehlen. Friedrich ist in der Sportfördergruppe der Polizei und ist Polizeikommissaranwärterin. »Ich begrüße sehr, dass sie täglich drei Stunden dort im Revier verbringt«. Am Donnerstag um 9.50 Uhr Ortszeit beginnen nun die Olympischen Spiele auch im Pekinger Stadion »Vogelnest« für Ariane Friedrich. Und Trainer Günter Eisinger wird, wohl wie immer mit einem Rucksack bepackt, während des Wettkampfs auf der Tribüne sein, coachen und mitfiebern.

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