Melli Bender (r.) vom FC Gambach hat in Zusammenarbeit mit dem Wetteraukreis ein Fußballcamp für Mädchen organisiert. FOTO: ESA
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Melli Bender (r.) vom FC Gambach hat in Zusammenarbeit mit dem Wetteraukreis ein Fußballcamp für Mädchen organisiert. FOTO: ESA

"Girls Kick" in Gambach: Ein Statement für den Mädchenfußball

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Mädchenfußball nimmt auch in der Wetterau noch immer eine vergleichsweise kleine Rolle ein. Das soll sich ändern. 

Seit kurz nach 6 Uhr ist Melli Bender am Samstag auf dem Sportplatz in Gambach zu Gange. Es gibt noch allerhand zu tun, bevor am Vormittag die ersten Mädchen eintreffen. Die Trainingsgeräte aufbauen, Tische und Bänke aufstellen, alle Einrichtungen an die Hygienevorschriften anpassen. Schließlich dreht sich an diesem Wochenende alles um den Fußball.

Vor knapp einem Jahr bekam der FC Gambach Post von Sarah Parrish vom Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises. Seither lief unter dem Motto "Girls‹ Kick" die Planung für das Mädchenfußballcamp. "Mädchenfußball hat noch immer mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. In der Wetterau gibt es rund 90 Vereine, in denen Fußball gespielt wird, aber nur sieben Vereine haben eine Mädchenmannschaft", sagt Parrish.

Eigentlich sollten diese sieben Vereine auch jeweils ein Camp organisieren, "doch dann kam Corona", sagt Bender. Sie ist nicht nur geschäftsführender Vorstand beim FCG, sondern auch Leiterin Frauen- und Mädchenfußball und seit mehreren Jahren Trainerin - dabei ist sie eigentlich Handballerin, doch die Tochter wollte vor elf Jahren lieber Fußball spielen. So kommt eins zum anderen, ihr Mann Michael Weiser, sportlicher Leiter beim FC Gambach, ist ebenfalls "seit Ewigkeiten", wie Bender sagt, als Übungsleiter im Verein aktiv.

Während beispielsweise die Camps der Spvgg. 08 Bad Nauheim oder des SVP Fauerbach ausfallen, entschließen sie sich in Gambach, dem Ganzen eine Chance zu geben. "Auch, weil es durch das Coronavirus eine sehr lange Fußball-Pause war", sagt Bender.

Rund 25 Mädchen zwischen zehn und 15 Jahren- darunter zwei Kickerinnen, die noch nicht im Verein aktiv sind - kommen so am Wochenende in den Genuss von Fußball satt, aber auch von Kino samt Popcorn im Vereinsheim ("Das Wunder von Taipeh") und natürlich den Hygienevorschriften.

Viel Freude und Elan

Überall finden sich Schilder mit den Namen der Mädchen. "Jedes Kind hat beispielsweise am Esstisch seinen festen Platz, die beiden Gruppen trainieren und essen getrennt voneinander. Am Treffpunkt auf dem Feld hat auch jeder seinen Platz", sagt Bender. Auch Details müssen beachtet werden, so dürfen zum Beispiel die Kinder sich den Ketchup nicht selbst auf ihrem HotDog verteilen. "Der Satz des Wochenende ist: Habt ihr euch die Hände gewaschen?", sagt Bender.

Für die Mädchen schmälert das den Spaß am Fußball nicht. Mit viel Freude sind sie am Sonntagvormittag beim Ablegen des Fußballabzeichens dabei, und auch beim Torschusstraining am Nachmittag unter der Anleitung von Weiser sprühen die Fußballerinnen vor Elan. Am Tag zuvor kam Rene Glasenhardt, ehemaliger Torwart beim FSV Frankfurt und Karbener SV, vorbei und übte mit den drei Torhüterinnen. Seine Tochter spielt im Gambacher Nachwuchs, der Weg war also entsprechend kurz.

Die Unterstützung und das Engagement vom Fachbereich des Wetteraukreis ist für die Vereine mit Mädchenmannschaften natürlich eine schöne Sache. "Dort wird sich gekümmert und man hat immer ein offenes Ohr", sagt Bender. Wie zu hören ist, fehlen ähnliche Initiativen vom Kreisfußballverband Friedberg. "Wir sind da im Verein relativ selbstständig unterwegs", sagt Bender, umso willkommener sei die Zusammenarbeit mit dem Wetteraukreis, der die Camps in Gambach, Büdingen und Nidda mit Mitteln aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben" des Bundesfamilienministeriums und Co-Finanzierung vom Land Hessen ins Leben gerufen hat.

Es soll nicht die letzte Zusammenarbeit zwischen dem Wetteraukreis und den Vereinen gewesen sein, das wird schnell deutlich. Trotz allem sind Bender und Weiser "froh, wenn wir abends die Füße hochlegen können", sagen sie. Ihr Fokus liegt nun auf dem Sommercamp der "Wiesenhof Fußballschule". "Da haben wir dann bis zu 100 Kinder und Jugendliche am Start", sagt Bender. Falls nichts dazwischen kommt, wird auch dann der Wecker wieder früh am Tag klingeln.

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