Die Gründe für die Beienheimer Meisterschaft

Selbst nach dem guten Saisonstart ahnte beim SKV Beienheim noch keiner, dass die Saison so enden würde. Bis drei Spiele vor Schluss habe man nicht an die Meisterschaft geglaubt, erklärt Trainer Dirk Haigis. Nach 34 Spielen in der Fußball-Kreisoberliga war es soweit: Der SKV Beienheim stand als Meister fest und genießt im wahrsten Sinne des Wortes in der nächsten Saison Gruppenliga-Status.

Die Beienheimer Erfolgsformel in Kürze: Ein erfahrener Trainer, ein überragender Libero, ein vertrauter verlängerter Arm des Trainers, keine Schwächephase, Pflichtsiege gegen die Teams aus der unteren Tabellenregion, hin und wieder ergebnisorientierter Fußball, eine hohe Trainingsbeteiligung, ein intaktes Umfeld sowie das nötige Quäntchen Glück.

Dass der SKV Beienheim Meister werden konnte, hatte sicherlich auch mit der schwachen Steinfurther Hinrunde sowie dem enttäuschenden Abschneiden des SV Staden zu tun. Doch die Elf von Dirk Haigis war die Mannschaft, die bestmöglich in die Bresche sprang – nämlich die meisten Punkte holte. "Wir sind Meister. Ob wir ein guter oder verdienter Meister sind und ob die Meister der Vorjahre besseren Fußball gespielt haben, interessiert erstmal nicht", sagt Haigis.

"Infrastruktur aller Ehren wert"

Viele Faktoren waren die Garanten des Beienheimer Erfolges. Trainer Dirk Haigis selbst hat zwar wie sein Aufsteiger-Trainerkollege Berthold Vetter vom FCO Fauerbach keine Trainerlizenz, doch beide setzen auf ihren reichen Erfahrungsschatz. Haigis hat in mehreren Vereinen höherklassig gespielt und ist seit über zehn Jahren im Trainergeschäft. Als Spielertrainer stieg er mit dem SV Bruchenbrücken vor zehn Jahren in die Gruppenliga auf, hielt die Klasse und führte den Verein ins Kreispokalfinale; beim Erfolg über Klein-Karben war der heute 48-Jährige jedoch kein Trainer mehr in der Bärenschweiz. Es folgte erstmals die Station SKV Beienheim, mit dem er B-Liga-Meister wurde. Danach führte er den VfR Ilbenstadt im ersten Kreisoberliga-Jahr (Berthold Vetter war mit dem VfR aufgestiegen) auf Rang drei und holte die Hallenkreismeisterschaft 2008, ehe er nach vier Jahren als Spieler in die zweite SKV-Mannschaft zurückkehrte und damit eine Auszeit als Coach nahm.

2011 wurde Haigis Trainer der SKV-Ersten und führte diese prompt nach zwei schwächeren Jahren (unter anderem einer desaströsen Hinrunde 2009/10 mit nur einem Sieg – Olaf Kraft rettete nach der Winterpause) auf Rang fünf. "Ich kannte die verantwortlichen Leute in Beienheim, unter anderem den Spielausschussvorsitzenden und persönlichen Freund Michael Major sowie den Vorsitzenden Stefan Raab. Die Infrastruktur hier ist aller Ehren wert. Da können nur wenige Vereine im Kreis mithalten", sagt Haigis zu den Gründen seiner Rückkehr in den Reichelsheimer Stadtteil.

Haigis’ verlängerter Arm auf und bei Verletzungspausen neben dem Feld war Tobias Vogeler. Mit dem früheren Ober-Erlenbacher hatte der Coach schon in Bruchenbrücken und Ilbenstadt gearbeitet. "Tobias konnte wegen seines Studiums keine Spielertrainertätigkeit mehr ausüben. Er ist als Mensch top und auf dem Platz ein wichtiger Mann für uns in dieser Saison gewesen", sagt Haigis über Vogeler, der zuvor Spielertrainer in Kloppenheim war.

Eine zentrale Rolle spielte auch Yilmaz Dural. Der Routinier feierte schon zuvor einige Aufstiege mit dem Türk. SV Bad Nauheim, unter anderem vor fünf Jahren als Kreisoberliga-Meister. Dural spielte den klassischen Libero, organisierte hervorragend die Abwehr und gab auch Impulse nach vorne. Zwar hatte er sich in der Vorbereitung die Bänder gerissen und fiel während der Runde durch eine lange Sperre aus, doch dieses Fehlen konnte der SKV auf dieser Position durch Sven Endmann und Dominik Friede kompensieren. "Dass wir mit Libero gespielt haben, war keine Frage. Mit nur einem Schiedsrichter macht eine Viererkette aus meiner Sicht keinen Sinn", sagt Haigis.

Dural, Torhüter Kevin Christiansen und Co. ließen nur 29 Gegentore zu und sorgten damit dafür, dass die Beienheimer die beste Defensive der Liga stellten. Da machte es nichts, dass Beienheim öfters nicht viel besser war als der Gegner, davon zeugen sieben Siege mit nur einem Tor Differenz. Manchmal half auch das vielbesagte Glück einer Topmannschaft mit, beispielsweise beim 1:0 gegen den VfB Friedberg durch einen Vogeler-Treffer in der 93. Minute. Zudem gewann der SKV viele Partien gegen die Teams aus der unteren Tabellenhälfte und hielt sich in den Topspielen zumeist schadlos.

Zeugnis davon sind nur drei Niederlagen gegen Fauerbach (0:1), Klein-Karben II (0:4) und Steinfurth (0:1). "Gerade in der Rückrunde haben wir nicht auf Teufel komm raus auf Sieg in den Toppartien gespielt. Wir haben eher versucht, intelligent und ergebnisorientiert zu spielen", erklärt Haigis. Ergebnis waren die drei Remis nach der Winterpause gegen Petterweil (1:1), Fauerbach (0:0) und Staden (2:2).

"Ausrichtung des Vereins bleibt"

Eine hohe Trainingsbeteiligung (schlug sich auch im guten Abschneiden der Zweiten nieder), gute Bedingungen am Beienheimer Sportgelände (zwei Rasenplätze mit Flutlicht) sowie Spieler mit einer sehr guten Entwicklung wie beispielsweise Maurice Böker in seinem ersten Seniorenjahr rundeten den Kern der Gründe für den Aufstieg ab.

Die Gruppenliga sieht man in Beienheim als Abenteuer an. "Der Aufstieg ändert in keinster Weise die Ausrichtung des Vereins. Wir werden unseren jungen Leuten wie Maurice keine fünf, sechs Zugänge vor die Nase setzen. Wir wissen, was auf uns zukommt. Wir werden daran nicht zerfallen. Der Klassenerhalt wäre ebenso hoch zu bewerten wie die Meisterschaft in diesem Jahr", sagt Dirk Haigis, der die Viererkette testen, "aber nicht um jeden Preis durchziehen" wird. Während Nedim Berktas nach Fauerbach geht, kommt Janos Schmidt aus Ilbenstadt. Michael Wiener

Beienheim Meister â?" Fauerbach und Trais relegieren

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare