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Nachwuchstalent Christian Schmirler wechselt zur neuen Saison vom TTC Bad Nauheim/Steinfurth zum Hessenliga-Team des Gießener SV. FOTO: JAUX

Große und kleine Zweifel

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(msw). Nach dem offiziellen Ende der Tischtennis-Saison 2019/2020 müssen sich jetzt auch noch andere Teams Gedanken um die weitere sportliche Zukunft machen. Denn: Der Hessische Tischtennisverband hat bei Saisonabbruch festgelegt, dass es zwar Auf-, aber keine Absteiger geben wird - die Klassen werden in der kommenden Saison entsprechend größer, erst danach sollen über vermehrten Abstieg wieder die Ursprungsgrößen hergestellt werden. Gleichzeitig muss aber niemand, nicht einmal der Meister, den Gang in die höhere Spielklasse antreten. Wir haben das zum Anl ass genommen und bei vier betroffenen Teams im Wetteraukreis nachgefragt, wie ihre Entscheidungsfindung aussieht.

TTC Bad Nauheim/Steinfurth:Eine persönliche Entscheidung hat dabei Christian Schmirler vom TTC Bad Nauheim/Steinfurth bereits getroffen, denn er wird nach seiner bereits vollzogenen Rückkehr aus dem Tischtennis-Internat in England zum Gießener Sportverein in die zweite Mannschaft in die Hessenliga wechseln. Er begründete seine Entscheidung folgendermaßen: "In Gießen werden viele junge Spieler wie auch der ehemalige Dortelweiler Steven Frinta, Timo Geier und Luis Frettlöh spielen, sodass ich mich dafür entschieden habe. Außerdem kann ich auch die Möglichkeit bekommen, Einsätze in der Regionalliga zu erhalten. Die Gießener hatten mich schon vor einiger Zeit angeschrieben, und deshalb habe ich mich nun für sie entschieden. Ich hoffe, dass ich in diesem Schuljahr trotz Corona-Krise noch einmal nach England gehen kann, da es dort sehr schön war. Das Training war im Vergleich zum Hessenkader mit mehr sozialen Aktivitäten gekoppelt."

Sein ebenfalls beim TTC Bad Nauheim/Steinfurth spielender Vater Bernd Schmirler legt Wert auf die Feststellung, dass sein Sohn eine hervorragende Zeit in seinem Heimatverein gehabt hätte und dass er sich die Entscheidung auch keineswegs leicht gemacht hätte. Diesen Schritt hätten aber alle im Verein verstanden. "Christian ist sehr ehrgeizig ohne verbissen zu sein, wir mussten jetzt den nächsten Schritt gehen". Somit wird sein Heimatverein jetzt vor eine schwierige Entscheidung gestellt, denn TTC-Mannschaftsführer Joscha Müller weiß noch nicht, ob er mit seinem Team als Vizemeister der Bezirksliga Mitte der Herren, Gruppe 4, den Aufstieg in die Bezirksoberliga, Gruppe 2, antreten soll. "Frank Stellmann wurde wegen Knieproblemen operiert, sodass jetzt wohl noch andere aus der zweiten Mannschaft in die erste Garnitur aufrücken müssten. Diese Spieler wollen aber möglichst nur am Freitag und nicht am Wochenende spielen. Wenn uns aber in der Bezirksliga eine Klasse mit 15 Mannschaften droht, könnte das den einen oder anderen aber auch noch zum Umdenken bewegen." Auch deshalb hat man sich in der Kurstadt noch nicht entschieden.

Viele Fragezeichen in Bauernheim

SG Bauernheim:Ähnlich abwartend verhält sich auch Matthias Schultheis, der mit der SG Bauernheim die Vizemeisterschaft in der Bezirksklasse Mitte der Herren, Gruppe 8 errungen hat und nun die Berechtigung zum Aufstieg in die Bezirksliga, Gruppe 4, genießt. "Wir haben uns noch nicht ganz entschieden. Wir haben versucht, eine starke Saison zu spielen und unser realistisches Ziel war es auch, hinter der SG Rodheim auf dem zweiten Platz zu landen. Wenn wir die Relegation dann gewonnen hätten, wären wir auch ganz sicher aufgestiegen, doch jetzt gibt es einige Zweifel. Wir freuen uns natürlich, dass wir die Chance haben, doch uns fehlt eigentlich ein guter Spieler für das vordere Paarkreuz, um in dieser Klasse wirklich mithalten zu können. In der jetzigen Besetzung sind wir für die Bezirksliga wohl zu schwach, vor allem wenn diese 14 Mannschaften und damit verbunden vier Direktabsteiger haben wird, und für die Bezirksklasse zu stark. Außerdem machen in der ersten und zweiten Mannschaft gerade einige Spieler ihr Abitur, und wir wissen noch nicht, wohin sie danach gehen werden. Vor der letzten Saison haben wir außerdem vor Beginn der Runde oft drei bis vier Stunden täglich trainiert, und jetzt weiß niemand, wie es in den Hallen und bei uns im Bürgerhaus weitergeht. Somit werden wir die nächsten Wochen abwarten, auch um zu sehen, welche Auswirkungen das Virus auf unser Leben hat", erklärt der Mannschaftsführer.

SG Rodheim:Ganz anderer Stimmung ist Rodheims Abteilungsleiter Matthias Hartmann, der mit der ersten Mannschaft der SG Meister der Bezirksklasse Mitte, Gruppe 8, ist und somit ebenfalls in die Bezirksliga, Gruppe 4, aufsteigen darf. Außerdem wurde die zweite Garnitur Meister der Kreisliga Wetterau der Herren, Gruppe 1, und darf damit nach vielen Jahren wieder in der Bezirksklasse, Gruppe 8, spielen. "Das Ende kam schnell und abrupt, doch wir sind alle froh, dass es geklappt hat, zumal wir mit Sascha Groß vom TSV Butzbach noch eine Verstärkung für die kommende Saison bekommen, was Schwung in alle Mannschaften hinein bringen und alle stabilisieren wird. In der Bezirksliga werden wir dann sicherlich im Mittelfeld mitspielen können, da wir ausgeglichen gut besetzt sein werden. Ob Andreas Lingenau oder Harald Stock in die zweiten Garnitur gehen, ist noch nicht ganz klar. Vielleicht gibt es ja auch einen Freiwilligen. Das ist aber alles kein Problem, da derjenige ja dann in der Bezirksklasse vorne spielen wird. Dass die zweite Mannschaft aufsteigt, hatten wir vor der Saison allerdings nicht auf dem Radar, doch so entsteht keine Lücke zwischen den beiden Teams. Johanna Klitsch wird auch weiterhin bei den Herren spielen. Wenn sich jetzt auch noch die Damen zum Aufstieg in die Oberliga entschließen sollten, können wir unsere Meisterschaftsfeiern in eine Abteilungsfeier umwandeln. Denn selbst unsere dritte Mannschaft hat mit dem realisierten Klassenerhalt in der 1. Kreisklasse Grund zur Freude. Und Kerstin Wirkner hat schon angekündigt, dass sie schnell wieder mit dem Tischtennistraining anfangen möchte. Für uns als erste Mannschaft wurde es Zeit, endlich aufzusteigen, da wir in den letzten drei Jahren zwei Mal als Vizemeister in der Relegation gescheitert waren. Jetzt können wir auch einmal andere Gesichter sehen. Und für mich persönlich war die schnelle Beendigung der Runde auch ein Vorteil, da ich mir im Spiel gegen den TTC Ockstadt den Meniskus gerissen hatte und jetzt in Ruhe die Folgen meiner Operation auskurieren kann. Außerdem haben wir jetzt die Hoffnung, dass noch weitere junge Spieler aus der Umgebung den Weg zu uns findet."

Kein Aufstieg der Dorheimer Damen

TTC Dorheim:Klar ist, dass der TTC Dorheim als Vizemeister der Kreisliga Wetterau der Damen in der nächsten Saison nicht in der Bezirksliga Mitte, Gruppe 2, spielen wird. TTC-Mannschaftsführerin Concetta Schröder ließ an dieser Entscheidung keinen Zweifel: "Wir werden auf gar keinen Fall aufsteigen. Warum sollten wir in der höheren Klasse weite Wege fahren, um dann paniert zu werden? Außerdem haben wir nur drei Stammspielerinnen, sodass wir nur im Braunschweiger System weiter spielen können, ohne gleich mehrere Spiele kampflos abgeben zu müssen."

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