Fußball-Diskussion der WZ-Redaktion: Beim Kaffee plaudern die Trainer Andre Micelotta (links) und Özcan Can mit den Redakteuren Michael Nickolaus (rechts) und Michael Humboldt. In der Bildmitte: WZ-Praktikantin Marieke Nass.
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Fußball-Diskussion der WZ-Redaktion: Beim Kaffee plaudern die Trainer Andre Micelotta (links) und Özcan Can mit den Redakteuren Michael Nickolaus (rechts) und Michael Humboldt. In der Bildmitte: WZ-Praktikantin Marieke Nass.

Gipfeltreffen in der Redaktion

(mn/mi) Andre Micelotta und Özcan Can kommen zusammen zum Interview in die WZ-Räume. Auf der Treppe hinauf in den dritten Stock wird gewitzelt und geflachst. Man kennt sich eben. Am Sonntag wird es aber ernst. Dann treffen beide im Top-Spiel der Fußball-Kreisoberliga aufeinander.

Das Verhältnis der Fußball-Trainer Micelotta und Can ist geprägt von Respekt für die Arbeit des Kollegen und von Erinnerungen an eine gemeinsame Vergangenheit in der Jugendabteilung des SV 06 Bad Nauheim, wo beide einst ihre sportliche Laufbahn begonnen haben. Der 27. Spieltag der Kreisoberliga Friedberg führt Micelotta als Coach des SV Steinfurth und Can als Spielertrainer des Türkischen SV Bad Nauheim am Sonntag (15 Uhr) im Rosendorf wieder zusammen. Der Tabellenzweite empfängt den Spitzenreiter, der zu Hause noch ungeschlagene SV Steinfurth trifft auf den in Rödgen beheimateten Aufsteiger, der erst eines seiner zwölf Auswärtsspiele verloren hat.

Özcan Can, Sie haben beim Türkischen SV die Wende eingeleitet und den Klub nach dem Abstieg aus der A-Liga heraus wieder an die Kreisoberliga-Spitze geführt. Träumen Sie bereits vom Durchmarsch?

Özcan Can : Nein. Als Aufsteiger haben wir uns selbst im Tabellen-Mittelfeld eingeordnet. Dass es so gut läuft, war nicht vorauszusehen, nicht geplant. Dennoch: Es ist einfacher, von unten anzugreifen, als sich oben zu halten. Wir wollen uns Schritt für Schritt weiterentwickeln. Und deshalb kann ich auch schon jetzt sagen, dass wir – egal, wie es ausgeht – eine tolle Saison gespielt haben.

Andre Micelotta: Wer so lange die Tabelle anführt, der ist enttäuscht, wenn’s am Ende nicht reicht. Etwas anderes kannst Du mir nicht erzählen.

Can: Natürlich wäre es schade, wenn es am Ende nicht für den ganz großen Wurf reicht. Doch wenn es nicht klappt, geht bei uns die Welt auch nicht unter.

War der Sieg im Hinspiel über Steinfurth für Sie schon ein Zeichen, dass Sie sich als Aufsteiger gleich zum Spitzenteam entwickeln könnten?

Can: Die Steinfurther haben ja schon im Sommer im Stadtpokal gesehen, was wir drauf haben. Aber natürlich haben meine Spieler beim Kreisoberliga-Sieg auch erkannt, was möglich ist. Und dann haben wir seit Oktober tatsächlich immer oben gestanden, wobei wir meist auch schon mehr Spiele ausgetragen hatten als die Konkurrenten. Nach Punkten könnte uns der VfB Petterweil mit drei Spielen weniger ja auch jetzt noch an der Spitze überholen.

Wer sind die Leistungsträger in Ihrem Team?

Can: Unsere Mannschaft ist jung und läuferisch stark. Ramil Taitschinov und Emir Mujdza halten die Abwehr zusammen, im Mittelfeld ziehen Murat Kuzpinar und Selahattin Deliktas, sofern er nicht arbeiten muss, die Fäden, und vorne haben wir mit Murat Akbulut einen echten Torjäger.

Den SV Steinfurth hatte man hingegen auf der Rechnung. Die Konkurrenz hatte Ihr Team als Top-Favoriten auserkoren, Andre Micelotta.

Micelotta: Wir müssen nicht aufsteigen, aber wir haben die Möglichkeit, und wir wollen. Dafür spielen wir schließlich Fußball, dafür trainieren und arbeiten wir eine komplette Saison lang. Wer Sport treibt, will immer das bestmögliche Resultat erzielen.

Wie personifizieren Sie die Achse des Erfolges in Ihrem Team?

Micelotta: Da tue ich mich schwer. Ich denke aber, dass wir mit Daniel Laboy den besten Torwart der Liga haben, in der Abwehr sind Dominik Herbert und Dominik Reichardt eine Bank, davor zieht Maxi Esposito die Fäden, und mit Marcel Müller haben wir einen Top-Torjäger.

Welche Bedeutung messen Sie – mit Blick auf das Restprogramm beider Mannschaften – der Partie bei?

Micelotta: Das ist ein absolutes Spitzenspiel, jeder freut sich darauf. Wir spielen zu Hause und wollen uns natürlich für das 1:3 im Hinspiel revanchieren. Die Meisterschaft wird in diesem Spiel allerdings nicht entschieden. Es werden bis zum 32. Spieltag noch genügend Punkte ausgespielt. Zudem darf man auch Staden und gerade den VfB Petterweil angesichts seiner möglichen Punktausbeute aus den Nachholspielen nicht vergessen.

Der SV Steinfurth scheint sich mit 11:0 Toren und sechs Punkten aus den letzten beiden Spielen für das Top-Spiel regelrecht warmgeschossen zu haben.

Can: Vor Steinfurth haben wir immer Respekt. Das spielen die Ergebnisse der letzten Spiele keine Rolle.

Welchen Spiele aus dem Kader des Gegners hätten Sie gerne in Ihren Reihen?

Can: Den Marcel Müller würde ich als Stürmer schon gerne nehmen, ganz sicher. Auch einen Daniel Contin, mit dem ich einst schon auf höherer Ebene in Bad Vilbel zusammen- gespielt habe. Aber da waren wir noch jünger.

Andre, wen würden Sie vom Türkischen SV nehmen?

Micelotta: Der Türkische SV hat viele interessante Leute. Ich würde Özcan Can nehmen (lacht). Er ist ein sehr intelligenter Spieler und hat nicht umsonst schon in der Oberliga Hessen gespielt. Oder aber Taitschinow, einen der stärksten Verteidiger der Liga.

Am letzten Sonntag haben Sie es mit dem SV Steinfurth Ihrem ehemaligen Spieler Christian Adler ja ganz schön gezeigt und mit beiden Teams gleich elf Tore in Florstadt erzielt.

Micelotta: Ja, das deutliche 5:0 unserer Ersten nach dem 6:0 der Zweiten hat mich selbst überrascht und war vielleicht unsere beste Saisonleistung. Aber zu Christian Adler haben wir nach wie vor natürlich ein freundschaftliches Verhältnis.

Beide Klubs haben schon in der Gruppenliga gespielt; neben positiven Erfahrungen sind in beiden Lagern auch viele negative Erinnerungen geblieben. Sind der SV Steinfurth und der Türkische SV denn reif für einen Wiederaufstieg?

Can: Warum nicht? Die heutige Situation hat mit dem damaligen Aufstieg und der negativen Entwicklung, die darauf folgte, doch nichts zu tun. Wir wollen für die kommende Saison junge Leute holen und ihnen die Möglichkeit bieten, Erfahrungen zu sammeln. Vielleicht reicht das für den Klassenerhalt, vielleicht würden wir auch direkt wieder absteigen. Wir können ja ein bisschen pendeln – so wie Steinfurth auch in den letzten Jahren. Mich würde das auf jeden Fall reizen, mit dem Türkischen SV im kommenden Jahr in der Gruppenliga zu spielen.

Würde der Türkische SV nicht denn gerne auch in den Spuren von Türk Gücü wandeln? Die Friedberger spielen ja erfolgreich in der Verbandsliga.

Can: Nein, das auf keinen Fall. Die haben dort doch ganz andere Voraussetzungen und Sponsoren als wir.

Andre Micelotta, kann denn der SV Steinfurth mittlerweile die Gruppenliga stemmen?

Micelotta: Ich denke, wir haben heute andere Perspektiven als beim letzten Abstieg. Der Kader ist in seiner Qualität und Quantität besser bestellt, wir haben uns anders aufgestellt und haben mit einer gut funktionierenden zweiten Mannschaft auch einen intakten Unterbau. Beim letzten Anlauf waren wir am Ende auch verdient abgestiegen. Nach dem Kraftakt im ersten Jahr, als wir mit null Punkten aus den ersten acht, neun Spielen gestartet waren und dennoch den Klassenerhalt gefeiert hatten, hat es im zweiten Jahr einfach nicht gepasst - trotz neuer Leute. Die Tabelle lügt nicht. Wenn du nach einer kompletten Saison am Ende unten stehst, dann zurecht.

Wo sehen Sie den wesentlichen Unterschied der Gruppenliga zur Kreisoberliga?

Micelotta: Die Ausgeglichenheit. Wenn man in der Kreisoberliga als Top-Mannschaft auf einen Klub aus dem Tabellenkeller trifft, reicht es in der Regel, deren zwei, drei Top-Leute zuzustellen. In der Gruppenliga muss du gleich sieben, acht Spieler aus dem Spiel des Gegners nehmen.

Can: Im Grunde haben alle Mannschaften Spieler in ihren Reihen, die schon höherklassig gespielt haben. Da sind das Spiel-Niveau und das Tempo automatisch höher. Das macht’s umso schwieriger.

Worauf wird es am Sonntagnachmittag ankommen?

Can: Auf die Tagesform. Wenn wir gut drauf sind, können wir 5:0 in Steinfurth gewinnen. Andererseits können wir genauso gut 0:5 verlieren, wenn es schlecht läuft.

Micelotta: Man wird sehen, wer schneller und besser in die Partie findet, wer vielleicht das erste Tor schießt.

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