Konstantin Poltum aus Ober-Mörlen überzeugt mit starken Leistungen bei Bundesliga-Aufsteiger HSC Coburg. FOTO:
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Konstantin Poltum aus Ober-Mörlen überzeugt mit starken Leistungen bei Bundesliga-Aufsteiger HSC Coburg. FOTO:

Handball

Glücksgefühle in der Bundesliga

  • vonPeter Hett
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Konstantin Poltrum aus Ober-Mörlen hat sich einen Traum erfüllt. Mit dem HSC Coburg spielt der 26-jährige Torwart in der Handball-Bundesliga. Am Donnerstag ist Poltrum mit dem Aufsteiger in der mittelhessischen Heimat bei der HSG Wetzlar zu Gast.

In der Handball-Bundesliga wird nach der Länderspielpause nun der siebte Spieltag ausgetragen. Auf dem Spielplan steht dann auch die Partie zwischen der HSG Wetzlar und dem noch punktlosen Aufsteiger HSC Coburg. Auf den ersten Blick ein alltägliches Punktspiel. Und doch gibt es zwei Aspekte, die das Spiel gerade in Mittelhessen in den Blickpunkt rücken. Da ist zunächst das Wiedersehen mit alten Bekannten, wie Florian Billek, Konstantin Poltrum, Alois Mraz und Jan Gorr, die allesamt über lange Jahre sowohl der HSG Wetzlar als auch dem TV Hüttenberg angehörten. Besondere Beachtung verdient überdies das Duell auf der Torhüterposition. Der 22-jährige Till Klimpke im HSG-Gehäuse, der in der vergangenen Woche erneut in den DHB-Kader berufen wurde und am Sonntag in Estland sein drittes Länderspiel bestritt, hat sich längst zu einem der herausragenden Keeper der Liga gemausert. Demgegenüber segelte Konstantin Poltrum, sein Gegenüber im Tor der Oberfranken, lange Jahre unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung, was ob seiner sportlich Vita verwundert. Jugend-Nationalspieler (27 Spiele) mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei der WM 2013 und Junioren-Nationalspieler (zehn Spiele) sind hier die auffälligsten Einträge.

Jetzt, in der Bundesliga, hat er sich in den Blickpunkt gespielt. Gleich im ersten Spiel in Lemgo glänzte er nach seiner Einwechslung (15. Minute) mit 13 Paraden, und im letzten Spiel gegen Magdeburg sorgten 16 Paraden für den Spitzenwert an diesem Spieltag. Mit insgesamt 64 gehaltenen Bällen belegt er im Torhüterranking der Liga derzeit den dritten Platz und lässt viele renommierte Namen hinter sich. Ganz vorne steht er auch mit sieben Paraden in der Siebenmeterbilanz. Hier hat lediglich Nationaltorwart Johannes Bitter eine Parade mehr aufzuweisen. Dass dies alles derzeit eine Momentaufnahme darstellt und sich mit Fortdauer der laufenden Spielzeit relativieren wird, mag sein. Mit Sicherheit hat der 26-Jährige, der in Ober-Mörlen aufwuchs, aber mehr als nur eine Duftmarke hinterlassen.

Seine Laufbahn, die in der Jugend der HSG Mörlen begann, hat er mit Bedacht kontinuierlich aufgebaut und darauf geachtet, neben einer Ausbildung, auch die für eine zielgerichtete Weiterentwicklung notwendigen Spielanteile zu erhalten. Sein Weg zum HSC Coburg führte über den TV Hüttenberg und die HSG Konstanz. Großen Anteil an seiner Entwicklung hat die Zeit in Hüttenberg. "Mit Waldemar Strzelcyk hatten wir da einen super Mann. Sein Torwart-Training war richtig gut und hat viel Spaß gemacht", blickt Poltrum zurück.

Derzeit schwimmt er persönlich auf einer Euphorie-Welle und schöpft durch die guten Leistungen neues Selbstvertrauen. Die veränderte Art der individuellen Vorbereitung auf die Spiele hat seine Leistungen positiv beeinflusst. Er bleibt aber auch realistisch. "Das gibt Kraft. Aber durch meine handballerischen Leistungen bin ich jetzt kein besserer Mensch", urteilt er sachlich.

Das sportliche Ziel, einmal in der ersten Liga zu spielen, hat Poltrum erreicht. Der Traum, in den deutschen Handballtempeln vor großen Kulissen, "die immer super schöne Gefühle vermitteln", zu spielen, ist jedoch durch die Corona-Krise verhindert worden. So erwies sich zuletzt das Gastspiel in Flensburg, in der eigentlichen "Hölle Nord", als handzahme Nummer. Obwohl seine HSC noch am Tabellenende rangiert, sieht er das Potenzial, die Klasse zu halten.

"Wie alle Aufsteiger befinden wir uns in einem Lern- und Akklimatisierungsprozess. Wenn wir weiterhin kontinuierlich an uns arbeiten und das Potenzial auf die Platte bringen, werden wir die notwendigen Punkte holen. Wir haben gegen Magdeburg schon an Punkten geschnuppert, weshalb sollten wir in Wetzlar nicht etwas einfahren", bewertet Poltrum die aktuelle Situation seines HSC.

Nachgefragt bei Konstantin Poltrum

In Wetzlar wird erneut in einer leeren Halle gespielt. Was gehen Sie mit dieser Situation um?

Poltrum: Es ist schade. Zuschauer und Atmosphäre gehören zum Handball. Aber wir sehen die Notwendigkeit der Maßnahme und nehmen das so an. Es hilft, wenn sich die Emotionalität im Team erhöht und man sich als Mannschaft unterstützt. Es tut mir weh, dass Familie, Freunde und Unterstützer, die mir viel Kraft geben, nicht vor Ort sind. Gerade für das Spiel in Wetzlar hatten sich Freunde und alte Wegbegleiter angekündigt. Das fällt jetzt leider weg.

Was macht es mit einem jungen Sportler wie Ihnen, wenn der Traum vor diesen knallvollen Hallen aufzulaufen und die emotionale Atmosphäre aufzusaugen, nicht wahr werden kann?

Ich nehme es, wie es kommt und mache mir keine große Gedanken. Ich genieße das Privileg, in der Bundesliga spielen zu dürfen. Den nicht erlebten Traum kann man auch umdrehen und diese neue, besondere Situation, die so viele auch nicht erleben, für sich bewerten und verarbeiten. Für mich ist es auch ohne Zuschauer bisher ein Riesenerlebnis. 

Es wird spekuliert, dass sich der Handball ohne Zuschauer verändert. Die Kleinen haben ohne Publikum im Rücken kaum Chancen gegen die Topteams. Auf der anderen Seite gelingen Siege bei Gegnern auf Augenhöhe. Ist da was dran? 

Das ist schwer zu beurteilen. Sicherlich gibt es Mannschaften wie Balingen, deren Identität stark mit ihrem "Hexenkessel" verknüpft ist. Ob der Faktor fehlende Zuschauer auf die Kräfteverhältnisse der Liga Einfluss nimmt, oder andere Ausgangslagen schafft, weiß ich nicht. Ich hoffe, dass sich der Handball in Deutschland nicht langfristig verändert.

Erleben Sie Spieler, die wegen des Coronavirus Bedenken haben bezüglich des Spiels? 

Eher weniger. Ich verspüre Verantwortungsgefühl gegenüber meiner Mannschaft. Wir sind froh, spielen zu dürfen, und versuchen, Risikofaktoren oder engere persönlich Kontakte so gut es geht zu vermeiden. Leider bleibt überall ein Restrisiko. Da wir aber regelmäßig getestet werden, erfahren wir schnell, wenn eine Infektion vorliegen sollte und können eine Übertragung theoretisch relativ frühzeitig unterbinden.

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