Sarah Bormann, Box-Weltmeisterin im Halbfliegengewicht, muss im Training improvisieren. FOTO: KESSLER
+
Sarah Bormann, Box-Weltmeisterin im Halbfliegengewicht, muss im Training improvisieren. FOTO: KESSLER

Boxen

Sarah Bormann: Grundversorgung statt WM-Kampf

  • vonRedaktion
    schließen

Sarah Bormann hatte auf einen Kampf zur WM-Titelvereinigung gehofft. Jetzt ist die Boxerin aus Nidderau-Ostheim aber erstmal eine Heldin des Alltags.

Sarah Bormann aus Nidderau-Ostheim hatte sich in den vergangenen Jahren in die Herzen vieler Faustkampf-Freunde geboxt. Jetzt wird die Karriere der amtierenden Halbfliegengewicht-Weltmeisterin (bis 48,9 Kilogramm) der Boxverbände GBU (Global Boxing Union), WIBF (Women’s International Boxing Federation) und WBF (World Boxing Federation) jäh ausgebremst.

So wurde nicht nur der für April angesetzte Aufbaukampf gestrichen, auch die mögliche Titelvereinigung mit der unangefochtenen Nummer eins der Weltrangliste, WBC-Weltmeisterin Yesenia Gomez (Mexiko/17 Siege, fünf Niederlagen, drei Unentschieden), steht derzeit in den Sternen. Entsprechend niedergeschlagen äußert die 1,63 Meter große Athletin der TG Hanau: "Die Situation ist natürlich blöd. Man weiß ja nicht, wie lange es so noch weitergeht. Ich bin natürlich enttäuscht, weil Boxen alles für mich ist, aber ich bin froh, dass ich gesund bin."

Umso erstaunter war die gelernte chemisch-technische Assistentin dann auch, dass noch vor wenigen Wochen in London Qualifikationskämpfe für die später dann um ein Jahr auf 2021 verschobenen Olympischen Sommerspiele stattgefunden haben. Bormann weiß, dass mit einer Absage noch weit mehr verbunden sein kann, was auch an ihrem Fall deutlich wird. Nicht nur verpasst die Linksauslegerin eine sportliche Herausforderung, gegen die extrem starke Mexikanerin den nächsten Schritt auf der Karriereleiter gehen zu können. Für die 30-Jährige bedeutet der Verlust eines Profikampfs auf internationaler Bühne auch finanzielle Einbußen, auch wenn sich die noch halbwegs in Grenzen halten, wie "Babyface" Bormann erklärt: "Ich bekomme ein paar Sponsorengelder, aber die sind eingeschränkt, weil ich durch die fehlenden Kämpfe meine Sponsoren nicht mehr präsentieren kann. Ich muss zurückstecken, aber ich habe zum Glück noch einen anderen Job."

Und der ist derzeit - anders als viele andere - durchaus sicher. Als Bäckereifachverkäuferin ist Bormann eine der Alltagsheldinnen, die die Grundversorgung der Bevölkerung sicherstellen und von den Kunden dafür positives Feedback bekommen. "Es ist zwar alles anders, weil nur noch zwei bis drei Personen bei uns im Laden stehen dürfen und wir hinter einer Plexiglasscheibe arbeiten, aber ich fühle mich sicher. Die Leute sind dankbar, dass wir das machen. Das merkt man schon."

Um sich dennoch in dieser speziellen Zeit für Aufgaben im Ring fit zu halten, bleibt der Boxerin der TG Hanau nur das Workout in den eigenen vier Wänden oder die Bewegung in der freien Natur, zumal Bormann zu Hause auch keinen Boxsack hängen hat. "Ich überlege mir aber schon, wieder einen aufzuhängen." Derzeit bestimmen bei der ehrgeizigen Sarah Bormann einfache Konditionsarbeit, Schattenboxen sowie Schattenboxen mit Hanteln die Übungseinheiten, weil das Sparring und die komplette Partnerarbeit fehlen. "Deshalb kann ich es kaum noch erwarten, bis ich endlich wieder in den Ring steigen kann,"

OLIVER KRAUS

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare